Steigende Lohnnebenkosten GKV mit Überschuss – warum das keine gute Nachricht ist

Die gesetzlichen Krankenkassen haben 2025 ein Plus von 3,5 Milliarden Euro erzielt. Doch die Finanzreserven liegen noch unter dem gesetzlichen Minimum, die Ausgaben wachsen deutlich schneller als die Einnahmen. Ab 2027 drohen Finanzierungslücken in zweistelliger Milliardenhöhe

Krankenversicherungsbeiträge sind für Handwerksbetriebe ein wachsender Kostenblock – ab 2027 drohen weitere Erhöhungen. - © blende11.photo - stock.adobe.com

Die gesetzlichen Krankenversicherungen haben 2025 nach einer Welle von Beitragserhöhungen einen Überschuss verbucht. Wie das Bundesgesundheitsministerium mitteilte, standen bei der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) Einnahmen von 355,9 Milliarden Euro Ausgaben von 352,4 Milliarden Euro gegenüber. Damit lag der Überschuss der 93 gesetzlichen Krankenkassen bei 3,5 Milliarden Euro. Dieses Plus diene aber vorrangig dem Auffüllen der Finanzreserven. Ende 2025 hätten diese bei rund 5,1 Milliarden Euro gelegen. Dies entspreche einer Mindestreserve von 0,18 Monatsausgaben. Gesetzlich vorgesehen seien aber 0,2 Monatsreserven.

IKK: Kein Grund für eine Entwarnung

Auch die Innungskrankenkassen haben 2025 mit einem Plus abgeschlossen. Es lag bei 380 Millionen Euro, wie der IKK e.V. auf Anfrage mitteilte. "Dieses Ergebnis ist aber keine Entwarnung für die Finanzsituation, weil die gesetzlich vorgeschriebene Auffüllung der Rücklagen noch nicht abgeschlossen ist", betonte Jürgen Hohnl, Geschäftsführer des IKK e.V. Gleichzeitig stiegen die Ausgaben schneller als die Einnahmen. "Angesichts dieser Dynamik steht die Finanzkommission Gesundheit in besonderer Verantwortung, zügig wirksame Maßnahmen zur Begrenzung des Ausgabenanstiegs vorzulegen sowie nachhaltige Struktur- und Finanzierungsreformen anzustoßen", erklärte er. 

Warken warnt: Ausgaben steigen stärker als Einnahmen

Auch Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sprach von einer weiterhin schwierigen Lage: "Seit 2024 steigen die Ausgaben wesentlich stärker als die Einnahmen, auch in diesem Jahr." Maßgeblicher Treiber der hohen Ausgabendynamik seien 2025 Krankenhausbehandlungen gewesen. Die Ausgaben hierfür seien um 9,6 Prozent bzw. um 9,7 Milliarden Euro gestiegen. Auch die Ausgaben für ambulant-ärztliche Behandlungen hätten um 7,6 Prozent bzw. um 3,8 Milliarden Euro zugelegt. Insgesamt seien die Leistungsausgaben um 7,8 Prozent gestiegen. Die Einnahmen ohne Zusatzbeiträge seien um 5,3 Prozent angewachsen.

Ohne Reformen drohen große Finanzierungslücken ab 2027

Mit Blick auf die Entwicklung für 2026 sagte Warken, man habe mit einem Maßnahmenpaket die Finanzlage für 2026 kurzfristig stabilisieren und große Beitragssatzsprünge zum Jahreswechsel vermeiden können. Doch ab 2027 seien jedes Jahr Finanzierungslücken in zweistelliger Milliardenhöhe zu erwarten. "Unser zentrales politisches Ziel ist und bleibt die nachhaltige Stabilisierung der Beitragssätze, indem wir den Entwicklungen der vergangenen Jahre endlich etwas entgegensetzen." Ende März solle die Finanzkommission Gesundheit Vorschläge dafür vorlegen.

Viele Kassen haben Zusatzbeiträge erhöht

Zahlreiche Kassen hatten Anfang 2025 ihre Zusatzbeiträge erhöht. Der durchschnittlich von den Krankenkassen erhobene Zusatzbeitrag hat nach Angaben des Ministeriums im Dezember 2025 bei 2,94 Prozent gelegen. Anfang 2026 habe es weitere Anhebungen gegeben. So erhöhten zum 1. Januar 2026 insgesamt 43 Kassen ihre Beitragssätze, wie das Ministerium mitteilte. Bei 47 Kassen blieb er stabil, zwei Kassen senkten ihren Zusatzbeitragssatz zum Jahresbeginn.