"Der Tiefpunkt der Wohnungsbaukrise liegt nun eindeutig hinter uns" – neue Zahlen zu Baugenehmigungen zeigen: Es wird wieder mehr gebaut. Doch das Baugewerbe mahnt zur Vorsicht.

Die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland steigt wieder, wie das Statistische Bundesamt für August 2025 meldet. Angetrieben wird die Entwicklung vor allem durch den Bau von Einfamilienhäusern. Doch das Handwerk warnt: Für eine echte Wende am Wohnungsmarkt reicht das noch lange nicht.
Im August genehmigten die Behörden den Bau von 19.329 Wohnungen, ein Anstieg von 5,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Laut dem Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) geht dieser Zuwachs maßgeblich auf den Einfamilienhausbau zurück, der um 18,7 Prozent auf 3.854 Einheiten zulegte. Währenddessen stagniert der für den Mietwohnungsmarkt entscheidende Mehrfamilienhausbau bei einem Plus von lediglich 0,3 Prozent.
Von Januar bis August 2025 wurden damit insgesamt rund 151.200 Wohnungen genehmigt. Das sind 6,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Trotz erster Erfolge: Handwerk fordert mehr Unterstützung
Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des ZDB, spricht von einer "Stabilisierung der Nachfrage auf niedrigem Niveau". Er erinnert daran, dass der Einfamilienhausbau bis Ende 2024 um 60 Prozent gegenüber dem Niveau von 2021 eingebrochen war. Insgesamt liege das Genehmigungsvolumen noch immer rund 100.000 Wohnungen unter dem Stand von 2021 – einem Niveau, das aber nötig sei, um jährlich über 300.000 Wohnungen fertigzustellen.
Der "Bau-Turbo" der Bundesregierung für schnellere Genehmigungen sei zwar wichtig, so Pakleppa. Doch hohe Zinsen, Bürokratie und fehlende Förderung bremsten Bauwillige weiterhin aus. Er fordert weitere Signale von der Politik: "Am wichtigsten: der Gebäudetyp E für einfacheres Bauen und eine verlässliche Zinsstütze, die auch Normalverdienern den Weg ins Eigenheim ermöglicht", sagt Pakleppa.
"Der Tiefpunkt der Wohnungsbaukrise liegt nun eindeutig hinter uns"
Der Wohnungsbau steckt seit dem Zinsanstieg und wegen hoher Kosten in einer tiefen Krise. Vergangenes Jahr wurden laut Bundesamt nur 251.900 Wohnungen fertiggestellt – so wenige wie seit 2015 nicht mehr. Das Ziel der Vorgängerregierung von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr wurde stets verfehlt.
Sebastian Dullien vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) sieht dennoch eine positive Entwicklung. "Der Tiefpunkt der Wohnungsbaukrise liegt nun eindeutig hinter uns", so der Ökonom. Für eine echte Entspannung am Wohnungsmarkt reiche die Bautätigkeit aber noch nicht aus. Statt der benötigten 320.000 Wohnungen pro Jahr würden für 2025 voraussichtlich weniger als 250.000 genehmigt. fre/dpa