Während der gesamte deutsche Ausbildungsmarkt schrumpft, verzeichnet das Handwerk ein leichtes Plus bei den Neuverträgen. Vor allem das Baugewerbe boomt. Dennoch wird der Ruf nach besserer Berufsorientierung lauter.

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt ist angespannt. Binnen Jahresfrist wurden in Deutschland 476.000 Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das waren 2,1 Prozent weniger als im Vorjahr, wie das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) mitteilte. "Die negative Entwicklung am Ausbildungsmarkt ist eine direkte Folge der angespannten wirtschaftlichen Lage", sagte BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser.
Deutliches Plus im Baugewerbe
Im Handwerk konnte die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge nach den Zahlen des BIBB um 0,4 Prozent leicht auf 135.500 erhöht werden. Besonders zugelegt hat innerhalb des Handwerks das Baugewerbe, wie der Zentralverband Deutsches Baugewerbe jüngst berichtete.
Größtes Minus bei Industrie und Handel
Mit Blick auf den gesamten Ausbildungsmarkt war der Rückgang in Industrie und Handel am größten. Dort wurde ein Minus von 4,6 Prozent verzeichnet. Im öffentlichen Dienst sanken die Zahlen ebenfalls um zwei Prozent. Dagegen konnte in den Freien Berufen die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge um 4,6 Prozent erhöht werden.
Weniger betriebliche Ausbildungsplätze angeboten
Die rückläufigen Zahlen hängen auch mit dem geringeren Angebot an Ausbildungsplätzen zusammen. So wurden bis zum Stichtag (Ende September 2025) 530.000 Ausbildungsplätze angeboten – ein Minus von 4,6 Prozent. "Besonders gravierend" sei der Rückgang an betrieblichen Ausbildungsplätzen gewesen, hieß es weiter. Gleichzeitig hätten mit 560.300 etwas mehr junge Menschen als vor Jahresfrist einen Ausbildungsplatz nachgefragt.
Zahl der unbesetzten Stellen geht zurück
Rückläufig war außerdem die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze. Sie ging binnen Jahresfrist um 15.000 auf 54.400 zurück. Im Handwerk blieben bis zum Stichtag 30. September noch 16.200 Stellen unbesetzt. Gleichzeitig suchten zu diesem Zeitpunkt insgesamt noch rund 84.400 junge Menschen einen Ausbildungsplatz.
Weiterhin große Passungsprobleme
Nach Auffassung von ZDH-Präsident Jörg Dittrich muss deshalb auch die Bundesregierung alles dafür tun, die "Passungsprobleme" am Ausbildungsmarkt zu verringern. Als Beispiel nannte er eine bessere Berufsorientierung, auch an der gymnasialen Oberstufe. Dies gelte umso mehr, da der Fachkräftebedarf angesichts des demografischen Wandels noch weiter zunehme.