Praxis-Test E-Transporter: Stromer im Alltags-Check

Laut einer Studie könnte knapp jeder zweite Transporter heute schon elektrisch fahren. Stimmt das? DHZ und "handwerk magazin" haben zwei E-Transporter testen lassen.

Werner Plaschke
Tester Werner Plaschke aus Ismaning: "Der Umstieg muss für uns lukrativ sein." Das betonte der Schreinermeister nach dem 14-tägigen Test. Sein Fahrzeug: der E-Expert von Peugeot. - © Tanja Kernweiss

Viele Flottenfahrer trauen sich schon, doch es gibt auch noch viele Berührungsängste mit der E-Mobilität. Grund genug, gemeinsam mit der Servicegesellschaft Deutsches Handwerk GmbH, kurz SDH, diesem Potenzial genauer auf den Grund zu gehen und zwei gängige E-Transporter von interessierten Handwerks­chefs im Alltag testen zu lassen.

Doch zunächst ein Blick in den Markt. Während die schwarz-rote Koalition mit den Autobossen über eine Verschiebung des Verbrenner-­Zulassungsverbots auf das Jahr 2037 intensiv diskutiert, fährt bereits jeder Dritte für den Job elektrisch. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Elektromobilitätsstudie von Shell, die der Mineralölkonzern zum achten Mal vorgelegt hat und für die rund 4.600 private und gewerbliche Stromer-Fahrer befragt wurden.

Und auch der Marktbeobachter Dataforce aus Frankfurt am Main stellt einen Trend zu "E" hin fest. "E-Mobilität ist inzwischen fest in den Pkw-Märkten etabliert. Jahr für Jahr sehen wir daher die stetige Elektrifizierung von Privat- und Flottenmärkten", erklärt Julian Ilge, Project Manager Market Research.

Ein anderes Bild zeigt sich allerdings im Transporter-Flottenmarkt. Nur wenige Stromer im Bestand, doch große Möglichkeiten – so sehen es die Praktiker in den Fuhrparks laut einer Dataforce-Studie selbst. "Das Potenzial für E-Transporter ist gewaltig", betont Experte Ilge. "46 Prozent der Transporter sind laut den Fuhrparkverantwortlichen elektrifizierbar." Das wollten DHZ und "handwerk magazin" genauer wissen: Wird die Theorie in der Praxis bestätigt?

Praxistest im Handwerk

Für den 14-tägigen Test wurden von der SDH zwei am Markt gängige Elektro-Transporter ausgewählt und diese zwei Handwerksbetrieben für einen Alltagscheck zur Verfügung ge­­stellt:

  1. Der Ford E-Transit Custom Kastenwagen in der Länge L1, mit einem 100 kW/136 PS starken E-Motor und mit einer 64-kWh-Batterie.
  2. Der Peugeot E-Expert Kastenwagen mit einem 100 kW/136 PS starken E-Motor und einer 75-kWh-Batterie.

Außerdem wurden die beiden Praxis-Tester aus dem Handwerk gebeten, sich einige Minuten Zeit nehmen, um ausführlich unseren Fragebogen auszufüllen.

Die Zeit für E-Transporter ist reif

Der E-Mobilität eine Chance zu geben, das ist auch Ralf Baumeister wichtig. "Man muss sich auch mal trauen!", betont der SDH-Geschäftsführer. Sein Tipp für alle, die aktuell noch aufgrund von Reichweite, Lade­infrastruktur und Fahrzeugpreisen zögern, lautet: "Fangen Sie einfach mit dem ersten E-Auto an und sammeln Sie wie die zwei Handwerksbetriebe Erfahrungen mit der neuen Mobilität." Denn Baumeister hat eine klare Meinung, wie sich der Indivi­dualverkehr entwickeln wird. "Die Zukunft ist elektrisch. Das wird in Europa so kommen", sagt der SDH-­Geschäftsführer, der selber gerade einen elektrifizierten Pkw fährt.

2011 gegründet, füllt sein Unternehmen seitdem den Firmenslogan "Wir bewegen das Handwerk" mit Leben. Da die SDH Sonderkonditionen mit 32 Automobilpartnern und viele Aktionen, teils mit hohen Nachlässen sowie attraktiven Prämien, offeriert, hat der ehemalige Automanager Baumeister einen sehr guten Überblick über die Produktpalette an Elektrofahrzeugen der Autobauer. "Das Angebot ist sehr gut", sagt er. Auch die IAA Mobility im September in München sei eine reine E-Show gewesen, so sein Messe-Resümee.

