Geldanlage mit Risiko Fallen Angels: Wann sich ein Investment lohnt – und wann nicht

Fallen Angels sind Aktien ehemaliger Börsenstars, die durch Krisen, Skandale oder strategische Fehler massiv an Wert verloren haben. Manche schaffen den Turnaround, andere verschwinden in der Bedeutungslosigkeit. Drei Beispiele zeigen, worauf Anleger achten sollten.

Bildschirm mit Aktien
Investitionen in sogenannte Fallen Angel-Aktien bergen Risiken. Wer auf abgestürzte Titel setzt, sollte vorher genau prüfen. - © wutzkoh - stock.adobe.com

Sie galten als Ikonen ihrer Branchen – mächtig, innovativ, profitabel. Doch dann kam der Absturz.
So wie bei…

General Electric (ISIN US3696043013)

Der Aufstieg:
Über ein Jahrhundert lang stand GE für industrielle Stärke, Innovation und Management-Exzellenz. Unter Jack Welch wurde der Konzern zum wertvollsten Unternehmen der Welt und zur Dividendenlegende.

Der Absturz:
Nach Welchs Rücktritt offenbarten sich die Probleme: eine überdimensionierte und riskante Finanzsparte (GE Capital), verpasste Trends und hohe Schulden. Die Finanzkrise traf GE hart – die Aktie stürzte ab und flog 2018 aus dem Dow Jones.

Die Wende:
GE hat sich radikal neu aufgestellt. Die Aufspaltung in drei eigenständige Bereiche (Energie, Luftfahrt, Gesundheit) zeigt Wirkung: Die Aktien performen wieder besser und schlagen teils die Vergleichsindizes.

Deutsche Bank (ISIN DE0005140008)

Der Aufstieg:
Jahrzehntelang war die Deutsche Bank eine der angesehensten und mächtigsten Banken der Welt, ein Symbol für den deutschen Finanzsektor.

Der Absturz:
Nach 2008 folgte ein Skandal-Marathon: Geldwäsche, Zinsmanipulation, Milliardenstrafen. Strategische Orientierungslosigkeit und hohe Kosten taten ihr Übriges. Die Aktie verlor über viele Jahre hinweg dramatisch an Wert.

Die Wende:
Der aktuelle CEO Christian Sewing setzt auf harte Restrukturierung. Die Aktie hat sich etwas erholt, ist aber von der alten Stärke noch weit entfernt.

Bayer (ISIN DE000BAY0017)

Der Aufstieg:
Ein weltweit führender Chemie- und Pharmakonzern mit starken Marken.

Der Absturz:
Die Übernahme von Monsanto 2018 für 63 Milliarden Dollar wurde zum Desaster. Zehntausende Klagen wegen des glyphosathaltigen Produkts "Roundup" führten zu Milliardenkosten. Die Aktie verlor rund zwei Drittel ihres Wertes.

Die Wende:
Bayer kämpft mit Klagen und Schulden. Ob und wann ein Turnaround gelingt, ist völlig offen.

Fallen Angels an der Börse: Risiko oder Renditechance?

Die Beispiele zeigen: Fallen Angel-Aktien sind faszinierend, aber extrem riskant. Wenn der Turnaround gelingt, bieten sie die verlockende Aussicht auf hohe Gewinne. In der Praxis ist es jedoch sehr schwierig, den Punkt zu erkennen, an dem der Sturz endet und die Erholung beginnt.

Die Chance:

Wenn es der Unternehmensführung gelingt, die Probleme in den Griff zu bekommen (durch Restrukturierung, Schuldenabbau, innovative neue Produkte oder eine strategische Neuausrichtung), kann der Aktienkurs stark steigen. Da der Kurs bereits sehr tief gefallen ist, bietet dies ein enormes Aufwärtspotenzial.

Das Risiko:

Für die meisten Privatanleger ist es ein gefährliches Spiel. Denn meistens geht der Niedergang weiter. Das Unternehmen kann sich nicht erholen und rutscht immer weiter ab, bis hin zur Insolvenz oder zur Übernahme zu einem Schleuderpreis. Was wie ein Schnäppchen aussieht, kann sich als Value Trap (Wertefalle) entpuppen – die Aktie ist nur scheinbar billig, weil die Fundamentaldaten sich nie wieder erholen. So wurden die beiden Mobilfunkriesen Nokia (ISIN FI0009000681) und Blackberry (ISIN CA09228F1036) vom "Neuling" Apple (ISIN US0378331005)überrollt und konnten nie wieder zu altem Glanz auferstehen.

Zum Autor: Marc Gabriel ist Kundendirektor bei der Oberbanscheidt & Cie. Vermögensverwaltungs GmbH in Kleve.