Trotz Bauturbo und Sondervermögen sinken die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe deutlich. Die Bauindustrie warnt: Steigende Energie- und Rohstoffpreise durch den Irankrieg könnten die Lage weiter verschärfen. Was die Branche jetzt von der Politik fordert.

Bauturbo, Förderzinsen, Infrastrukturprogramm – trotz mehrerer politischen Maßnahmen zur Belebung der Baukonjunktur verzeichnet die Branche zu Jahresbeginn einen Dämpfer. Das deutsche Bauhauptgewerbe meldet für Januar 2026 einen deutlichen Rückgang der Aufträge. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sanken die Auftragseingänge real, also preisbereinigt, um 4,3 Prozent im Vergleich zum Januar 2025. Gegenüber dem Vormonat Dezember beträgt der Rückgang sogar 5,1 Prozent. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie zeigt sich enttäuscht, da die erhoffte Belebung ausbleibt.
Wohnungs- und Straßenbau besonders betroffen
Die negative Entwicklung zieht sich durch fast alle Bausparten. Besonders stark brechen die Auftragseingänge im Straßenbau ein, wo sie im Vergleich zum Vorjahresmonat um real 18,7 Prozent sinken. Das teilt der Verband unter Berufung auf die Zahlen des Bundesamtes mit. Auch der Wohnungsbau verzeichnet ein reales Minus von 15,5 Prozent. Damit setzt sich die positive Entwicklung bis Dezember nicht fort, obwohl die Zahl an Baugenehmigungen weiter gestiegen ist. Der Wirtschaftsbau kann ebenfalls nicht von einer gestiegenen Nachfrage im Bahn- und Leitungstiefbau profitieren und verzeichnet laut Berechnungen des Verbandes einen Auftragsrückgang von real 2 Prozent.
Sorge vor steigenden Energie- und Materialkosten
"Hinzu kommt, dass die schlechte Witterung zu Jahresbeginn auch die Produktion ausgebremst hat und somit der Umsatz um real 7,5 Prozent zurückgegangen ist. Hiervon sind nahezu alle Bausparten betroffen", wird der Hauptgeschäftsführer der Bauindustrie, Tim-Oliver Müller, in der Verbandsmitteilung zitiert. Der Verband sei aber optimistisch, dass die Bauunternehmen die bestehenden Aufträge aus dem Vorjahr abarbeiten können.
Allerdings warnt Müller vor neuen Belastungen. Gestiegene Öl- und Gaspreise infolge des Irankrieges würden sich auf die Energie- und Rohstoffpreise und damit auch auf den Bau auswirken. Zur Einordnung nennt der Verband Zahlen: 41 Prozent des Energieverbrauchs im Baugewerbe entfallen auf Diesel, 36 Prozent auf sonstige Mineralölprodukte und 6 Prozent auf Gas. Da der Materialverbrauch mehr als 20 Prozent des Bruttoproduktionswertes ausmache und viele Baustoffe energieintensiv hergestellt werden, drohen weitere Verteuerungen.
Politik in der Verantwortung, um wirtschaftliche Effekte zu erhalten
Tim-Oliver Müller vergleicht die Situation mit den jüngsten Krisen, die als Kostentreiber fungierten: "Wir hoffen sehr, dass sich die Situation von 2021 bis 2024 nicht wiederholt, als die gestiegenen Energie- und Baumaterialpreise sowie Zinskosten zu deutlich gestiegenen Baukosten geführt haben und die Baunachfrage regelrecht eingebrochen ist." Er sieht die Politik in der Verantwortung, geplante Projekte umzusetzen und sich an den Risiken durch schwankende Materialpreise bei langlaufenden Bauvorhaben zu beteiligen. Andernfalls würden auch die wirtschaftlichen Effekte, die man sich durch das Sondervermögen versprochen habe, nicht eintreten.. ewö