Diebstahlschutz und Arbeitsschutz So wird die Baustelle winterfest

Während der kalten Jahreszeit stehen Bauunternehmen vor besonderen Herausforderungen: Frost, Schnee und Dunkelheit erhöhen das Risiko von Diebstahl und Unfällen auf Baustellen. Betriebe sind in Sachen Diebstahlschutz und Arbeitsschutz gleichermaßen gefordert, um sich wirksam vor Schäden und Stillstand zu schützen.

Frost, frühe Dunkelheit und Stillstand erhöhen im Winter das Risiko für Diebstahl und Unfälle auf Baustellen. - © Jesse - stock.adobe.com

Der Winter bringt auf Baustellen einige Herausforderungen mit sich. Bei Schnee, Frost oder stürmischem Wetter müssen die Arbeiten oft über Wochen ruhen, Regen, Matsch und nicht zuletzt die Feiertage tun ihr Übriges, um Bauprojekte ins Stocken zu bringen. Die schwierigen Wetterbedingungen und nicht zuletzt auch die frühe Dunkelheit stellen erhebliche Sicherheitsanforderungen für Bauunternehmen dar.

So kann eine stillstehende, unbewachte Baustelle schnell zum Ziel für Diebstahl und Vandalismus werden: Kriminelle nutzen die frühe Dunkelheit und die geringe Präsenz von Bauarbeitern als ideale Gelegenheit, wertvolles Gerät oder teures Baumaterial zu entwenden. Ein einziger Vorfall kann ausreichen, um den gesamten Projektfortschritt zu gefährden.

Und wenn doch gearbeitet wird, stellt die Wetterlage erhöhte Anforderungen an den Arbeitsschutz dar, um die Mitarbeitenden vor Unfällen bei Glätte, Nässe oder einsetzender Dunkelheit zu schützen.

Organisierte Diebstähle in der Winterpause

Wenn Baustellen stillstehen, wenig Personal vor Ort ist und die Dunkelheit früher einsetzt, werden Baustellen schnell zur Einladung für organisierte Banden. Kupferkabel, Baumaschinen, Metalle und Akkugeräte verschwinden oft unbemerkt, bis der Betrieb im neuen Jahr wieder anläuft. Der Schaden geht nicht selten in die Tausende.

"Viele unterschätzen, wie professionell solche Täter mittlerweile vorgehen", warnt Carsten Simons von LivEye, einem Anbieter mobiler Videoüberwachungslösungen für Baustellen, Industrieflächen und temporäre Risikozonen. "Wer seine Baustelle über die Wintermonate nicht konsequent schützt, riskiert massive Verluste."

Winterpausen aktiv planen und absichern

Die Schäden durch Baustellendiebstahl liegen häufig im vier- bis fünfstelligen Bereich pro Vorfall. Neben Materialverlusten entstehen zusätzliche Kosten durch Bauverzögerungen, Ersatzbeschaffung und Stillstand. Bauunternehmen seien daher gefordert, Winterpausen auf Baustellen aktiv zu planen und abzusichern – nicht nur operativ, sondern auch dokumentarisch.

"Entscheidend ist, dass Sicherheitsmaßnahmen nachweisbar umgesetzt werden", erklärt Sicherheitsexperte Simons. Nicht zuletzt würden auch die Versicherungen ein klares Risikomanagement erwarten: umzäunte Baustellen, gesicherte Zugänge, definierte Lagerflächen und regelmäßige Kontrollen auch während des Stillstands würden zu den erwarteten Standards gehören.

Ganzheitliche Sicherheitskonzepte statt Einzelmaßnahmen

Einzelmaßnahmen greifen dabei zu kurz. Wirksamer Schutz entstehe erst durch ein ganzheitliches, mehrstufiges Sicherheitskonzept, betont Simons. Dieses umfasst mechanische Sicherungen ebenso wie eine konsequente Ordnung und Lagerdisziplin, damit hochwertige Materialien und Akkugeräte nicht offen zugänglich sind.

"Ergänzend sorgen eine gezielte Beleuchtung kritischer Bereiche zur Abschreckung sowie eine professionelle Videoüberwachung mit aktiver Intervention für ein deutlich erhöhtes Sicherheitsniveau", so der Experte.

Versicherung zahlt nur bei nachweisbaren Sicherungsmaßnahmen

Wer seine Baustelle in der Winterpause ungeschützt lässt, riskiert nicht nur Verluste aufgrund der Diebstahlfolgen, sondern bekommt auch Probleme mit seiner Versicherung. "Versicherer schauen inzwischen sehr genau hin, ob eine Baustelle ernsthaft abgesichert war oder nur pro forma", sagt Simons.

