Anna-Lena Hilke ist mit Tod und Trauer groß geworden. Ihr Vater und ihr Onkel waren bereits im Bestattungswesen tätig. Heute gehört sie selbst zu einer neuen Generation von Bestattern: jung, empathisch, modern. Mit ihrem Ansatz steht sie für einen Wandel, der in der gesamten Branche spürbar wird.
Wenn Anna-Lena Hilke von ihrer Arbeit erzählt, wird schnell klar: Dieser Beruf ist für sie Berufung. Die 24-Jährige aus Friemar im Landkreis Gotha ist Thüringens jüngste Bestattermeisterin – und möchte mit ihrer Arbeit zeigen, dass das Handwerk weit mehr ist als der Umgang mit dem Tod. "Es geht um Menschen, um ihre Geschichten, um Würde – und manchmal auch um ein kleines Lächeln mitten in der Trauer", sagt sie.
Die Themen Tod und Trauer waren für Anna-Lena Hilke immer präsent. "Mein Papa und mein Onkel haben schon im Bestattungswesen gearbeitet, als ich noch ein Kind war. Ich bin damit aufgewachsen, Berührungsängste hatte ich nie", sagt sie.
Neue Filiale
Nach der zehnten Klasse begann sie ihre Ausbildung zur Bestattungsfachkraft an der Bestatterschule in Bad Kissingen. Danach stieg sie in das 2008 gegründete Bestattungshaus der Familie ein, 2022 wurde unter ihrer Führung eine zweite Filiale des Unternehmens in Goldbach im Nessetal eröffnet. Doch Stillstand liegt ihr nicht: "Ich wollte weiterlernen und meinen Meister machen", sagt die Thüringerin.
Meisterausbildung in Hessen und Thüringen
Die ersten beiden Teile hat sie in Wiesbaden absolviert, Teil III und Teil IV bei der Handwerkskammer Erfurt. Seit Frühjahr ist sie stolze Meisterin – ein beachtlicher Weg in einem Beruf, der körperlich und emotional viel fordert. Hilke steht für eine neue Generation von Bestattern – jung, empathisch, modern. Und sie prägt einen Wandel, der in der gesamten Branche spürbar ist. "Heute wünschen sich viele Familien eine individuelle Abschiedsgestaltung: persönliche Dekorationen, Fotos, Gegenstände, die an den Verstorbenen erinnern. Es ist ihnen wichtig, dass die Trauerfeier die Persönlichkeit widerspiegelt – und das Leben, nicht nur den Abschied."
Ausbildung zur Trauerrednerin
Besonders am Herzen liegt ihr ihre Rolle als Trauerrednerin – eine Aufgabe, die sie während ihrer Ausbildung für sich entdeckt hat. "Oft sind es ältere, gestandene Männer, die Trauerreden halten. Aber warum sollte das nicht auch eine junge Frau tun und empathisch und offen über das Leben sprechen?"
Viel Lob und Dankbarkeit
Inzwischen ist sie bei vielen Familien in der Region bekannt. "Wenn ich heute zu einer Trauerfeier komme, heißt es oft: 'Ach, Anna-Lena macht das, dann wird das gut.' Das ist ein schönes Gefühl und macht mich wirklich stolz. Das Lob und die Dankbarkeit erinnern mich immer wieder daran, warum ich das mache."
Handwerk und viel Herz
Auch wenn ihr Beruf zum Handwerk zählt, sieht Hilke die wichtigsten Fähigkeiten in Einfühlungsvermögen, Belastbarkeit und Organisationstalent. "Natürlich lernen wir auch handwerkliche Dinge – Särge ausschlagen, Gräber verschalen, mit dem Bagger umgehen. Aber das Wichtigste ist, für die Angehörigen da zu sein. Sie vertrauen uns in einer der schwierigsten Phasen ihres Lebens."
"Seid mutig und macht ein Praktikum!"
Langfristig möchte Anna-Lena Hilke das Familienunternehmen übernehmen. Schon jetzt entscheidet sie vieles gemeinsam mit Vater und Onkel, gilt als der kreative Kopf im Unternehmen. Daneben engagiert sie sich, um den Beruf bekannter zu machen. Ihr Rat an junge Menschen, die über den Beruf nachdenken: "Seid mutig und macht ein Praktikum! Nur so merkt man, wie abwechslungsreich und menschlich dieser Beruf wirklich ist. Es ist eine verantwortungsvolle, aber wunderschöne Arbeit."
