Gegen Fachkräftemangel: Die Regierung will rund 167.000 Rentner mit Steuervorteilen zum Weiterarbeiten bewegen. Die Pläne haben allerdings einen Haken. Nicht jeder, der im Rentenalter weiterarbeitet, profitiert von der neuen Aktivrente.

Das Bundeskabinett hat die Aktivrente beschlossen. "Wer das gesetzliche Rentenalter erreicht und freiwillig weiterarbeitet, soll sein Gehalt künftig bis zu 2.000 Euro im Monat steuerfrei erhalten", sagte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) nach dem Kabinettsbeschluss. Die Regelung soll für sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse gelten, nicht aber für Selbstständige und Freiberufler. Diese müssen weiterhin jeden Cent versteuern. Geplanter Startpunkt ist der 1. Januar 2026.
Kein Wegfall der Sozialversicherungspflicht
Mit der Regelung soll der Arbeitskräftemangel abgemildert und das Arbeiten im Alter attraktiver werden. Dies gilt umso mehr, da die Arbeitgeber weiterhin für ihre Beschäftigten im Rentenalter Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung bezahlen. Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung werden sowohl für die Beschäftigten als auch für ihre Arbeitgeber fällig. "Die Steuerfreiheit soll auch der Stärkung der Sozialkassen dienen", heißt es im Bundesfinanzministerium.
Kosten von 890 Millionen Euro im Jahr
Wie es im Gesetzesentwurf weiter heißt, gehen dem Staat durch die geplante Aktivrente rund 890 Millionen Euro an Steuereinnahmen verloren. Dabei entfallen jeweils 378 Millionen Euro auf Bund und Länder sowie 134 Millionen Euro auf die Gemeinden.
Regierung: 167.000 Menschen könnte Aktivrente interessieren
Die Regierung geht davon aus, dass rund 25 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ab 67 Jahren noch weiterarbeiten oder wieder einsteigen wollen. Insgesamt geht sie davon aus, dass rund 167.000 Menschen von der Regelung Gebrauch machen werden. Nicht zuletzt soll so der Fachkräftemangel etwas verringert werden.
Reiche spricht von Win-win-Situation
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) begrüßte den Beschluss und sprach von einer Win-win-Situation. Zum einen sei der Fachkräftemangel im Mittelstand besonders groß und ein echtes Wachstumshemmnis. Zum anderen wollten viele ältere Arbeitnehmer länger arbeiten. Sie seien zudem erfahren und qualifiziert.
IW sieht Aktivrente skeptisch
Das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) sieht die Aktivrente skeptisch. Sie ändere nichts am Kernproblem, dass zu wenige Erwerbstätige zu viele Rentner finanzieren müssten. "Eine nachhaltige Entlastung gelingt nur, wenn Menschen tatsächlich länger im Beruf bleiben und Fehlanreize zur Frühverrentung konsequent abgebaut werden", heißt es vom IW.
Soll Teil eines Pakets werden
Die Aktivrente soll Teil eines Rentenpakets sein – unter anderem auch mit der geplanten Haltelinie beim Rentenniveau von 48 Prozent. Dieser Gesetzentwurf soll bald in den Bundestag eingebracht werden. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Dirk Wiese, zeigte sich optimistisch, dass das Rentenpaket trotz Widerstands junger Unionsabgeordneter zum Jahresanfang 2026 in Kraft treten kann.
Mit Inhalten von dpa