In 20 Minuten von 15 auf 80 Prozent laden, Updates wie beim Smartphone, vorausschauende Wartung: Der Renault Trafic E-Tech kommt noch 2026.

Für den Eintritt ins Elektro-Zeitalter hat Renault den Trafic von Grund auf neu gedacht. Das Zauberwort heißt software-definierte Fahrzeugarchitektur (SDV). Sie bildet das Herz des neuen Trafic E-Tech, der Ende 2026 in den Handel kommen soll. Seine Premiere erlebte der E-Transporter zur Nutzfahrzeugmesse Solutrans Ende vergangenen Jahres in Lyon.
Angesiedelt in der Bulli-Klasse, gehört der Trafic seit seinem Debüt im Jahr 1980 mit 2,5 Millionen gebauten Exemplaren fest zur Nutzfahrzeugfamilie von Renault. In seiner vierten Generation startet der Trafic nun ins Zeitalter der Elektromobilität. Den Umstieg auf die neue Antriebstechnologie treibt das Tochterunternehmen Ampere voran. Mehr noch: Ähnlich wie Tesla sieht Ampere das Fahrzeug als eine Art rollenden Computer. Gesteuert von Software kann der Transporter über die gesamte Lebensdauer hinweg wie ein Smartphone oder Laptop stetig aktualisiert werden.
Planungssicherheit durch vorausschauende Wartung
Ein im Handwerk besonders geschätztes Merkmal ist die vorausschauende Wartung. Die bietet Renault zwar jetzt schon an, durch die deutlich größere Rechenkapazität werde sie aber wesentlich präziser. Die Abnutzung bestimmter Teile lasse sich in Echtzeit verfolgen und eine Ferndiagnose lasse sich einleiten, um Reparaturen rechtzeitig zu planen. So ließen sich Kosten, Betriebszeit und Fahrzeugverfügbarkeit optimieren, betont der Hersteller.
Bei der Entwicklung der neuen Plattform wurde laut Renault auf ein optimales Verhältnis von Ladekapazität und Platzbedarf geachtet. Der minimale vordere Überhang und der im Heck eingebaute Antrieb ermöglichen einen besonders kleinen Wendekreis von 10,3 m, nicht größer als beim Kleinwagen Clio.
Der kurze Kastenwagen (L1) bietet ein Ladevolumen von 5,1 m3 bei einer Länge von 4,87 m und einer Breite von 1,92 m. Der L2 ist 5,27 m lang und kommt bei einem um 40 cm längeren Radstand auf ein Ladevolumen von 5,8 m3. Dank der auf 1,90 m reduzierten Gesamthöhe sind auch Einfahrten in Tiefgaragen kein Problem. Die Nutzlast gibt Renault mit bis zu 1,25 t an, abhängig von der Variante. Die Anhängelast liegt bei maximal 2 t. Das Beladen mit Europaletten ist auch über die Seitentüren möglich.
Schnelles Laden dank 800-Volt-Technologie
Angetrieben wird der Trafic E-Tech von einem neu entwickelten Elektromotor mit gut 200 PS. Als Energiequelle will Renault zwei Batterien zur Wahl stellen. Zum Marktstart steht zunächst eine für lange Strecken empfohlene große Batterie (Nickel-Mangan-Kobalt) zur Verfügung. Ihre hohe Energiedichte erlaubt eine Reichweite von bis zu 450 km. Dank 800-Volt-Technologie kann der Akku an DC-Schnellladestationen in etwa 20 min von 15 auf 80 Prozent aufgeladen werden, was einer zusätzlichen Reichweite von 260 km entspricht. Eine preiswertere Batterie (Lithium-Eisenphosphat) mit bis zu 350 km Reichweite soll später kommen.
Die Batterien können via Vehicle-to-Load-Technik auch Elektro-Werkzeuge oder Computer mit Strom versorgen. Entsprechende Steckdosen finden sich im Fahrerhaus und im Laderaum. Über einen Adapter kann dafür auch der Ladeanschluss am Fahrzeug genutzt werden.
Gebaut wird der neue Elektro-Trafic im französischen Sandouville neben der Montagelinie des aktuellen Modells. Denn Renault will auch den Trafic mit Verbrennungsmotor weiter anbieten.
