Europäische Banken starten mit Wero eine Alternative zu PayPal. Was Handwerksbetriebe über den neuen Bezahldienst wissen müssen.

Ein neuer europäischer Bezahldienst namens Wero soll eine Alternative zu Anbietern wie PayPal werden und könnte für Handwerksbetriebe interessant sein, für die sich digitale Bezahlverfahren aufgrund hoher Kosten bisher nicht lohnten. Entwickelt wurde das System von der European Payments Initiative (EPI), einem Zusammenschluss mehrerer europäischer Banken. Ziel ist es, eine unabhängige europäische Lösung im Zahlungsverkehr zu schaffen. Laut einer Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) bieten 65 Prozent der Handwerksbetriebe neben Barzahlung auch Karten- oder digitale Bezahlverfahren an. Mehr als die Hälfte der Betriebe empfinden die Gebühren für digitale Bezahlverfahren als zu hoch. Für sie könnte Wero eine günstigere Alternative sein.
Was ist Wero?
Wero ist ein europäisches Bezahlsystem, das auf Echtzeit-Überweisungen basiert. Es startete zunächst als App, mit der Nutzer Geld zwischen Smartphones senden konnten, ähnlich wie bei PayPal. Nun können auch Online-Händler und Handwerksbetriebe, die ihre Produkte oder Dienstleistungen im Internet anbieten, Wero als Zahlungsmethode integrieren.
Wie können Betriebe den Dienst nutzen?
Voraussetzung ist ein Konto bei einer Bank, die Wero unterstützt. Das gilt sowohl für den Betrieb, der Geld empfängt, als auch für den Kunden, der bezahlt. In Deutschland bieten bereits zahlreiche Banken den Dienst, darunter die Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken, Sparda Banken, Postbank sowie ING Deutschland. Weitere Anbieter haben eine Zusammenarbeit ebenfalls angekündigt.
Wie funktioniert die Bezahlung?
Die Abwicklung hängt vom Anwendungsfall ab. In einem Online-Shop scannt der Kunde am Ende des Bestellvorgangs einen QR-Code mit seinem Smartphone und gibt die Zahlung frei. Für Dienstleistungen ohne Shop können Betriebe das Geld auch per Handynummer oder E-Mail-Adresse anfordern. Die IBAN des Kunden muss dafür nicht bekannt sein. Da Wero mit Echtzeit-Überweisungen arbeitet, wird der Betrag dem Empfängerkonto laut EPI in der Regel innerhalb von Sekunden gutgeschrieben. Je nach Vertrag mit dem angebundenen Zahlungsdienstleister kann die Abrechnung für den Händler aber auch gebündelt, zum Beispiel täglich, erfolgen.
Was kostet Wero für Betriebe?
Die Kosten für Wero liegen laut EPI etwas unterhalb derer für gängige Kredit- und Debitkarten sowie deutlich unterhalb der Gebühren von PayPal. Nach einer kostenlosen Einführungsphase wird der Dienst für Unternehmen kostenpflichtig. Die Transaktionsgebühr liegt dann je nach Bank zwischen 0,55 und 0,77 Prozent des Kaufbetrags.
Zum Vergleich: Laut der ZDH-Umfrage zahlen Handwerksbetriebe für digitale Bezahlverfahren im Schnitt 1,7 Prozent Gebühren pro Transaktion. Bei PayPal sind es bei Inlandstransaktionen standardmäßig 2,99 Prozent plus eine feste Gebühr von 39 Cent. Bei Wero legt die Bank des Händlers die genaue Höhe der Gebühren fest.
Wie sicher ist das System?
Wero unterliegt den Bank- und Datenschutzvorgaben der EU. Da die Übertragung direkt über das Girokonto läuft, bleiben sensible Daten bei der Hausbank des Nutzers. Das System bietet Händlern eine Zahlungsgarantie, da die Bank des Kunden den Betrag vor dem Verkauf prüft und reserviert. Kunden erhalten zudem einen Käuferschutz.
Wie geht es weiter?
Ob sich Wero gegen die etablierte Konkurrenz durchsetzt, hängt davon ab, wie viele Händler und Kunden den Dienst zukünftig nutzen. Derzeit ist Wero in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Luxemburg verfügbar. Experten zufolge haben sich derzeit rund drei Millionen deutsche Bankkunden für Wero registriert. Wero selbst rechnet damit, dass der Dienst bis Ende des Jahres bei rund 150 Händlern zur Verfügung steht. Aktuell sind auch noch nicht alle Funktionen aktiv. Das Bezahlen direkt im Geschäft an der Kasse soll laut EPI erst 2026 oder 2027 möglich sein. uls/fre/dpa