Altersvorsorge Lombardkredit im Ruhestand: Steuervorteil mit Fallstricken

Statt Wertpapiere zu verkaufen und Abgeltungsteuer zu zahlen, können vermögende Anleger ihr Depot beleihen und sich eine monatliche Rente auszahlen lassen. Doch steigende Zinsen oder fallende Kurse können aus der eleganten Strategie schnell ein Liquiditätsproblem machen.

Sorglos im Alter? Warum ein Lombardkredit trügen kann. - © Reicher - stock.adobe.com

Ein Lombardkredit eröffnet vermögenden Anlegern die Chance, im Ruhestand flexibel auf ihr Wertpapierportfolio zuzugreifen, ohne Abgeltungsteuer zahlen zu müssen. Statt regelmäßig Wertpapiere aus dem Depot zu verkaufen (und Abgeltungsteuer und Soli zu zahlen), können Anleger ein sogenanntes Lombarddarlehen aufnehmen und sich aus dem Darlehen eine monatliche Rente auszahlen lassen.

Das ist ein Lombardkredit

Dieser Lombardkredit ist ein gesicherter Kredit mit einer kurz- bis mittelfristigen Laufzeit, den Banken gegen die Verpfändung von liquiden Vermögenswerten vergeben. Als Sicherheiten dienen typischerweise Wertpapiere wie Aktien, manchmal auch Edelmetalle oder Bankguthaben. Er gehört damit zu den flexibelsten Finanzierungsinstrumenten für Anleger mit einem größeren Depotvolumen. Die Verzinsung des Kredits orientiert sich häufig am Geldmarktzinssatz (plus Aufschlag).

Solange das Depot langfristig mehr erwirtschaftet als die Zinszahlungen kosten, funktioniert die Rechnung gut. Genau deshalb wird diese Strategie etwa in angelsächischen Ländern schon lange genutzt, um Portfolien zu hebeln. Grundlage dafür ist ein gut strukturiertes Portfolio und eine klare Strategie. Ohne diesen Unterbau ist die Idee kein cleverer Ruhestandsplan, sondern schlicht ein Hebel auf das falsche Lebensjahrzehnt.

Kein Instrument für jeden Anleger

Die größte Tücke ist, dass die Renditen am Kapitalmarkt nicht vorhersehbar und Lombardkredite meist variabel verzinst sind. Steigen die Zinsen deutlich oder fallen die Märkte kräftig, kann die vermeintlich elegante Lösung schnell zu Nachschussforderungen oder einer Reduzierung des Kreditrahmens führen.

Anleger sollten daher sorgfältig abwägen, wie hoch die Kreditaufnahme sein darf. Der Fokus für regelmäßige Zuflüsse im Alter sollte auf wiederkehrende Ausschüttungen liegen, während die steuerliche Optimierung mit einem klaren Blick auf das Risiko erfolgen sollte.

Dazu kommt die psychologische Komponente: Wer im Ruhestand von seinem Depot lebt, sollte Schwankungen eigentlich aussitzen können. Ein Kredit kann aus einem temporären Kursrückgang ein Liquiditätsproblem machen. Zudem ist die steuerliche Belastung nicht aus der Welt, sondern zunächst aufgeschoben. Spätestens beim Abbau des Depots oder der Nachlassregelung stellt sich die Steuerfrage erneut.

Grundsätzlich ist der Lombardkredit ein etabliertes und nützliches Instrument zur Steigerung von Portfoliorenditen. Er ist jedoch keinesfalls für jeden Anleger geeignet.

Zum Autor: Chris Holzheu ist Berater bei der Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung & Family Office in Hamburg.