Wärmewende im Gebäudebestand Schornsteinfeger und Energieberater: Was die Kooperation bringt

Schornsteinfeger und Energieberater arbeiten beide an der Wärmewende – oft im selben Gebäude. Mit einer neuen Kooperationsvereinbarung wollen ihre Verbände diese Schnittstelle nun systematisch stärken. Welche Ziele dahinterstehen und was sich in der Praxis ändern soll.

Schornsteinfeger und Energieberater
Mit der noch intensiveren Zusammenarbeit von Energieberatung und Schornsteinfegerhandwerk soll die Umsetzung der Energiewende im Gebäudebereich vorangetrieben werden. - © Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks

Die Energieberatung ist zu einem festen Bestandteil der Arbeiten im Schornsteinfegerhandwerk geworden. Jede Schornsteinfegermeisterin und jeder Schornsteinfegermeister beschäftigt sich im Rahmen der Aus- und Weiterbildung intensiv mit dem Thema. Viele von ihnen absolvieren außerdem eine zusätzliche Weiterbildung als Gebäudeenergieberaterin bzw. Gebäudeenergieberater und sind damit in der offiziellen Energieeffizienz-Expertenliste der Deutschen Energie-Agentur (dena) eingetragen. 22 Prozent der Energieberater, die dort gelistet sind, stammen aus dem Handwerk. Von ihnen wiederum kommen zehn Prozent aus dem Schornsteinfegerhandwerk.

Schornsteinfeger und Energieberater vertreten gemeinsame Interessen

Für die beiden Verbände – den Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks (ZIV) und den Bundesverband für Energieberatende (GIH) – lag es also nahe zu kooperieren. Um die Zusammenarbeit, die in der Praxis besteht, auch formell zu unterstreichen, haben beide nun eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Ziel dieser Vereinbarung ist es im Besonderen, dauerhafte und offizielle Strukturen zu schaffen für gemeinsame Weiterbildungen und einen gemeinsamen Auftritt gegenüber Politik, Verwaltung und Fördergebern. Denn beide Branchen sind einerseits mit allen Themen rund um die Energie- und Wärmewende befasst und andererseits genau damit nah an denjenigen dran, die dabei eine entscheidende Rolle spielen: die Gebäudebesitzer.

Schornsteinfeger sind täglich in Gebäuden vor Ort und erkennen energetischen Handlungsbedarf sehr früh. Energieberater knüpfen genau an diesem Punkt an. „Die Kooperation zielt darauf ab, diese Schnittstelle systematisch zu nutzen“, teilt der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks auf Anfrage mit. Der Verband ordnet das, was sich künftig für Schornsteinfeger ändern soll, die zugleich als Energieberater arbeiten, diesen Aspekten zu:

• bessere Verzahnung beider Berufsrollen im politischen und fachlichen Raum
• stärkere Sichtbarkeit als gewerkeübergreifende Akteure der Wärmewende
direkterer Zugang zu Informationen, Positionierungen und fachlichen Abstimmungen beider Verbände

Schornsteinfeger und Energieberater: "Wärmewende im Gebäudebestand gemeinsam voranbringen"

Dabei geht es dem Handwerksverband im Kern um drei Ebenen:

  • Erstens um einen intensiveren Informations- und Erfahrungsaustausch. Nicht nur auf Bundesebene, sondern ausdrücklich auch zwischen Mitgliedern beider Verbände. Das ist ein zentraler Punkt der Vereinbarung.
  • Zweitens geht es um fachliche Ergänzung. Die Kooperation schafft die Grundlage, Fortbildungsangebote besser aufeinander abzustimmen oder gemeinsam weiterzuentwickeln. Das ist insbesondere für Themen wie Wärmewende, Heizungsmodernisierung und ganzheitliche Sanierung relevant, bei denen mehrere Gewerke zusammenkommen müssen.
  • Drittens geht es um den Abbau bisheriger Hürden. Durch die enge Zusammenarbeit zweier politisch ähnlich positionierter und föderal organisierter Verbände können Anliegen gemeinsamer Zielgruppen leichter gebündelt und gegenüber Ministerien und Förderstellen vertreten werden.

"Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger sind täglich in Gebäuden unterwegs und stehen in persönlichem Austausch mit den Menschen. Wir stellen fest, wo tatsächlich energetischer Handlungsbedarf besteht und wo die individuellen Herausforderungen liegen", kommentiert Alexis Gula, der Präsident des ZIV, die neue Zusammenarbeit. Über eine Kooperationsvereinbarung mit dem GIH könnten beide ihre Erfahrungen noch besser bündeln und die Wärmewende im Gebäudebestand gemeinsam voranbringen.

GIH und ZIV verstehen sich dabei nach eigenen Angaben als gleichwertige Partner. Gemeinsam wollen sie einerseits den Austausch auf Mitgliederebene intensivieren sowie Fachveranstaltungen und Workshops planen – etwa zu aktuellen energiepolitischen Anforderungen oder zur praktischen Umsetzung der Wärmewende im Gebäudebestand. jtw