Kolumne Innere Kündigung: Ihr größtes Risiko sitzt nicht im Wettbewerb

Innere Kündigung passiert leise, ihre Folgen sind laut. Steinmetzmeisterin und DHZ-Kolumnistin Kathrin Post-Isenberg zeigt, wie Sie die Warnsignale erkennen, richtig reagieren – und selbst im Abschied Ihre Arbeitgebermarke stärken.

Wenn aus Engagement nur noch Pflichterfüllung wird, ist die innere Kündigung oft nicht mehr weit. - © Pixi - stock.adobe.com

Sie sehen ihn morgens kommen. Er ist da, pünktlich, macht seine Arbeit, aber die Energie fehlt. Kein Funkeln mehr in den Augen, keine Lust auf das Gespräch in der Pause. Was auf den ersten Blick wie Routine aussieht, ist oft ein deutliches Signal: Ihr Mitarbeiter hat innerlich schon gekündigt. 

Für Sie als Arbeitgeberin oder Arbeitgeber ist genau das ein Risiko. Denn eine innere Kündigung bleibt selten folgenlos. Sie kostet Motivation, Energie, Leistungskraft und letztlich auch Geld. 

Wie Sie die Warnsignale erkennen: 

  • Der Mitarbeitende zählt die Stunden bis zum Feierabend. 
  • Aufgaben werden nur noch halbherzig erledigt. 
  • Ideen und Eigeninitiative bleiben aus. 
  • Erfolge werden nicht mehr gefeiert, sondern abgehakt. 
  • Gespräche über die Zukunft werden vermieden. 

Wer innerlich gekündigt hat, ist zwar körperlich anwesend, geistig aber längst nicht mehr Teil des Teams.

Was Sie dann tun können: 

  • Hinschauen statt wegsehen. Wer glaubt, dass sich die Stimmung von allein wieder bessert, irrt. Suchen Sie bewusst das Gespräch. 
  • Zuhören. Oft steckt hinter der inneren Kündigung kein einzelner Auslöser, sondern eine Summe von Erfahrungen. Nehmen Sie diese Perspektive ernst, auch wenn es unbequem wird. 
  • Handeln. Nicht jedes Problem lässt sich lösen. Aber viele Missstände können Sie beeinflussen – sei es die Arbeitsorganisation, die Kommunikation oder die Wertschätzung. 
Kathrin Post-Isenberg
Die Steinmetzmeisterin und Bildhauerin Kathrin Post-Isenberg leitete früher einen eigenen Betrieb in Siegburg. Mit ihrer Praxiserfahrung berät sie heute Handwerksunternehmen dabei, sich erfolgreich als Arbeitgebermarke zu etablieren. Seit 2025 praktiziert sie darüber hinaus wieder ihr ursprüngliches Handwerk – diesmal im Nebenerwerb. - © Markus Zielke

Und hier liegt der Kern: Menschen kündigen selten wegen ihrer Aufgaben. Ziemlich oft kündigen sie wegen ihrer Führungskraft. Genau darin steckt für Sie die Chance, Ihr Führungsverhalten zu hinterfragen.

Führung bedeutet nicht nur, Aufträge zu verteilen und die Arbeit zu kontrollieren. Führung heißt, Verantwortung für Menschen zu übernehmen, auch für die, die innerlich schon auf gepackten Koffern sitzen. Vielleicht können Sie sie noch einmal erreichen. Vielleicht nicht. Doch selbst wenn jemand geht, bleibt die Verantwortung: Sorgen Sie dafür, dass er oder sie mit einem guten Gefühl geht. 

Denn diese Person wird draußen zur Stimme Ihrer Arbeitgebermarke. Sie erzählt weiter, wie es war, bei Ihnen zu arbeiten. Wie sie behandelt wurde, bis zum letzten Tag. Ob da Respekt, Anerkennung und Menschlichkeit spürbar waren. 

Fazit

Eine starke Arbeitgebermarke zeigt sich nicht nur in Hochglanzbroschüren oder Social-Media-Posts. Sie zeigt sich im Alltag und besonders dann, wenn es herausfordernd wird. Wer hier Haltung zeigt, gewinnt langfristig. 

Ihre Arbeitgebermarke beginnt da, wo andere schon aufgegeben haben – genau dann, wenn es schwierig wird, können Sie den Unterschied machen.

Die Kolumne "Aus dem Handwerk, für das Handwerk" von Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erscheint jeden Donnerstag exklusiv in der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). Melden Sie sich für den kostenlosen DHZ-Newsletter an, um keine Ausgabe zu verpassen.