Kalkulation unter Druck Energiekosten-Schock: Wie Betriebe auf steigende Preise reagieren sollten

Die hohen Spritpreise treiben nicht nur Verbrauchern, sondern vor allem Handwerkern die Sorgenfalten auf die Stirn. Schließlich sind sie auf ihre Fahrzeuge angewiesen. Und wenn Kraftstoffe teurer werden, steigen auch die Betriebskosten. Welche Maßnahmen helfen, um die Wirtschaftlichkeit zu verbessern.

Der Fuhrpark ist mit ein zentrales Betriebsmittel für das Handwerk. Entsprechend steigen mit dem Spritpreis auch schnell die Betriebskosten in die Höhe. Wer jetzt nicht gegensteuert, steuert schnell auf ein Problem zu. - © th-photo - stock.adobe.com

Wenn die Tankanzeige auf dem Armaturenbrett aufleuchtet, bekommt derzeit so mancher schweißnasse Hände: Spritpreise deutlich jenseits der Zwei-Euro-Grenze, bedingt durch den Iran-Krieg, machen das Tanken zu einer wenig freudigen Angelegenheit. Für Otto-Normalverbraucher bereits ein großes Ärgernis und schnell ein empfindlicher Eingriff in den Geldbeutel, für das Handwerk aber noch viel mehr eine wirtschaftliche Herausforderung. "Für viele Handwerksbetriebe ist das Fahrzeug kein Nice-to-have, sondern das zentrale Arbeitsmittel", sagt Liborio Manciavillano, Geschäftsführer der HWS Handwerks-Schmiede GmbH. Als gelernter Handwerker mit eigenem Betrieb berät er andere mittelständische Handwerksbetriebe in puncto effektive Systeme und Prozesse, damit diese sich zukunftsfähig aufstellen.

Viele Firmen seien täglich mit Transportern unterwegs – zu Baustellen, Kunden oder Materiallieferanten, so Manciavillano. Mit Diesel und Benzin steigen auch unmittelbar die Betriebskosten. "Wenn Spritpreise plötzlich stark steigen, trifft das direkt die Kalkulation – besonders bei kleinen Betrieben mit mehreren Fahrzeugen." Betriebe seien gefordert, gegenzusteuern – durch Preisanpassungen oder auch eine effizientere Tourenplanung –, denn sonst sei schnell die gesamte Wirtschaftlichkeit in Gefahr.

Preise und Fahrweise anpassen, Touren effizienter planen

Kurzfristig seien vor allem drei Maßnahmen entscheidend, rät Manciavillano: Preise anpassen, Touren effizienter planen und unnötige Fahrten vermeiden. "Viele zögern, ihre Preise zu erhöhen – genau das ist jedoch ein häufiger Fehler", so der Experte. "Wenn die eigenen Kosten steigen, muss diese Entwicklung entsprechend weitergegeben werden." Zudem sei eine durchdachte Einsatzplanung wichtig, damit die Mitarbeiter nicht unnötig weite oder unstrukturierte Wege zurücklegen. "Und außerdem sollten Aufträge gebündelt werden, anstatt mehrfach einzeln anzufahren", sagt Manciavillano.

Wichtig sei es zudem, seine Fahrweise anzupassen, um möglichst spritsparend unterwegs zu sein, ergänzt Frank Mauelshagen, Kfz-Experte bei der Ergo Versicherungsgruppe. Dadurch ließen sich bis zu 20 Prozent Kraftstoff sparen. "Am besten mit einer niedrigen Drehzahl fahren, nicht über 2.000 U/min. Dazu möglichst früh hoch- und spät runterschalten", rät er. "Außerdem hilft es, vorausschauend zu fahren, um häufiges Beschleunigen zu vermeiden: Lieber mit gleichmäßiger Geschwindigkeit fahren, frühzeitig vom Gas gehen, das Fahrzeug bei eingelegtem Gang rollen lassen und die Motorbremswirkung nutzen." Auf der Autobahn gilt: Mit der Richtgeschwindigkeit von 130 km/h zu fahren ist sparsamer als Vollgas zu geben.

