Wahre Führungsqualität zeigt sich nicht im Delegieren, sondern in den kleinen, menschlichen Momenten des Alltags. Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg teilt in ihrer DHZ-Kolumne drei Gedanken, die Ihr Führungsverhalten nachhaltig prägen und die Kultur in Ihrem Betrieb verändern können.

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Ein wichtiger Kunde kommt zur Baustelle. Der Auftrag ist lukrativ, der Zeitplan eng, alle sind auf Zack. Doch als der Kunde ankommt, läuft er direkt an Ihrer Gesellin vorbei, sagt nichts und würdigt sie keines Blickes. Anschließend folgt das Gespräch ausschließlich mit Ihnen und er kritisiert lautstark die Ausführung, ohne vorher zu fragen, warum etwas so gemacht wurde oder ob es vielleicht gute Gründe dafür gibt.
Was tun Sie jetzt als Führungskraft? Lächeln, weil "der Kunde ja König ist"?
Oder Position beziehen? Nicht gegen den Kunden, sondern für Ihr Team? Denn genau da zeigt sich Führungsverantwortung. Nicht im Organisieren oder Delegieren, sondern im Verhalten, vor allem dann, wenn es unangenehm wird.
Ein anderes Beispiel: Sie kommen morgens in den Betrieb. Eigentlich ein ganz normaler Start in den Tag, aber irgendetwas liegt in der Luft. Die Stimmung ist anders und Sie spüren: Da war was. Vielleicht ein Streit, vielleicht Unmut über eine Entscheidung, vielleicht etwas ganz anderes.
Ihr eigener Zeitplan ist voll, das erste Kundengespräch wartet, das Telefon klingelt schon. Jetzt könnten Sie einfach weitermachen. Ignorieren, dass es knistert. Oder: Sie halten einen Moment inne, schauen in die Runde und sagen einen simplen Satz wie: "Irgendwas scheint euch zu beschäftigen. Wollen wir kurz darüber reden?" Beides ist eine Entscheidung, die vom Team wahrgenommen wird.
Ich selbst habe vor einer Weile eine Erfahrung gemacht, die mich in meiner Haltung bestärkt hat. Auf einer Veranstaltung war ich mit meiner Assistentin unterwegs. Sie ist ein wichtiger Teil meines Arbeitsalltags; sie sorgt für Struktur, bringt Weitblick mit und stärkt die Kommunikation. Dann ergab sich folgende Situation: Eine Person, die auf eine mögliche Zusammenarbeit anspielte, kam auf uns zu und ging ohne Gruß an meiner Assistentin vorbei. Nur ich war von Interesse.

Für mich war klar: Wer mein Team ignoriert, mit dem arbeite ich nicht. Diese Haltung mag unüblich sein, aber sie ist im Handwerk besonders wichtig. Unsere Teams sind oft klein, Rollen sind vielseitig und Respekt ist kein Nebenschauplatz, sondern die Grundlage für die Qualität unserer täglichen Arbeit.
3 Gedanken, die Ihr Führungsverhalten nachhaltig prägen können:
- Respekt beginnt bei den scheinbar kleinen Dingen.
Ein kurzer Gruß. Ein aufmerksamer Blick. Die Anerkennung der Person, nicht nur der Funktion. Solche Gesten sind keine Nebensache, sie sind das Fundament für Vertrauen und Zusammenarbeit. Wer sie verweigert, stellt nicht nur die Umgangsform infrage, sondern auch Ihre Haltung als Führungskraft. - Haltung zeigt sich, wenn es nicht bequem ist.
Führung bedeutet nicht, immer beliebt zu sein. Es bedeutet, Entscheidungen zu treffen, auch wenn sie unbequem sind. Wenn Sie in schwierigen Momenten Haltung zeigen, senden Sie eine starke Botschaft an Ihr Team: "Ich stehe hinter euch." Das schafft Loyalität, weit über die nächste Baustelle hinaus und lädt zum Nachahmen ein. - Sie geben den Takt vor – nicht nur fachlich, sondern menschlich.
Wie Sie sich verhalten, wird im Team gespiegelt. Ihre Haltung färbt ab: auf Gespräche, auf den Umgangston, auf die Arbeitsatmosphäre. Wenn Wertschätzung für Sie selbstverständlich ist, wird sie auch im Betrieb gelebt.
Und falls Sie gerade denken: "Ach, mir ist das eigentlich egal, wie ein Kunde mit meinem Team spricht – Hauptsache, der Auftrag läuft."
Dann stellen Sie sich vielleicht einfach mal die Frage, ob das Führungsmindset, mit dem Sie gestartet sind, noch zu dem passt, das Sie sich für die Zukunft wünschen.
Denn gute Führung ist keine Frage von Theorie, sondern von Haltung im Alltag. Und dieser Alltag beginnt jeden Morgen.
Die Kolumne "Aus dem Handwerk, für das Handwerk" von Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erscheint jeden Donnerstag exklusiv in der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). Melden Sie sich für den kostenlosen DHZ-Newsletter an, um keine Ausgabe zu verpassen.