Zahntechnik unter Druck Wie ein Dresdner Labor Azubis anzieht, die andere suchen

Die Zahntechnik kämpft mit sinkenden Beschäftigtenzahlen und einer Vergütung, die Betriebe kaum aus eigener Kraft verbessern können. Das Labor von Torsten Büker kann sich seine Lehrlinge trotzdem aussuchen. Wie der 60-Personen-Betrieb Nachwuchs gewinnt – und warum er seine Nachfolge über einen Unternehmensverbund gelöst hat.

Zahntechnikermeister Torsten Büker zeigt seine Auszeichnungen als vorbildlicher Ausbilder.
Seit Jahren heimsen Thorsten Büker und sein Team Preise für ihre gute Ausbildungsqualität ein. Seine Zahntechnik-Absolventen stehen mit ihren Ergebnissen regelmäßig auf dem Siegertreppchen. - © Büker Zahntechnik

An der Wand hängen vier Auszeichnungen, "Vorbildlicher Ausbildungsbetrieb" steht darauf, 2008, 2013, 2018 und 2023. Torsten Büker steht strahlend vor dieser Galerie. Sie macht sichtbar, was ihm so wichtig ist: "Zukunftsfähigkeit entsteht nur mit einem starken, zuverlässigen Team und als attraktiver Ausbildungsbetrieb, der junge Talente fördert und für unser Handwerk begeistert", erklärt der Zahntechnikermeister.

Insofern war eine weitere Auszeichnung, der Heribert-Späth-Preis des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) 2024, für den Dresdner Betrieb das Tüpfelchen auf dem i seiner Bemühungen. Denn ein Selbstläufer ist Ausbildung in der Zahntechnik nicht. Die Branche leidet seit Jahren unter sinkenden Betriebs- und Beschäftigtenzahlen, fast 60 Prozent der Inhaber sind älter als 56 Jahre. Sie haben nicht nur Probleme, Fachkräfte zu finden, sie brauchen auch dringend Betriebsnachfolger.

Nachwuchswerbung greift

Torsten Büker hat für beides Lösungen gefunden. Bekanntheit als attraktiver Ausbilder und Arbeitgeber erarbeitete sich der 60-Mann-Betrieb durch eine kontinuierliche Präsenz auf Ausbildungsmessen, durch Schülerpraktika und durch attraktive Fortbildungsmöglichkeiten. Jedem Azubi steht ein Pate zur Seite. Und seit diesem Jahr dürfen Lehrlinge im 3. Lehrjahr sowie Jungtechniker per Erasmus für drei Wochen in einen ausländischen Betrieb schnuppern.

Dieses Bündel an Maßnahmen hat dem Betrieb einen so guten Ruf beschert, dass er sich aus der Vielzahl der Bewerbungen seine nächsten Lehrlinge aussuchen kann. Drei bis vier neue Auszubildende werde man im kommenden Lehrjahr aufnehmen, aktuell ruhe die Bewerbungsannahme, erklärt Bettina Frohs. Bükers langjährige Mitarbeiterin ist seit vergangenem Jahr Mit-Geschäftsführerin und die künftige Nachfolgerin des 62-jährigen Chefs.

Selbstständig in einer Holding

Bettina Frohs führt mit Torsten Büker die Geschäfte.
Bettina Frohs führt mit Torsten Büker die Geschäfte. - © Büker Zahntechnik

Inhaberin wird sie allerdings nicht. "Wir sind nun Teil eines größeren Unternehmensverbundes", erläutert sie. Der Handwerksbetrieb wurde 2023 an die Delabo-Group verkauft, Torsten Büker und sie sind jetzt angestellte Geschäftsführer der Gruppe. Sie greifen auf modernste Technologien im Netzwerk zurück, lassen sich bei Digitalisierung, Marketing und Personalwesen unterstützen, agieren aber weiter selbstbestimmt. "Zu Beginn gab es schon Unsicherheiten in der Belegschaft", gibt Bettina Frohs zu. Doch tatsächlich fühle es sich heute so an, als hätte sich nichts verändert.
Für viele Zahntechniker ist die Nachfolgefrage ein Problem. Laut einer Umfrage des ZDH aus dem Jahr 2020 gaben fast 30 Prozent der Inhaber an, dauerhaft schließen zu müssen. Gerade Kleinbetriebe hätten Schwierigkeiten, eine Nachfolge zu finden, beobachtet der Verband Deutscher Zahntechnikerinnungen (VDZI).

Vergütung ist Hürde bei Nachwuchsbindung

Eine echte Hürde dabei ist die Vergütung. Der Beruf zählt zu den schlechter bezahlten im Handwerk. Den Betrieben sind aber die Hände gebunden. Als Leistungserbringer für die Krankenkassen können sie Preise selbst dann nicht anpassen, wenn die Kosten nachweislich gestiegen sind
(§ 71 Sozialgesetzbuch V).

"Wir müssen politisch und gesellschaftlich einiges ändern", ist Büker deswegen überzeugt. "Wir brauchen einen Schulterschluss im Handwerk, um mit einer Stimme für angemessene Honorierung und gesellschaftliche Anerkennung ein­zu­treten." Sein Unternehmen entlohne Lehrlinge über dem gesetzlich vorgegebenen Niveau und es gebe Leistungszulagen für Techniker als attraktiven Anreiz. Aber das allein halte niemanden im Beruf, ist Bettina Frohs überzeugt. "Es braucht eine Leidenschaft für diese Arbeit; man kann eben nicht alles monetär bezahlen", argumentiert sie.

Azubi-Test vor dem Einstieg

Ob die Bewerberinnen – zwei Drittel der Azubis in der Zahntechnik sind weiblich – diese Leidenschaft für den Beruf entwickeln können, testet der Betrieb vorab. Bettina Frohs lädt die besten Bewerber zu einem Azubi-Test ein. "Wir testen dann einen Tag lang ihr handwerkliches Geschick, und sie schreiben einen Text zu einem vorgegebenen Thema", so die vielseitigen Anforderungen. Schließlich müsse ein Zahntechniker spätestens am Ende der Ausbildung das Standing haben, um mit promovierten Ärzten zu reden.

Wer den Test bestanden hat, wird zu einem drei- bis fünftägigen Praktikum eingeladen. "Wir sind ein bodenständiges Handwerk, mit Staub, Dreck und Lautstärke – aber auch mit Digitalisierung und Termindruck“, erklärt Bettina Frohs. Insbesondere der hohe Digitalisierungsgrad sei den wenigsten bewusst. Deswegen durchliefen die Praktikanten systematisch alle Abteilungen, um sich ein authentisches Bild des Berufs machen zu können. "All unsere Bewerber wollen etwas mit den Händen schaffen. Dann treffen sie auf 3D-Design, CNC-Fräsen und 3-D-Drucker.“ Es sei dem Unternehmen gelungen, ein Stück weit analog zu bleiben, aber auch die digitalisierten Prozesse machten ihr mittlerweile richtig Spaß. Frohs sieht darin den einzig möglichen Weg, um zukunftsfähig zu bleiben. "Wir können uns aus der Entwicklung nicht herausnehmen; denn sonst nimmt die Entwicklung uns heraus."