Ungenutzte Dachträger abmontieren, unnötige Lasten vermeiden

"Dachträger erhöhen ebenfalls den Verbrauch – diese sollte man daher besser abmontieren, wenn sie gerade nicht gebraucht werden", erläutert Mauelshagen. "Auch Lasten im Laderaum wirken sich negativ auf den Verbrauch aus." Wer also beispielsweise mehrere Säcke Zement oder andere schwere Baumaterialien transportiert, sollte diese schnellstmöglich ausräumen. Darüber hinaus spielt auch der Reifendruck eine wichtige Rolle beim Spritverbrauch: "Ein niedrigerer Reifendruck als vom Hersteller empfohlen kann den Verbrauch schnell um bis zu fünf Prozent steigern", erklärt der Kfz-Experte. "Deshalb ist es sinnvoll, ihn regelmäßig zu prüfen."

Tankkarte, Einkaufsgemeinschaft & Co. prüfen

Auch Kooperationen oder gemeinsame Einkaufsmodelle könnten im Mittelstand dazu beitragen, die Belastung durch teure Kraftstoffe zu verringern. "Dadurch lassen sich beispielsweise Mengenrabatte erzielen oder Tankkarten effizienter nutzen, was zu gewissen Einsparungen führen kann", sagt Handwerksexperte Manciavillano. Dies sei jedoch kein Allheilmittel. "Der entscheidende Hebel liegt im eigenen Betrieb. Kooperationen sind sinnvoll, aber letztlich bestimmen die internen Prozesse darüber, ob ein Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich arbeitet oder nicht."

Nicht vorschnell auf E-Mobilität umsteigen

Man kann die aktuelle Situation auch zum Anlass nehmen, über den Umstieg der Fahrzeugflotte auf Elektroantriebe nachzudenken. Wer dann noch eine Solaranlage auf die Werkshalle baut und sich einen Stromspeicher zulegt, kann sich weitgehend von den Entwicklungen an den Ölmärkten unabhängig machen. "Angesichts der aktuellen Spritpreise lohnt sich die Investition in eine Photovoltaik-Anlage plus eigenem Stromspeicher und E-Ladesäule auch finanziell immer mehr", sagt Thomas Billmann von der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Zumal auch die Strompreise aktuell wieder steigen – da macht es sich nicht nur hinsichtlich der Mobilitätskosten bezahlt, möglichst viel eigenen Strom zu produzieren.

Vorschnelle Entscheidungen seien in dieser Hinsicht aber nicht angebracht, schränkt Handwerksexperte Manciavillano ein. "Elektrofahrzeuge können durchaus sinnvoll sein, allerdings nur, wenn sie zum jeweiligen Betrieb passen." Es gelte, im Vorfeld die Wirtschaftlichkeit im Detail zu prüfen. "Entscheidend sind Faktoren wie Fahrstrecken, Ladeinfrastruktur, Einsatzzeiten und Gesamtkosten." Insbesondere im städtischen Bereich und bei kürzeren Fahrstrecken bieten elektrische Antriebe klare Vorteile, während sie bei längeren Strecken bei Betrieben zu Einschränkungen führen. "Die aktuelle Situation ist daher ein guter Anlass, sich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen – jedoch nicht, um unüberlegt zu handeln, sondern um eine fundierte, wirtschaftlich sinnvolle Entscheidung zu treffen", so der Experte. Wichtiger sei es aber, sich auf die Abläufe im eigenen Unternehmen zu fokussieren: "Wer Baustellen sorgfältig plant, Touren strukturiert organisiert und unnötige Fahrten konsequent vermeidet, reduziert den Verbrauch ganz automatisch – und das ohne zusätzliche Investitionen."