Kfz-Gewerbe Was Autohändler zur Abkehr vom Verbrenner-Aus denken

Das Verbrenner-Aus ab 2035 wird aufgeweicht und die Förderung für den Kauf von Elektroautos kommt zurück. Zwei Entscheidungen, die auf den ersten Blick nicht miteinander harmonieren. Wir haben drei Autohändler nach ihrer Meinung dazu befragt.

Elektroauto beim Laden
Die Electric-Only-Strategie wurde von der EU vorläufig wieder einkassiert. - © Naypong Studio – stock.adobe.com

Der Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) begrüßt die von der Europäischen Union geplante Absenkung des Reduktionsziels der Verbrennermotoren von 100 auf 90 Prozent sowie die Einbeziehung von Plug-in-Hybriden und Range-Extendern über das Jahr 2035 hinaus. Der Verband hält die Maßnahme für einen notwendigen und überfälligen Schritt zu mehr Realismus in der Klimapolitik. Gleichzeitig hat die Bundesregierung beschlossen, den Kauf von Elektroautos wieder zu fördern. Die DHZ hat drei Autohändler zu den Maßnahmen befragt.

Belinda Erkner freut sich, dass das Datum 2035 nun gekippt ist und die Europäische Union Abstand nimmt vom Verbrenner-Verbot. Die Inhaberin von drei Autohäusern östlich von Berlin begrüßt, dass deutsche Ingenieurskunst durch die Technologieoffenheit jetzt wieder eine Chance bekommt, an der Weiterentwicklung der Verbrennermotoren mit geringem CO₂-Ausstoß zu arbeiten.

Strohfeuer bei Nachfrage befürchtet

Diese Motoren könnten dann vielleicht einen ähnlichen Effekt für die Umwelt haben wie Elektromotoren. Die Elektromobilität werde sich zwar durchsetzen, so Erkner, eine Prämie sieht aber auch sie skeptisch. Damit werde es maximal ein Strohfeuer bei der Nachfrage geben. Eine Förderung in Stromtarife und den Ausbau der Ladeinfrastruktur hält Erkner für sinnvoller.

Jürgen Sangl sieht das ähnlich. Der Autohändler aus Landsberg am Lech hält es auch für eine sinnvollere Strategie, die Rahmenbedingungen für die Käufer zu verbessern. "Wir müssen zu dem Punkt kommen, dass es sich für die Kunden rechnet", sagt Sangl. Neben einem Ausbau der Ladeinfrastruktur gehöre es beispielsweise dazu, die Strompreise günstiger zu machen. Diese Maßnahme sei langfristig lohnender für die Kundschaft. Zudem nutzten Kunden den Einbau einer Photovoltaikanlage, um auf Elektroautos umzusatteln, weil sich der Verbrauch des selbst produzierten Stroms inzwischen auszahlt.

E-Autokauf wird eh subventioniert

Bleibe es bei der Wiedereinführung einer Prämie für den Autokauf, fürchtet Sangl dagegen Mitnahmeeffekte durch die Hersteller. Eine Subventionierung des Kaufs finde schließlich schon heute statt. Einen gewissen Nachlass kalkulierten die Produzenten sowieso mit ein. Lege der Staat jetzt eine Prämie darauf, nähmen die Hersteller das wahrscheinlich zum Anlass, ihren Anteil daran zu verkleinern.

Dabei sieht Sangl die Elektromo­bilität insgesamt auf einem guten Weg. Die anfängliche Skepsis gegenüber der Antriebsart sei schon lange gewichen. Einer Prämie schreibt er demnach keinen besonders starken Effekt zu. Steige der Anteil an Elektrofahrzeugen ab jetzt jedes Jahr lediglich um rund zehn Prozent, sei das Ziel der emissionsfreien Neuzulassungen bis zum Jahr 2035 locker zu erreichen. Die Abkehr vom Verbrenner-Aus hält er folgerichtig für einen großen Fehler. Das sei ein völlig falsches Zeichen. Anstatt auf Innovation zu setzen, werde hier rückwärtsgewandte populistische Politik betrieben.

Einem Anschub für Elektrofahrzeuge durch die Wiedereinführung von Prämien für die Käufer steht auch Friedrich Barth kritisch gegenüber. Der Geschäftsführer des Autohauses Barth in Schopfloch bei Freudenstadt hält es für sinnvoller, mehr in den Ausbau der Ladeinfrastruktur zu investieren, anstatt mit Steuergeldern den Kauf von Elektroautos zu subventionieren. Barth fürchtet den Effekt, dass Hersteller wegen der zu erwartenden Prämie die Preise der Fahrzeuge erhöhen könnten.

Strompreis macht Stromer wieder unattraktiv

Von einem Aufschwung im kommenden Jahr ist Barth noch nicht überzeugt, vor allem was E-Fahrzeuge angeht. Zwar hat auch er seinen Betrieb auf den Service für Elektromobilität eingestellt. Die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen sei dennoch bisher eher zurückhaltend. Bei besonderen Preisaktionen sei der Verkauf zwischenzeitlich zwar immer mal angestiegen, die Abnahme von Elektroautos habe sich aber vor allem auf Firmenkunden konzentriert. Durch den steigenden Strompreis sei das Elektroauto zuletzt sogar wieder unattraktiver geworden.

Die Abkehr vom Verbrenner hält Barth für halbherzig. Er fürchtet, dass das Aus "in einem Regulierungsmonster endet". Allerdings frage er sich auch, ob die europäischen Automobilhersteller überhaupt noch mit der Verbrennertechnologie mithalten wollten oder könnten.

ZDK: Kurskorrektur ist notwendiger, erster Schritt

Nach eigenem Bekunden unterstützt der ZDK die Klimaziele der EU ausdrücklich, doch der Verband warnt davor, politische Zielvorgaben ohne ausreichende technische, wirtschaftliche und soziale Grundlagen festzulegen. Die Kurskorrektur sei deswegen ein notwendiger, erster Schritt. Eine Electric-Only-Strategie der EU greife ins Leere. Zehn Jahre vor dem Stichjahr 2035 sei nur ein Viertel der erforderlichen Ladeinfrastruktur aufgebaut. Die bisherige Ausbaugeschwindigkeit müsste verdreifacht werden, wenn das Ziel von 3,5 Millionen Ladepunkten bis 2035 erreicht werden soll. Hinzu kommt, dass die einseitige Angebotsorientierung bei der Flottenregulierung der EU nur schleppend bei den Kunden ankomme.

"Unsere Betriebe erleben jeden Tag, wo die europäische Regulierung an der Realität scheitert: bei hohen Ladekosten, fehlender Infrastruktur und Alltagstauglichkeit für Verbraucherinnen und Verbraucher", erklärt ZDK-Präsident Thomas Peckruhn. Klimaneutrale Mobilität funktioniere nur, wenn sie für die Menschen bezahlbar, praktikabel und verlässlich sei.

Geplante Förderung

Zielgruppe: Private Haushalte mit geringem bis mittlerem Einkommen. Einkommensgrenze: 80.000 Euro zu versteuerndes Jahreseinkommen, plus für bis zu zwei Kinder je 5.000 Euro.

Basisprämie: 3.000 Euro mit möglichen ­Aufschlägen für Familien.

Fahrzeuge: rein elektrisch (BEV) und Plug-in-Hybride (PHEV).

Gebrauchte Fahrzeuge: derzeit kein ­Bestandteil der 2026 startenden Förderung. Details sind noch offen.

Quelle: Bundesumweltministerium