Für Schäden kommen sie nur auf, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Dazu gehören nachweisbare Sicherungsmaßnahmen, ordnungsgemäß verschlossene Lager und keine grobe Fahrlässigkeit. Wird ein Diebstahl festgestellt, ist strukturiertes Vorgehen entscheidend: Die Baustelle sollte möglichst unverändert gelassen werden, um Spuren zu sichern. Die Polizei sollte umgehend informiert und Anzeige erstattet werden. Anschließend gilt es, den Schaden detailliert zu dokumentieren, wozu fehlende Gegenstände, Zeitfenster und auch die Sicherungsmaßnahmen gehören. Danach muss die Versicherung informiert werden.

Versicherbarkeit langfristig sichern

"Versicherungen reagieren bei häufigen Schäden zunehmend mit Beitragserhöhungen oder sogar Kündigungen", so Simons. Unternehmen mit mehreren Diebstahlschäden würden als nicht mehr versicherbar gelten – neue Policen seien dann schwer oder nur zu deutlich schlechteren Konditionen zu bekommen.

"Viele Unternehmen glauben, die Versicherung fängt alles ab", sagt Simons. "In der Realität kündigen Versicherer inzwischen schneller, als sie zahlen." Professionelle Sicherheitslösungen seien daher nicht nur wichtig zur Schadensvermeidung, sondern auch zur langfristigen Sicherung der Versicherbarkeit.

Auch den Arbeitsschutz im Blick behalten

Aber nicht nur mit Blick auf den Diebstahlschutz ist Sicherheit auf Winterbaustellen ein wichtiges Thema. Denn wenn auf den Baustellen zumindest sporadisch gearbeitet wird, müssen die Baufirmen auch den Arbeitsschutz für ihre Mitarbeitenden im Blick behalten.

Die Arbeitgeber seien nach dem Arbeitsschutzgesetz verpflichtet, Gefährdungsbeurteilungen durchzuführen und gegebenenfalls erforderliche Maßnahmen des Arbeitsschutzes umzusetzen, heißt es bei der BG Bau. Glatte Wege, vereiste Baugerüste und mangelnde Beleuchtung gehören zu den häufigsten Ursachen für Unfälle auf winterlichen Baustellen. Hinzu kommen Risiken durch Schneefall, der wichtige Gefahrenstellen wie Glaskuppeln oder Wellplatten verdeckt.

Prävention durch klare Maßnahmen

"Sicherheit und Prävention sind besonders im Winter unerlässlich, um Verletzungen zu vermeiden und den Betrieb aufrechtzuerhalten", sagt Stefan Ganzke, Co-Gründer und Geschäftsführer des auf das Handwerk spezialisierten Beratungsunternehmens WandelWerker Consulting. "Ein sicherer Arbeitsplatz erfordert klare Maßnahmen und durchdachte Planung."

So sei es wichtig, Arbeitsbereiche und Wege stets frei von Schnee zu halten. Bauteile wie Lichtkuppeln oder Wellplatten, die durch Schnee unkenntlich werden, sollten klar markiert und mit zusätzlichen Absturzsicherungen versehen sein. "Diese präventiven Maßnahmen helfen, die Arbeit auch bei widrigen Wetterverhältnissen sicher und ohne Zwischenfälle fortzusetzen", so Ganzke.

Beleuchtung, Pausenräume und Schutzausrüstung

Zudem spiele die Beleuchtung eine wichtige Rolle. "Gut beleuchtete Wege und Arbeitsbereiche minimieren das Unfallrisiko erheblich", sagt der Unternehmensberater. Lampen sollten regelmäßig gereinigt und Sicherheitsbeleuchtungen auch bei Dämmerung eingeschaltet sein.

Pausenräume sollten beheizt und ausreichend groß sein, damit sich die Arbeiter aufwärmen können. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Winterschutzkleidung für die Mitarbeitenden – inklusive passender Handschuhe und wintergerechtem Schuhwerk mit stark profilierter, rutschhemmender Sohle. "Auch Bauhelme sollten mit speziellen Styroporpolstern oder Mützen ausgestattet sein, um den Kopf vor Kälte zu schützen", erklärt Ganzke. Ein Umkleideraum mit ausreichend Ablageplatz ist ebenfalls notwendig, wenn die Wetterschutzkleidung abgelegt werden muss.

Führungskräfte haben Vorbildfunktion

Führungskräfte seien entscheidend für die Umsetzung solcher Arbeitsschutzmaßnahmen. "Ihre Verantwortung beginnt bei der Planung und setzt sich in der täglichen Praxis fort", so der Unternehmensberater. Wichtig sei es daher, sie umfassend auf diese Aufgabe vorzubereiten; kontinuierliche Weiterbildungen seien empfehlenswert.

"Führungskräfte sollten als Vorbilder agieren, indem sie Schutzmaßnahmen konsequent anwenden und deren Einhaltung fördern", betont Ganzke. Denn ein sichereres Arbeitsumfeld trage auch dazu bei, Fehlzeiten der Mitarbeitenden zu minimieren.