Bei der Bearbeitung von Brillengläsern wandert Mikroplastik in die Kanalisation. M-Ely filtert die winzigen Partikel aus dem Schleifwasser.

Teppiche aus Plastikmüll im Meer. Schockierende Bilder, die auf ein weltweites Problem aufmerksam machen: die Verseuchung der Natur mit Kunststoffen. Weniger augenscheinlich, aber nicht ungefährlicher sind Mikropartikel. Kleiner als 0,005 mm und kaum sichtbar, gelangen sie weitgehend unbemerkt in die Umwelt. "Wir Augenoptiker tragen auch zur Verseuchung mit Mikroplastik bei", stellt Reinhard Müller selbstkritisch fest.
Aber der Diplom-Ingenieur aus Blaufelden will sich nicht damit abfinden, dass mit dem Wasser, das beim Schleifen der Brillengläser den Staub bindet, klitzekleine Plastikpartikel in die Kanalisation gelangen. Nach vierjähriger Forschungs- und Experimentierphase kann er nun mit M-Ely (sprich Emely) ein marktreifes Produkt anbieten, das den Schleifstaub zuverlässig aus dem Wasser filtert.
Elektrolyse trennt Mikroplastik vom Schleifwasser
M-Ely steht für Mikroplastik-Elektrolyse. Durch Anlegen einer Gleichstromspannung im Niedervoltbereich regt Müller im Schleifwasser eine Elektronenwanderung zwischen Plus- und Minuspol (Anode und Kathode) an. Die winzigen Plastikteilchen ziehen sich an, verklumpen und setzen sich am Boden des Auffangbehälters ab. In zahlreichen Versuchsreihen hat der Tüftler aus Hohenlohe Stromstärke, Spannung und die Maße der Elektroden optimiert, um mit möglichst geringem Aufwand und in kürzester Zeit die winzigen Plastikpartikel vom Wasser zu trennen.
Beim Schleifen eines Brillenglases entstehen etwa 5 g Mikroplastik, erklärt Reinhard Müller. Unzählige Partikel – jedes einzelne nicht größer als 0,002 bis 0,005 mm – trüben das Wasser ein. "Normalerweise fließt die milchige Suppe einfach ins Abwasser. Das ist bequem, schadet aber der Umwelt und letztlich uns selbst, weil das Plastik in die Nahrungskette gelangt", appelliert Müller an seine Berufskollegen. Laut einer WWF-Studie nimmt weltweit jeder Mensch durch die Ernährung pro Woche im Durchschnitt 5 g Mikroplastik zu sich, was dem Gewicht einer Kreditkarte entspricht.
Sauberes Wasser über Nacht
Herzstück von M-Ely ist die Steuerungsbox, etwa so groß wie ein Stück Butter. Geliefert wird das Gerät mit einem Netzkabel, einer Strom- und Spannungsanzeige und Alufolie für Anode und Kathode. Reinhard Müller empfiehlt die Anschaffung einer transparenten 60-l-Box als Auffangbehälter für das Schleifwasser.
Die Installation von M-Ely sei einfach und ohne Fachkenntnisse in kurzer Zeit erledigt. Es würde ausreichen, M-Ely am Abend über eine Zeitschaltuhr für eine Stunde zu aktivieren. Über Nacht würden sich die Partikel dann am Boden absetzen.
Das gereinigte Wasser hat Reinhard Müller im Labor untersuchen lassen. Demnach eignet es sich als Prozesswasser, das für das Schleifen wiederverwendet werden kann. Der Bodensatz kann so lange im Behälter bleiben, wie die Pumpe noch klares Wasser ansaugt. Nach bisherigen Erfahrungen bei Optik Müller in Blaufelden muss der Klärschlamm in der Regel alle zwei Monate etwas abgelassen werden. Getrocknet könne er in den Restmüll wandern. "Das ist besser, als wenn das Mikroplastik im Abwasser landet. Nachhaltiger wäre es freilich, wenn es zu Pyrolyse-Öl verarbeitet und wiederverwertet werden könnte. Aber dafür sind die Mengen, die wir Augenoptiker produzieren, viel zu gering", sagt Reinhard Müller.
Umweltschutz und soziales Engagement
Die ersten 30 M-Eley-Geräte wurden von den Mitarbeitern bei Optik Müller in Blaufelden montiert. Das 1890 gegründete Unternehmen führt Müller in vierter Generation. Die Hälfte der acht Mitarbeiter sind Augenoptiker, die anderen arbeiten im Uhren- und Schmuckbereich, dem zweiten Standbein des Handwerksbetriebes. Sollte das Interesse an M-Ely wie erhofft stark ansteigen, sucht Müller noch Partner, die die Produktion übernehmen können.
Aktuell kostet M-Ely rund 550 Euro netto. Die Betriebskosten für Strom (30 Cent/Jahr) und Wasser (2,5 Euro/Jahr) seien marginal. Von jedem verkauften Gerät spendet Reinhard Müller 100 Euro an den Entwicklungsdienst deutscher Augenoptiker. In diesem gemeinnützigen Verein unter seinem Vorsitz helfen Augenoptiker ehrenamtlich vor allem in Afrika bei der Versorgung der Bevölkerung mit Sehhilfen. Die deutschen Gesundheitshandwerker unterstützen vor Ort bei der Ausbildung oder statten Werkstätten mit Technik aus. "Mit M-Ely können Augenoptiker Umweltschutz und soziales Engagement verbinden", betont Reinhard Müller.