Mitarbeiterführung 3 Führungstrends im Handwerk: Alte Chefmuster haben ausgedient

Bei modernen Führungskräften im Handwerk sollte emotionale Bindung bisweilen Autorität ersetzen. Das geschieht auch aus Eigennutz: Denn unzufriedene Mitarbeiter schaden den Betrieben und kosten Rendite.

Moderne Führung
Moderne Führung: Gute Chefs investieren in ihre Fähigkeiten. - © Yossakorn/stock.adobe.com

Der Fachkräftemangel, veränderte Erwartungen der Belegschaft und die Digitalisierung fordern einen Wandel im Führungsstil. Wer als Chef auf alte Muster setzt, riskiert den langfristigen Erfolg des Betriebs. Doch mit zeitgemäßer Führung können Handwerkschefs ihr Team motivieren und langfristig binden. Die Deutsche Handwerks Zeitung hat Studien, Bücher und Vorträge ausgewertet und stellt vor, welche Trends für Chefs im Handwerk interessant sind.

Die Zeiten, in denen der strenge Vorgesetzte einsam durchregieren konnte, sind vorbei. Eine Umfrage des Marktforschungsinstitutes Gallup aus dem vergangenen Jahr zeigt: Nur neun Prozent der Beschäftigten sind ihrem Arbeitgeber emotional verbunden. 78 Prozent machen Dienst nach Vorschrift. "Quiet Quitting" heißt das Phänomen: Die Mitarbeiter sind da – aber nicht mehr wirklich dabei. Keine Eigenverantwortung, kein Mitdenken, kein Impuls von innen. Nur das, was gerade noch durchgeht. Für Unternehmen ist das gefährlich. Denn wer Dienst nach Vorschrift macht, sabotiert nicht das Projekt, sondern die Kultur.

Führung, die das ignoriert, zahlt doppelt: Mit Produktivität – und mit den Engagierten, die irgendwann die Lust verlieren. Es gibt jedoch Möglichkeiten, diesen Problemen vorzubeugen – und das beginnt mit der eigenen Führungsrolle.

Von der Ansage zur Zusammenarbeit

Mitarbeiter erwarten heute, dass sie Verantwortung übernehmen dürfen und aktiv eingebunden werden. Christian Conrad, Experte für Unternehmenskultur, hält fest: Niemand verlasse sein Unternehmen wegen des Gehalts – aber wegen mangelnder Wertschätzung, fehlender Entwicklungsmöglichkeiten und schlechter Führung. Moderne Führung im Handwerk sollte zunächst auf klarer Kommunikation fußen. Ziele, Erwartungen und Abläufe müssen verständlich erklärt werden. Das gibt Orientierung – und fördert Eigenverantwortung. Ohne Lob und Feedback geht nichts mehr.

Dabei haben es Handwerksbetriebe sogar leichter als andere Wirtschaftszweige wie etwa Behörden und der Öffentliche Dienst. Denn trotz aller Herausforderungen gehen viele Handwerker gerne zur Arbeit. Studien wie die Erhebung "So gesund ist das Handwerk" der IKK Classic belegen: Handwerker sind im Vergleich zu anderen Berufsgruppen überdurchschnittlich zufrieden mit ihrem Job. Dennoch müssen moderne Chefs ihren Führungsstil anpassen. Es zählen nicht mehr nur Erfahrung und Fachwissen, sondern auch "Soft Skills" und der Blick für das Team. Drei Entwicklungen sind nach Ansicht von Experten dabei besonders wichtig.

3 Entwicklungen in der Teamführung, die jeden Handwerkschef interessieren sollten

Kooperative Führung und flache Hierarchien gewinnen an Bedeutung. Immer mehr Betriebe setzen auf Teamarbeit. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, Angestellte erhalten mehr Verantwortung, auch bei der Gestaltung der Arbeitszeit. Die Folge: Das Betriebsklima verbessert sich, die emotionale Bindung wächst. Gerade jüngere Mitarbeiter wünschen sich einen Chef, der sie als Teammitglied ernst nimmt, regelmäßig Feedback gibt und Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigt.

Digitalisierung und Flexibilität prägen den Arbeitsalltag. Digitale Tools erleichtern die Organisation, von der Zeiterfassung bis zum Baustellenmanagement. Führungskräfte müssen ihre Teams für neue Technologien fit machen.

Werteorientierung und Unternehmenskultur werden wichtiger. Respekt, Teamgeist und Verlässlichkeit prägen das Arbeitsklima. Führungskräfte formen diese Kultur durch ihr Vorbild und ihre Entscheidungen.

Kosten schlechter Führung sind hoch

Für die Betriebe ist das kein Selbstzweck. Tatsächlich kann sich kein Unternehmer die Folgen schlechter Führung leisten. Gallup-Zahlen machen deutlich: Mitarbeiter ohne emotionale Bindung fehlen öfter und bringen weniger Leistung. Jeder Fehltag kostet im Schnitt 330 Euro. Hohe Fluktuation belastet die Betriebe. Jeder zweite Beschäftigte denkt über einen Jobwechsel nach. Kosten für Rekrutierung und Einarbeitung sind enorm. Mit jedem Abgang gehen Erfahrung und Kundenkontakte verloren. Gallup schätzt die volkswirtschaftlichen Kosten durch innere Kündigung für Deutschland auf bis zu 135 Milliarden Euro pro Jahr. Unternehmen, die in gute Führung investieren, profitieren also mehrfach. Sie binden Mitarbeiter langfristig, reduzieren Fehlzeiten und steigern die Produktivität.

Wer seinen Führungsstil verändern will, beginnt am besten mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme: Wo stehen Betrieb und Team? Die Coachin und Bestseller-Autorin Karin Kuschik rät dazu, sich selbst die richtigen Fragen zu stellen. Nicht umsonst lautet der Untertitel ihres neuen Buches "Wie durch kluge Selbstführung ganz nebenbei Klarheit entsteht". Sinnvoll ist es, Feedback einzuholen und gezielt Weiterbildungen zur Führungskompetenz zu nutzen. Die Handwerkskammern bieten hilfreiche Seminare an. Kleine, konsequente Veränderungen wie regelmäßige Gespräche und mehr Delegation treiben den Wandel Schritt für Schritt voran. Entscheidend ist, dass Führungskräfte offen für Feedback bleiben und gemeinsam mit dem Team eine Kultur des Vertrauens entwickeln.