Transporter-Jubiläum 30 Jahre Sprinter: Ein Generationen-Vergleich zum Geburtstag

Mit der Transporter-Ikone von Mercedes-Benz im Zeitraffer durchs Remstal: Was das Modell der ersten Generation mit dem heutigen Sprinter eint – und was sie unterscheidet.

Mercedes-Benz Sprinter, aktuelle und erste Generation
Drei Jahrzehnte Sprinter: Im Hintergrund ein Modell der ersten Generation, vorn der aktuelle Sprinter. - © Ulrich Steudel

Im Leben eines Fahrzeugs markiert der 30. Geburtstag einen wichtigen Markstein. Mit der Qualifikation zum Oldtimer tritt der Wagen quasi ins Rentenalter ein. Und obwohl der Sprinter noch jugendlich und frisch wirkt, so erblickte die Transporter-­Ikone von Mercedes-Benz doch schon 1995 das Licht der Welt. Die DHZ hat das Jubiläum zum Anlass für eine Gegenüberstellung genommen: Wie fährt sich ein Modell der ersten Generation im Vergleich zu einem Sprinter, Baujahr 2024?

In Waiblingen warten zwei Hochdach-Sprinter mit Automatikschaltung auf einen Ausflug in die Weinberge, die das Rems­tal einrahmen. Beim Blick in die Fahrerkabine wird schnell klar, wie sich die Kommandozentrale des Transporters entwickelt hat.

Hier der massive Schalthebel in der Mittelkonsole, rechts davon eine verkabelte Halterung für ein klobiges Mobiltelefon. Das Kunststofflenkrad bleibt neben seiner eigentlichen Funktion allein dem Airbag und der Hupe vorbehalten. Dort, im aktuellen Modell, befindet sich der filigrane Schalthebel direkt am Lenkrad, das mit allerlei Bedienknöpfen gespickt ist, damit die Hände am Steuer bleiben können. Über der Mittelkonsole strahlt ein Farbdisplay diverse Informationen ins Cockpit.

Sprinter als Synonym für große Transporter

Mit dem Sprinter ist Mercedes-­Benz vor drei Jahrzehnten ein Kunststück gelungen. Der Nachfolger des T1 bestach nicht nur mit einer schnittigeren Karosserie und traktionsstarkem Heckantrieb, sondern vor allem mit seinem einpräg­samen Namen. Sprinter steht heute im Sprachgebrauch abseits der Leichtathletik für die Klasse der im Handwerk besonders beliebten 3,5-Tonner, egal aus welchem Hause sie stammen. Aber das Original gibt es nur mit dem Stern auf der Nase. Und der signalisiert ein Versprechen von hoher Qualität und stetigen Innovationen.

Mercedes-Benz T1
Der Vorgänger des Sprinters, der Mercedes-Benz T1, wurde von 1977 bis 1995 gebaut. - © Ulrich Steudel

Schon bei seiner Premiere war der Sprinter serienmäßig mit einem Anti­blockiersystem ausgestattet, auf Wunsch gab es einen Fahrer-Airbag. Was heute als Selbstverständlichkeit gilt, war damals im Transporterbereich neu. Weitere Innovationen folgten mit dem elektronischen Stabilitätsprogramm im Jahr 2022, der Start-­Stopp-Automatik 2009 und dem Seitenwind-Assistent 2013. Seit 2019 fährt der Sprinter auch elektrisch.

Beim Start im Remstal mit dem Sprinter-Urahn fällt vor allem eines auf: Hier bewegt der Fahrer ein Nutzfahrzeug. Schon beim Einstieg wird das deutlich. Sitz, Lenkrad, Be­dien­elemente, Armaturenbrett – alles ist für den gewerblichen Einsatz ausgelegt. Mit seinen Fahreigenschaften kann der Oldie aber noch gut im Straßenverkehr mithalten, auch wenn die Laufkultur des Motors und das Schaltverhalten der Automatik nicht die Ge­schmeidigkeit der dritten Sprinter-­Generation erreichen.

Arbeitsplatz für Kilometermillionäre

Nach und nach haben im Laufe der Jahre immer mehr Annehmlichkeiten in den Sprinter Einzug gehalten. Ursprünglich für den Transport von Personen, Werkzeug und Material zur Arbeitsstätte ausgelegt, ist der neue Sprinter zum Arbeitsplatz für die Kilometermillionäre der Kurierdienste mutiert, wovon auch die Handwerker profitieren. Das aktuelle Modell fährt sich wie ein Pkw. Lenkung, Haptik, Geräuschkulisse heben sich angenehm ab vom Modell der 1990er-Jahre. Und um die größeren Dimensionen des Kastenwagens kümmern sich Sensoren und Kameras. Das führt so weit, dass der aktuelle Sprinter mitbekommt, wenn jemand auf dem Fahrersitz Platz nimmt.

Wohin diese Entwicklung in den nächsten 30 Jahren führt, wäre einen Blick in die Glaskugel wert. Bislang hat der Mercedes-Benz Sprinter jedenfalls viele Fans gefunden. Mehr als fünf Millionen Exemplare wurden seit 1995 weltweit verkauft. 70 Prozent davon gingen an Wiederkäufer.