Der Treibhausgas-Ausstoß ist 2025 kaum gesunken – im Gebäudesektor stiegen die Emissionen sogar um 3,4 Prozent. Bis 2030 müssen jährlich 42 Millionen Tonnen eingespart werden, bisher wurde nicht mal eine geschafft. Was die Zahlen für das Handwerk bedeuten und welche Rolle das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz spielen soll.

Der Rückgang klimaschädlicher Treibhausgase ist 2025 fast zum Erliegen gekommen. "Die Vorgaben des Klimaschutzgesetzes werden noch knapp eingehalten. Aber die Emissionen sind 2025 im Vergleich zu 2024 nicht nennenswert gesunken", sagte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) bei der Vorlage der Emissionsdaten des Bundesumweltamtes. "Die Fortschritte sind also insgesamt zu klein." Im Gebäude- und Verkehrssektor hätten die Emissionen wieder zugelegt. Um die Klimaziele bis 2030 zu erreichen, müsse die Bundesregierung mehr machen. Am 25. März will Schneider sein Klimaschutzprogramm vorlegen.
Für Klimaziel 2030 sind mehr Anstrengungen nötig
Im Vergleich zu 1990 hat Deutschland seine klimaschädlichen Treibhausgase mittlerweile um 48 Prozent verringert. Das nächste Etappenziel für 2030 liegt bei 65 Prozent. Um dies noch erreichen zu können, braucht es nach den Worten des Präsidenten des Bundesumweltamtes (UBA), Dirk Messner, aber "zusätzliche Anstrengungen". Insgesamt müssten von 2026 bis 2030 pro Jahr im Durchschnitt 42 Millionen Tonnen an klimaschädlichen Treibhausgasen eingespart werden. 2025 konnte der Ausstoß insgesamt um 0,9 Millionen Tonnen auf 648 Millionen Tonnen verringert werden.
Neues Gebäudeenergiegesetz noch nicht berücksichtigt
Mit den bis zum November 2025 eingeführten Klimaschutzmaßnahmen könnten die Emissionen nach den Prognosen des UBA bis 2030 um 62,6 Prozent im Vergleich zu 1990 gesenkt werden. Dabei sind die Auswirkungen des neuen Gebäudemodernisierungsgesetzes (GMG) noch nicht berücksichtigt. Welchen Einfluss es haben wird, hängt auch von der konkreten Ausgestaltung ab. Ein Gesetzesentwurf dazu soll noch vor Ostern vorgelegt werden.
Mit Blick auf einzelne Sektoren ergibt sich ein gemischtes Bild:
Gebäudesektor: Hoher Handlungsbedarf
Im Gebäudesektor besteht nach Angaben von Schneider und Messner nach wie vor großer Handlungsbedarf. Die Emissionen lagen hier bei 103,4 Millionen Tonnen – ein Plus von 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Umweltbundesamt begründet dies zum einen mit der kalten Witterung. Auch sei das Tempo beim Umstieg auf klimafreundliche Heizungen niedrig gewesen, obwohl mehr Wärmepumpen verkauft wurden. Hoffnung macht Schneider, dass das Thema Wärmepumpe weniger polarisiert behandelt werde. Zum ersten Mal habe sie 2025 auf Platz eins der verkauften Heizungen gelegen.
Verkehr: Weiter Sorgenkind
Im Verkehrssektor stiegen auch wegen erhöhten Verkehrsaufkommens die Emissionen um 1,5 Prozent auf rund 146 Millionen Tonnen. Zwar werden mehr E-Autos neu zugelassen, noch immer sind aber vier von fünf neuen Autos Verbrenner. Bundesverkehrsminister Schneider setzt gleichwohl auf die neue E-Autoförderung und einen Hochlauf der E-Mobilität. "Das wird unserer Klimabilanz im kommenden Jahr gut tun", sagte er.
Industrie: Konjunkturdelle sorgt für weniger Emissionen
In der Industrie sanken die Treibhausgasemissionen vor allem wegen der schwachen Konjunktur insbesondere in energieintensiven Branchen um 3,8 Prozent auf 144 Millionen Tonnen. "Das ist nicht das, was wir wollen", sagte Messner. Es gehe darum, Klimaschutz mit wirtschaftlicher Stärke zu verbinden.
Energiesektor: Weniger Wind schwächt Bilanz
Im Energiesektor sanken die Emissionen nur um 0,3 Prozent auf 189,1 Millionen Tonnen. Als Grund nannte Messner ein windarmes erstes Halbjahr. Generell sei der Energiesektor in den vergangenen 20 Jahren mit dem Ausbau der Erneuerbaren der Motor für mehr Klimaschutz gewesen.
Wald: Hat sich erholt und bindet wieder mehr Treibhausgase
Messner verwies darauf, dass der Wald 2025 wieder mehr Treibhausgase aufgenommen als er ausgestoßen hat. Die Daten zeigten aber auch, dass der Klimaschutz auf gesunde Ökosysteme angewiesen sei. In der Landwirtschaft und Abfallwirtschaft gab es nur geringe Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr.
Schneider: Erneuerbare schützen vor Ölpreiskrisen
Selbst für diejenigen, die sich nicht so sehr für Klimabilanzen interessierten, gebe es nach den Worten Schneiders überzeugende Gründe für klimafreundliche Technologien. Windräder, Solaranlagen oder E-Autos machten Deutschland unabhängiger von Ölpreiskrisen und Preisschocks. "Sie schützen uns vor erpresserischen Machtspielen und sind gerade für die deutsche Volkswirtschaft eine Wachstumsstrategie", betonte er mit Blick auf den Iran-Krieg und die steigenden Energiepreise.