Landmetzgerei testet Ford E-Transit Custom

"Mein erster Eindruck: ungewohnt und neu" – Handwerkschef Ludwig Filser aus Altenstadt in Bayern lacht. "Aber das war ein megaentspanntes Fahren", sagt der Metzgermeister, der sich und sein Team als sehr offen gegenüber der E-Mobilität bezeichnet. Von den zwölf Mitarbeitern habe die Hälfte die Chance ergriffen und statt des Verbrenners im Fuhrpark lieber den Ford E-Transit Custom pilotiert. "Wir haben in der Zeit den Testwagen mehr genutzt als unseren Diesel-Transporter", erinnert sich Filser. Und das, obwohl der Testwagen nicht für alle üblichen Einsatzzwecke der Metzgerei nutzbar war, da ihm der notwendige Kühlausbau für die Kühlkette fehlte.

Ludwig Filser
Tester Ludwig Filser aus Altenstadt: "Das Schwimmen im Verkehr ohne Motorgeräusche war sehr angenehm", findet der Metzgermeister. Sein Fahrzeug: der E-Transit Custom von Ford. - © Elisabeth Hörterer

Doch für die Wocheneinkäufe beim Obsthändler, die täglichen Brotzeittouren rund um Altenstadt oder professionelle Caterings kam der elektrifizierte Kölner zum Einsatz. Täglich legten die Bayern rund 50 Kilometer rein elektrisch zurück. Vor allem der Fahrkomfort kam sehr gut an, geht aus Bewertungsbogen hervor. "Das Schwimmen im Verkehr ohne Motorgeräusche war sehr angenehm." Auch in Sachen Reichweite gab Ludwig Filser dem E-Transporter die Bestnote: Filser verteilte nur die Wertungen "sehr gut" und "gut" – der Testwagen hat offensichtlich überzeugt.

"Wenn ich günstiger elektrisch fahre, dann kaufe ich künftig keinen Verbrenner mehr", so der Betriebswirt des Handwerks. Das sei eine einfache betriebswirtschaftliche Rechnung. Gut möglich also, dass der Chef der Landmetzgerei beim nächsten Autokauf für einen E-Transporter votiert. Allerdings müsste sich dafür bei den Anschaffungskosten noch einiges tun: "Die aktuellen Preise sind im Vergleich zum Verbrenner auf jeden Fall zu hoch", moniert Filser. Auch die Preisgestaltung der Autobauer, mal mit, mal ohne Förderung, findet er oftmals undurchsichtig.

Schreinerei testet Peugeot E-Expert

Pro oder kontra Elektromobilität? Werner Plaschke, Handwerksunternehmer aus Ismaning bei München, ist da schon einen guten Schritt weiter. "Ich stehe der E-Mobilität sehr offen gegenüber." Kein Wunder: Seit zwei Jahren fährt der Schreinermeister privat ein Elektroauto. Doch für seinen Vier-Mann-Betrieb ist die Entscheidung komplexer. "Reichweite, Lademöglichkeit und Kosten – als Unternehmer muss ich das genau ab­­wägen", berichtet der Handwerkschef nach dem Test.

Plaschke prüfte zwei Wochen lang den Peugeot E-Expert Kastenwagen mit dem 100 kW/136 PS starken E-Motor auf seine Alltagstauglichkeit. Mit dem Testwagen war er im Raum München unterwegs – zwischen 50 und 100 Kilometer pro Tag, um Kunden zu besuchen sowie Material oder Werkzeug von A nach B zu transportieren. Und das Laden der Batterie? "Erfolgte ausschließlich im Betrieb", sagt Plaschke. Besonders gut habe ihm am elektrischen Franzosen das Fahrerhaus, die Ladekapazität und die Nutzlast sowie die Übersicht beim Fahren gefallen, schrieb er in den Bewertungsbogen. Insgesamt bewertete er die Reichweite, den Fahrkomfort, das Ladevolumen und die Nutzlast, die Bedienbarkeit und die Technik sowie den Gesamteindruck mit "gut". Einzig bei der Ladezeit gabs ein "befriedigend".

Im Gespräch kommt Plaschke auch auf das Thema Fahrzeugpreise zu sprechen. Diese seien aktuell für die E-Transporter definitiv zu hoch. Unternehmer wie er würden die Total Cost of Ownership (TCO) anschauen – und das Ganze durchrechnen. "Der Umstieg muss für uns lukrativ sein", so Plaschke.

Was sich ändern sollte? Laut dem Handwerksunternehmer müssen die Anschaffungskosten niedriger, der Strom günstiger und die Zuschüsse von Bund und Ländern attraktiver sein. Und ein weiterer Punkt ist ihm noch ganz wichtig: die Technologieoffenheit. Ob der nächste Transporter, den die Schreinerei Plaschke aus Ismaning im Autohaus ordert, dann mit einem E-Motor daherkommt? Plaschke überlegt kurz, dann sagt er: "Zu 80 Prozent wird es ein Elektro-Transporter."