Ausbildungsserie Wenn Lehrlinge in die Schuldenfalle tappen

Viele junge Menschen unterschätzen, wie schnell man in finanzielle Schwierigkeiten geraten kann. Besonders Lehrlinge werden durch Ratenkäufe und Konsumdruck leicht in die Schuldenfalle gelockt. Doch es gibt Wege, frühzeitig gegenzusteuern, erklärt Ausbildungsberater Peter Braune in seiner Ausbildungsserie.

Früh lernen, mit Geld umzugehen – bevor die Schuldenfalle zuschnappt. - © Lukasz - stock.adobe.com

Wünsche drehen sich oft um Smartphones, technische Geräte, Autos, Kleidung, Schmuck oder andere Luxusgüter. Ratenzahlungen und Käufe "auf Pump" machen es besonders leicht, teure Dinge sofort zu besitzen. Hinzu kommt der soziale Druck: In der Berufsschule oder im Freundeskreis beeinflussen Trends und Marken, was als "cool" gilt. Statussymbole spielen dabei eine große Rolle.

Zur Unwissenheit gesellt sich oft mangelnde Kenntnis über Verträge und ihre Konsequenzen. Wer die zusätzlichen Kosten und Verpflichtungen nicht überblickt, muss bald mit den Folgen leben.

Wenn die Schulden wachsen: Ein Beispiel aus der Praxis

Eine Meisterin bemerkte bei einer Auszubildenden, dass etwas nicht stimmte. Die Frau machte sich Sorgen, wollte aber zunächst nichts sagen. Statt sie sofort zur Schuldnerberatung zu schicken, suchte die Meisterin das Gespräch – behutsam und auf Augenhöhe.

Ziel war es, die finanzielle Situation gemeinsam zu durchleuchten, bevor die Lage kritisch wird.

Fragen, die helfen, den Überblick zu behalten

Folgende Fragen können helfen, Ordnung in die Finanzlage zu bringen:

  • Welche regelmäßigen, monatlichen Ausgaben stehen an?
  • Decken die Einnahmen die geplanten Ausgaben ab?
  • Reicht das restliche Geld für weitere Einkäufe?
  • Welche Verträge bestehen aktuell?
  • Was steht im Kleingedruckten und in den AGB?
  • Welche Kündigungsfristen sind zu beachten?
  • Verlängern sich Verträge automatisch, wenn sie nicht rechtzeitig gekündigt werden?
  • Welche Leistungen sind tatsächlich im Vertrag enthalten?
  • Wie kann man Kaufanreizen und Versuchungen widerstehen?
  • Lässt sich ein Teil der Einnahmen als Notgroschen zurücklegen?
  • Wie kann der Kauf auf Raten vermieden werden?
  • Wie lässt sich verhindern, das Konto zu überziehen?
  • Was sind die nächsten sinnvollen Schritte?

Bewusst mit Geld umgehen

Finanzielle Selbstverantwortung ist lernbar – und sie beginnt mit ehrlicher Bestandsaufnahme. Wer frühzeitig lernt, Einnahmen und Ausgaben im Blick zu behalten, kann sich viel Stress und Schulden ersparen. Unterstützungen bieten dabei nicht nur Schuldnerberatungen, sondern auch Gespräche mit den Eltern, im Ausbildungsbetrieb, in der Berufsschule oder im Freundeskreis.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Zum Autor: Peter Braune hat Farbenlithographie gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.