Handwerkerinnen können sich nicht darauf verlassen, dass Berufskleidung markenübergreifend gleich sitzt. Jeder Hersteller konstruiert Taille, Hüfte und Schrittlänge anders. Wo das Angebot wächst, wo es an Grenzen stößt – und Einblicke in aktuelle Kollektionen der Hersteller.

In gewerblich-technischen Berufen sind Frauen noch immer unterrepräsentiert, aber ihre Zahl steigt. Diese Entwicklung hat bei den Herstellern von Arbeitskleidung ein Umdenken bewirkt. Inzwischen werden Kollektionen für Bau- und Baunebengewerke, für das Kfz-Handwerk und andere Sektoren in Damen- und Herrenmodellen angeboten. Diese Erweiterung hat das Ende einer schlechtsitzenden Männerkleidung eingeläutet, auf die Handwerkerinnen mangels Alternativen ausweichen mussten. Stattdessen hat Berufskleidung für Frauen einen guten Sitz, ist bequem und bietet Bewegungsfreiheit.
Umdenken bei der Kollektionsgestaltung
Mit der Entwicklung von Berufskleidung für Frauen in Männerdomainen betraten die Hersteller Neuland. Bis dahin fehlten ihnen die Erfahrungswerte, welche Anforderungen eine Workwear für weibliche Beschäftigte erfüllen muss. Als größte Herausforderung entpuppte sich dabei die richtige Passform, denn Frauen haben – im Gegensatz zu Männern – sehr verschiedene Körperformen und Figuren. Die bestehenden Schnitte für Hosen und Jacken mussten also von Grund auf überarbeitet und an die Körperform von Frauen angepasst werden. Auf Grundlage allgemeingültiger Maßtabellen werden Taille, Schulter-, Brust- und Hüftpartie sowie Schritt- und Beinlänge anders konstruiert. Dennoch optimiert jeder Hersteller seine Schnitte, um einen möglichst optimalen Sitz der Handwerkerinnen-Kleidung zu erreichen.
Bei der Gestaltung einer Damen-Workwear ist es aber nicht alleine mit der Passform getan: Sämtliche Taschen und Besätze müssen neu positioniert werden, damit die Ergonomie und ein leichter Zugriff auf die Arbeitsinstrumente sichergestellt ist. Dabei muss außerdem ein stimmiges Gesamtbild der gesamten Kollektion gewährleistet sein, damit gemischte Teams eine erkennbare Einheit bilden.
Probieren, bis die Arbeitskleidung passt
Die individuelle Kollektionsgestaltung der Hersteller bringt eine Besonderheit mit sich. Trotz identischer Konfektionsgröße kann die Workwear unterschiedlich ausfallen. Frau kann sich also nicht darauf verlassen, dass jede Hose, unabhängig von der Marke, gleich gut sitzt. Stattdessen muss sie probieren, bis sie den richtigen Schnitt gefunden hat.
Bei der Zusammenstellung eines Firmen-Outfits für gemischte Teams kann es jedoch Grenzen geben. Möglicherweise deckt eine Kollektion nicht alle Passform-Anforderungen ab. Immerhin können Sortimente aus modernen Stretch-Materialien oder mit eingearbeiteten Stretch-Elementen die Wahl erleichtern: Sie dehnen sich und verleihen der Kleidung eine hohe Bewegungsfreiheit. Diesen Vorteil nutzen einige Hersteller sogar für eine besondere Kollektionsergänzung: Sie führen Arbeitshosen für Schwangere im Sortiment.
Schutzkleidung für Frauen hat Besonderheiten
Wenn die Ergänzung einer Handwerker-Kollektion um Damenbekleidung schon anspruchsvoll ist, wird es bei Warnkleidung besonders kniffelig. Denn für Schutzkleidung gelten die Vorgaben der ISO 20471. Die Norm schreibt – je nach Warnschutzklasse – Mindestflächen an fluoreszierendem Hintergrund- und retroreflektierendem Material vor. Diese, offenbar an einer männlichen Statur bemessenen Flächen entpuppen sich bei dem Design von Damenartikeln in sehr kleinen Größen zu einem echten Hindernis: Die gesamte Fläche des Produkts reicht nicht aus, um die Anforderungen der Norm an eine bestimmt Warnschutzklasse zu erfüllen. Daher kann es vorkommen, dass kleinere Damengrößen nicht in derselben Schutzklasse erhältlich sind wie das Pendant für Männer.
Auch für andere risikobehaftete Arbeitsbereiche gibt es inzwischen passende Schutzkleidungslösungen für Frauen. Hitze-, Flammschutz und Schweißerschutzkleidung oder auch die zum Schutz gegen möglichst viele Gefährdungen eingesetzte Multinormkleidung ist in Damenmodellen am Markt. Die Nachfrage ist gemessen an der Zahl der weiblichen Beschäftigten in solchen Berufen gering und kann sich unter Umständen auf die Lieferverfügbarkeit auswirken.
Diese Unsicherheit schließt ein Mietservice-Unternehmen, das Arbeits- und Schutzkleidung in Männer- und Frauenpassformen anbietet, üblicherweise aus. Die textilen Dienstleister bevorraten die von ihnen angebotenen Kollektionen, weshalb die Einkleidung der gesamten Mannschaft in überschaubarem Zeitrahmen erfolgen kann. Zudem kann defekte Kleidung ohne Verzögerungen ausgetauscht werden, so dass die textile Ausstattung jedes einzelnen Team-Mitglieds gewährleistet ist. Ein weiterer Vorteil der Vollversorger ist, dass sie individuelle, normkonforme Längenanpassungen und weitere Änderungen vornehmen.
Die Vielfalt der Damenkollektionen ist in den vergangenen Jahren zwar gewachsen, das Angebot bleibt aber bisher deutlich hinter den Herrensortimenten zurück. Wenn man jedoch eine Parallele zur Entwicklung von Damen-Sicherheitsschuhen zieht, ist auch im Workwear-Sektor mit einer Ausweitung der Sortimente zu rechnen. Dafür könnten aber noch einige Jahre ins Land gehen.