Wenn es gelingt, nasse Moorflächen zu bewirtschaften, wäre das ein wichtiger Schritt für den Klimaschutz. Im Moor können auch Rohstoffe für Bauprodukte wachsen. Eine Allianz von Unternehmen testet sie bereits. So kann man Produkte aus Paludikultur nutzen.

Als CO2-Speicher spielen Moore eine wichtige Rolle für den Klimaschutz. Aber 94 Prozent der rund 1,8 Millionen Hektar Moorfläche in Deutschland sind trockengelegt. Was der Landwirtschaft nutzt, erzeugt enorme Treibhausgas-Emissionen, die sich durch Wiedervernässung verringern lassen. Mit der sogenannten Paludikultur soll es gelingen, Pflanzen auf nassen Moorböden zu kultivieren. Aus der Ernte könnten unter anderem nachhaltige Baustoffe gewonnen werden.
Im Donaumoos, einer ehemaligen Moorlandschaft südwestlich von Ingolstadt, wurde im Rahmen eines Pilotprojektes nachgewiesen, dass sich Sumpf-Seggen oder Rohrglanzgras zu Trockenbauplatten verarbeiten lassen. Den mit Karton beplankten und 20 Millimeter dicken Platten bescheinigte ein Prüflabor gute bautechnische Eigenschaften.
Dennoch blieb das Projekt unvollendet, weil es nicht gelang, innerhalb des einjährigen Förderzeitraums eine geeignete Maschine für die Herstellung der Trockenbauplatten fertigzustellen. "Die gewonnenen Erkenntnisse können trotzdem als Basis für den Aufbau einer ersten Produktionslinie für Moorkulturen in Deutschland gesehen werden", konstatierte der Zweckverband Donaumoos.
Wertschöpfungsketten aus Paludikultur
Auf das Potenzial von Moorpflanzen als Bau- und Dämmstoffe weist auch die Initiative "tomoorow" hin, die sich der Förderung der Paludikultur verschrieben hat. "Typische Moorpflanzen kommen gut mit Nässe klar, sind schimmelresistent und schwer entflammbar", zählt Projektleiter Björn Köcher auf. Mit dem Ziel, Wertschöpfungsketten für Produkte aus Paludikultur zu etablieren, hat "tomoorow" im vergangenen Jahr eine "Allianz der Pioniere" ins Leben gerufen, der sich bisher 14 Unternehmen angeschlossen haben. Bei Baufritz testet man zum Beispiel Paludikulturen als Füllung einer Innentür. Sto experimentiert mit Dämmstoffen.
Der Begriff Paludikultur setzt sich aus den lateinischen Wörtern "palus" für Sumpf und "cultura" für Anbau zusammen. Geprägt wurde er an der Uni Greifswald, um nasse Moore wirtschaftlich nutzbar zu machen. "Moore bedecken zwar nur drei Prozent der globalen Landfläche, speichern aber doppelt so viel Kohlenstoff wie die Biomasse aller Wälder der Erde zusammen. Allerdings nur, wenn sie nass sind. Die Wiedervernässung stellt also einen wichtigen Hebel zur Reduzierung von Treibhausgasen dar", betont die Landschaftsökologin Franziska Tanneberger, eine der führenden Moorexperten im Land.
In Deutschland befinden sich nur etwa zwei Prozent der Moore in einem naturnahen Zustand, weitere vier Prozent wurden inzwischen wiedervernässt. Der trockengelegte Rest emittiert etwa 53 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr, was rund 7 Prozent der Gesamtemissionen entspricht.
Die zwei Seiten der Moore
In Mooren haben sich abgestorbene Pflanzenreste über Jahrtausende hinweg abgelagert – und mit ihnen große Mengen an Kohlenstoff. Der hohe Wasserstand in naturnahen und intakten Mooren verschließt diese als Torf nahezu luftdicht und der Kohlenstoff bleibt gespeichert. Werden Moore aber für Äcker, Wälder und Straßen trockengelegt oder der Torf abgebaut, zersetzt sich das Material und riesige Mengen an klimaschädlichen Gasen wie CO2 entweichen in die Atmosphäre. Quelle: BUND
