TÜV-Studie zu ChatGPT und Co. KI im Job: Starke Nutzung trotz fehlendem Vertrauen

Drei Jahre nach dem Start von ChatGPT ist Künstliche Intelligenz fester Bestandteil des Alltags in Deutschland: Zwei von drei Menschen nutzen regelmäßig solche Tools – vor allem zum Arbeiten und Lernen. Gleichzeitig bleibt die Sorge vor Deepfakes, Datenmissbrauch und Falschinformationen.

ChatGPT auf dem Smartphone
KI-Tools wie ChatGPT DeepSeek und Gemini werden auf dem Smartphone immer beliebter. - © gguy/stock.adobe.com

Drei Jahre nach dem "iPhone-Moment" der Künstlichen Intelligenz zieht der TÜV-Verband Bilanz: "KI ist in Deutschland Alltag geworden – vom privaten Chat bis zum beruflichen Werkzeug", sagt Geschäftsführer Joachim Bühler. Zwei von drei Bürgerinnen und Bürgern nutzen inzwischen generative KI wie ChatGPT, Gemini oder Copilot.

Die neue KI-Studie 2025 des TÜV zeigt: Während 2023 nur 23 Prozent entsprechende Tools verwendeten, sind es 2025 bereits 65 Prozent. Besonders unter den Jüngeren ist die Technik allgegenwärtig – 91 Prozent der 16- bis 29-Jährigen greifen regelmäßig darauf zu. In der mittleren Generation (30 bis 49 Jahre) liegt die Quote bei 80 Prozent, bei den 50- bis 64-Jährigen bei 63 Prozent und selbst in der Generation 65+ nutzt mehr als ein Drittel Künstliche Intelligenz. Der anfängliche Geschlechterunterschied ist weitgehend verschwunden – Männer und Frauen nutzen KI inzwischen gleichermaßen.

"Generative KI ist innerhalb weniger Jahre für eine ganze Generation zum festen Bestandteil ihres Alltags geworden", so Bühler.

Vom Notebook zum Smartphone: KI wird mobil

KI ist längst keine stationäre Technologie mehr. 82 Prozent der Nutzer greifen mittlerweile per Smartphone auf Anwendungen zu, nur noch 71 Prozent über Desktop-PCs oder Laptops. Ähnlich wie das Internet vollzieht die KI den Wandel hin zu "Mobile First". Dies hat Auswirkungen auf das Nutzerverhalten: Während früher Neugier und Unterhaltung im Vordergrund standen, wird KI heute vor allem für produktive Zwecke eingesetzt.

61 Prozent der Befragten verwenden sie, um effizienter zu lernen oder zu arbeiten, nur noch 29 Prozent zur Freizeitgestaltung. Damit ist KI für die Mehrheit kein Spielzeug mehr, sondern ein nützliches Werkzeug im Alltag. Besonders häufig wird sie für Recherche und Informationssuche eingesetzt (72 Prozent), gefolgt von Textverarbeitung, Ideenfindung und kreativen Projekten.

Ein Drittel der Deutschen setzt KI mittlerweile im Beruf ein – etwa zum Schreiben, Übersetzen, Entwickeln von Konzepten oder Recherchieren. 45 Prozent nutzen entsprechende Tools mehrmals pro Woche. 31 Prozent der beruflichen Nutzer und 11 Prozent im privaten Bereich haben bereits kostenpflichtige KI-Accounts abgeschlossen – ein Hinweis sowohl auf die zunehmende Professionalisierung der Nutzung als auch auf das wirtschaftliche Potenzial des KI-Marktes.

ChatGPT führt, Google und Microsoft holen auf

Das mit Abstand populärste Tool ist nach wie vor ChatGPT, das 85 Prozent aller KI-Nutzer einsetzen. Google Gemini und die integrierten KI-Funktionen in der Google-Suche holen jedoch deutlich auf: 33 Prozent bzw. 14 Prozent der Nutzer verwenden diese Produkte. Microsoft bleibt mit Copilot (26 Prozent) ebenfalls fest im Rennen. Unter den Top-5-Tools findet sich auch ein deutscher Anbieter: Das Übersetzungs- und Schreibtool DeepL aus Köln kommt auf beachtliche 20 Prozent Nutzung und behauptet sich damit erfolgreich im von US-Unternehmen dominierten Markt.

Zudem nutzen 18 Prozent "Meta AI" (integriert in WhatsApp, Instagram und Facebook), kleinere Anteile entfallen auf Canva AI (8 %), Perplexity (7 %), DeepSeek (4 %) und das französische Mistral-Produkt "Le Chat" (1 %).

Die Studienergebnisse zeigen auch, dass KI nicht nur funktional genutzt wird, sondern zunehmend emotionale Komponenten hat.

  • 80 Prozent sehen KI als reines Werkzeug,
  • 27 Prozent als „Coach beim Lernen oder Arbeiten“,
  • 6 Prozent sprechen sogar von einem „guten Freund“.

Das Nutzungsverhalten wird vielfältiger: 38 Prozent diktieren ihre Eingaben per Mikrofon, 33 Prozent führen Sprachdialoge ("Voice Mode") – rund die Hälfte der Nutzer verwendet also Sprachfunktionen. Damit verschwimmen die Grenzen zwischen maschineller und menschlicher Interaktion zunehmend.

Verunsicherung und Vertrauensdefizit

Trotz der wachsenden Beliebtheit bleibt Skepsis bestehen. Nur etwa jeder Zweite (53 Prozent) vertraut den Ergebnissen von KI-Tools. 91 Prozent der Befragten sehen eine wachsende Verwechslungsgefahr zwischen echten und manipulierten Inhalten, 83 Prozent befürchten eine Beschleunigung der Verbreitung von Falschinformationen, und fast die Hälfte sieht sogar eine Bedrohung für die Demokratie.

Besonders problematisch: 51 Prozent gaben an, bereits KI-generierte Inhalte fälschlicherweise für echt gehalten zu haben, ebenso viele sind schon mit Deepfakes konfrontiert worden. 13 Prozent haben sogar persönliche oder vertrauliche Daten in KI-Systeme eingegeben – trotz der Sorge vor Datenmissbrauch, die 50 Prozent der Befragten äußern.

Forderung nach Regulierung: Vertrauen durch klare Regeln schaffen

Der Wunsch nach politischen und technischen Regelungen ist massiv:

  • 89 Prozent fordern eine eindeutige Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Inhalte,
  • 83 Prozent befürworten eine klare Regulierung der Technologie,
  • 80 Prozent wünschen sich verpflichtende Sicherheitsprüfungen durch unabhängige Organisationen wie den TÜV.

Allerdings wissen nur 32 Prozent überhaupt vom europäischen AI Act, der künftig Standards für Transparenz und Sicherheit festlegt. Der TÜV-Verband fordert die schnelle nationale Umsetzung der EU-Verordnung, um Prüfverfahren und Kontrollstrukturen aufzubauen. Bühler betont: "Europa muss jetzt handeln. Wir brauchen die zügige Umsetzung des AI Acts und unabhängige Prüfstellen, um Vertrauen zu schaffen und die Innovationskraft zu sichern."

Die KI-Studie des TÜV steht zum kostenlosen Download bereit.