Handwerksbetriebe, die Lehrkräften Praktikumsplätze anbieten, stärken den Praxisbezug im Schulunterricht und knüpfen Kontakte für die eigene Nachwuchsgewinnung. Doch im Vorfeld gibt es einiges zu organisieren. Welche Punkte Betriebe auf dem Schirm haben sollten, zeigt Ausbildungsberater Peter Braune in seiner Übersicht.

Ein Handwerksmeister, der seit vielen Jahren ausbildet, pflegt guten Kontakt zu den Lehrkräften der Berufsschule, an der seine Lehrlinge lernen. Das bringt ihm Vorteile – genauso wie seinen Azubis. Eines Tages erreicht ihn eine E-Mail des Schulleiters. Er bittet um Unterstützung: Eine angehende Berufsschullehrerin braucht einen Praktikumsplatz. Das Praktikum ist verpflichtend und ein wichtiger Bestandteil ihrer Ausbildung zum Lehramt. Sie soll Berufsfelder, Berufe und Qualifikationsanforderungen kennenlernen, in denen sie später Auszubildende unterrichtet.
Auch Hauptschullehrer brauchen Praxiserfahrung
Einen Tag später trifft eine weitere Anfrage ein. Diesmal schreibt der Schulleiter einer Hauptschule, aus der der Meister regelmäßig Schülerinnen und Schüler für Betriebspraktika aufnimmt. Über diesen Weg kam bereits mancher Ausbildungsvertrag zustande. Nun bittet der Schulleiter um einen Praktikumsplatz für einen Lehrer, der das Fach Arbeitslehre unterrichten wird. Später wäre ein solches Angebot auch für Lehrer anderer Fächer hilfreich. Falls das im eigenen Betrieb nicht möglich ist, könnte der Meister seine Kontakte zu anderen Ausbildungsbetrieben nutzen und für das Anliegen werben.
Praxisnäher unterrichten durch betriebliche Einblicke
In beiden Fällen geht es um dasselbe Ziel: Die Lehrer sollen im Unterricht die Arbeitswelt greifbar machen, Theorie und Praxis verbinden und wirtschaftliche Zusammenhänge vermitteln. Sie bekommen Einblick in Organisation, Teamarbeit und echte Arbeitsabläufe. Das Ergebnis: praxisnäherer Unterricht. Darüber hinaus fördert eine stabile Zusammenarbeit zwischen Schulen und Betrieben den Erfahrungsaustausch, stärkt das gegenseitige Verständnis und schafft Vernetzung vor Ort.
Checkliste: Das ist bei einem Lehrerpraktikum wichtig
Der Meister sagt in beiden Fällen zu. Ihm ist klar, dass er bei der Umsetzung an eine ganze Reihe von Punkten denken muss:
- Rechtliche Rahmenbedingungen beachten
- Zeit für ein Gespräch zum Kennenlernen einplanen
- Praktikumsform mit Zeitumfang und Schwerpunkten besprechen
- Ziele und Erwartungen bei persönlicher Kontaktaufnahme erfragen
- Praktikumsvereinbarung vorbereiten
- Programm und Ablaufplan erstellen
- Informationspaket mit Firmenpräsentation zusammenstellen
- Ausbildungsunterlagen aufbereiten
- Anforderungen an künftige Auszubildende aufbereiten
- Zusammenhänge zwischen beruflicher Praxis und Schule darstellen
- Anfahrtsplan vorbereiten
- Teilnahmebescheinigung erstellen
- Teilnahme an Arbeitsabläufen ermöglichen
- Hinweise zu Arbeitssicherheit und Datenschutz aktualisieren
- Organisatorische und innerbetriebliche Absprachen treffen
- Wichtige Personen im Betrieb informieren
- Beschäftigte auf die Maßnahme vorbereiten
- Feste Ansprechperson benennen
- Abschlussgespräch planen
Ihr Ausbildungsberater Peter Braune
Zum Autor: Peter Braune hat Farbenlithographie gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.