Gastkommentar Warum Leseförderung die Zukunft im Handwerk sichert

Wenn Jugendliche schlechter lesen, spürt das auch das Handwerk. Lesekompetenz ist Grundlage für jede Ausbildung. Frühzeitiges Vorlesen und engagierte Betriebe können helfen, den Nachwuchs von morgen zu sichern.

Azubi Schule
Jugendliche, die schlecht lesen, tun sich auch beim Lernen schwerer - und das kann sich negativ auf ihre Ausbildung auswirken. - © auremar - stock.adobe.com

Lesen ist weit mehr als Kultur und Hobby – es ist der Schlüssel zu Bildung und einem selbstbestimmten Leben. Trotzdem kann nicht jede und jeder 15-Jährige richtig lesen und das führt zu Schwierigkeiten in allen Schulfächern.

Mangelnde Lesekompetenz gehört mit zu den wichtigsten Gründen, warum jährlich mehr als 52.000 junge Menschen die Schule ohne Abschluss verlassen. Aber auch nach der Schulzeit ist eine gute Lesekompetenz unerlässlich. Sie verbessert die Fähigkeit, Informationen zu verstehen, einzuordnen und entsprechend zu handeln.

Erfolg im Handwerk – mit guten Lesekompetenzen

Gerade im Handwerk zeigt sich, wie stark praktische Begabung und sprachliche Kompetenz zusammenhängen: Nur wer Anleitungen versteht, Fachtexte einordnen kann und sich in Kundengesprächen sicher ausdrückt, wird langfristig erfolgreich sein.

Deshalb sind Betriebe und Ausbilderinnen und Ausbilder gefordert, jungen Menschen nicht nur fachliches Können, sondern auch sprachliche Sicherheit zu vermitteln.

So können Betriebe Azubis unterstützen

Starten Auszubildende bereits mit geringer Lesekompetenz, können Betriebe auf spezifische Fördermaßnahmen zurückgreifen. Dazu gehören etwa:

  • berufsbegleitende Sprachtrainings im Rahmen der assistierten Ausbildung (AsA flex) oder
  • Module zur Leseförderung in überbetrieblichen Bildungszentren.
Mareike Bier
Autorin Mareike Bier ist PR- und Kommunikationsmanagerin bei der Stiftung Lesen. - © Stiftung Lesen/ Alexander Sell

Durch das gemeinsame Lesen von Arbeitsanweisungen, Sicherheitsvorschriften oder Montageplänen wird funktionales Lesen gefördert. Eine offene, kommunikative Betriebskultur trägt zudem wesentlich zur Verbesserung der Lesefähigkeit bei.

Wie freiwilliges Engagement im Handwerk Zukunftschancen schafft

Damit junge Menschen von Anfang an gut lesen lernen können, ist frühe Bildung unerlässlich. Eine echte Superkraft wird dabei enorm unterschätzt: Vorlesen. Kinder, die von Anfang an vorgelesen bekommen haben, entdecken die Freude an Geschichten und lernen nachweislich
leichter lesen.

Freiwilliges Engagement als betriebliche Förderung kann daher nicht nur jungen Menschen den Spaß am Lesen vermitteln und Grundkenntnisse ausbauen, es hilft gleichzeitig den Nachwuchs von morgen zu sichern. Beim regelmäßigen Vorlesen, beispielsweise in einer Kita oder Grundschule, erfahren die Vorlesenden Selbstwirksamkeit, sie übernehmen Verantwortung, wachsen über sich hinaus und entwickeln sich persönlich weiter.

Warum also nicht zum Beispiel Auszubildende dafür mobilisieren, Kindern in ihren Einrichtungen vorzulesen? Eine Gelegenheit dafür bietet der Bundesweite Vorlesetag am 21. November 2025. Die Initiative von Die Zeit, Stiftung Lesen und Deutsche Bahn Stiftung macht jedes Jahr am dritten Freitag im November auf die Bedeutung des Vorlesens aufmerksam. Um sich als Betrieb zu engagieren, bietet die Stiftung Lesen unterschiedliche, auch unterschwellige Angebote.

Lesen stärkt – auch das Handwerk

Lesekompetenz ist ein Schlüssel für Bildungserfolg und damit Voraussetzung für berufliche Perspektiven, auch für Handwerksberufe. Der Verlag Holzmann Medien, in dem die Deutsche Handwerks Zeitung erscheint, unterstützt die Stiftung Lesen und ruft zur Teilnahme am bundesweiten Vorlesetag auf.

Handwerksbetriebe können schon mit einfachen Aktionen den Nachwuchs fördern, zum Beispiel durch:

  • (Vor-)Lese-Box verschenken
  • Vorleseaktionen organisieren
  • Mitarbeiter einbinden

Weitere Ideen und Informationen zum Vorlesetag am 21. November: >> Lesekrise bei Kindern: Ihr Betrieb kann gegensteuern

Ob regelmäßiges Engagement oder punktueller Einsatz zum Bundesweiten Vorlesetag am 21. November 2025: Wo Ausbilder Lesefreude vorleben und Unterstützung bieten, profitieren nicht nur die Auszubildenden selbst, sondern letztlich auch die Betriebe.