Das Handwerksunternehmen Günter Schulz aus Balgstädt im Burgenlandkreis arbeitet im Feuerfest- und Schornsteinbau sowie im Verschleißschutz für Industriekunden weltweit. Der Webshop mit 3D-Konfigurator steht aber jedem offen, der Formsteine nach individuellen Maßen bestellen will.

Wenn es heiß wird, bewahrt man bei Günter Schulz einen kühlen Kopf. Das gleichnamige Handwerksunternehmen aus Balgstädt im südlichen Sachsen-Anhalt kann mit Hitze umgehen. Als Spezialist für Feuerfest- und Schornsteinbau sorgt die Firma dafür, dass bei der Industrie der Ofen nicht ausgeht.
Die Folgen wären fatal. Fällt ein 200 Meter langer Tunnelofen aus, in dem innerhalb von 24 Stunden die Dachziegel für 60 Einfamilienhäuser gebrannt werden, kostet das zwischen 50.000 und 100.000 Euro pro Tag. An diesem Beispiel verdeutlicht Holger Schulz die große Verantwortung, die seine Mitarbeiter bei vielen Großaufträgen tragen.
Er hat das Unternehmen 2001 von seinem Vater übernommen und seither immer breiter aufgestellt. Denn wenn die Industrie wie in der aktuellen Wirtschaftsflaute nur auf Sparflamme läuft, dann bekommt man das auch im beschaulichen Unstruttal zu spüren. "Der Kampf um jeden Auftrag ist härter geworden", beschreibt Holger Schulz die Lage, die ihn aber keineswegs beunruhigt.
Webshop aufgewertet
Zehn Prozent des Gesamtumsatzes steuert inzwischen der Webshop (schuba-shop.com) bei, der vor zwei Jahren mit einem 3D-Konfigurator kräftig aufgewertet wurde. Seither können Kunden online Bauteile nach individuellen Maßen entwerfen. Die Daten werden an das Steinbearbeitungszentrum in Balgstädt übertragen. Selbst Einzelstücke können so zu günstigen Preisen gefertigt werden. Rund 50.000 Adressen stehen in der Kundenkartei. "Darunter befinden sich Universitäten, Privatkunden, aber auch Handwerksbetriebe. Mitunter kommen über den Webshop sogar Geschäftskontakte zustande, aus denen später größere Aufträge entstehen", freut sich Schulz über die positive Entwicklung.
Grundlage für diesen Erfolg waren kräftige Investitionen in den vergangenen Jahren. Das Fünf-Achs-Steinbearbeitungszentrum gilt als eines der modernsten in Deutschland. Es erlaubt nicht nur die kostengünstige Fertigung von Kleinserien oder Einzelteilen für den Webshop. In erster Linie möchte das Unternehmen den Vorfertigungsgrad für Großaufträge erhöhen. So sollen die Montagezeiten der Mitarbeiter am Einsatzort sinken.
In diesem Zuge wurde auf dem Betriebsgelände eine neue Werkhalle gebaut, in deren Untergrund sich ein gigantisches Wasserreservoir verbirgt. Die neun Behälter fassen bis zu 170.000 Liter Regenwasser, das für den wirtschaftlichen und umweltfreundlichen Betrieb des Steinbearbeitungszentrums sorgt. Denn die Maschine verbraucht rund 7.000 Liter Wasser pro Stunde. Das innovative Regenwasserauffangsystem erhielt 2022 den Preis der Umweltallianz Sachsen-Anhalt.
Mit Schornsteinbau nach Westen expandiert
Gegründet wurde das Unternehmen von Günter Schulz 1989 mit zwei Mitarbeitern. Ein halbes Jahr später fiel die Mauer, und der auf keramischen Ofenbau für Kraftwerke und Ziegeleien spezialisierte Betrieb musste sich neu orientieren. Mit Verklinkerungen für eine Möbelhauskette kam das Geschäft in Schwung. Allmählich wuchs die Belegschaft. 1998 konnte Schulz eine Schornsteinbaufirma in Weiden übernehmen mit Kontakten zu den Porzellanherstellern in der Oberpfalz. "Viele westdeutsche Firmen sind damals in den Osten gegangen. Wir haben nach Westen expandiert", betont Holger Schulz, der seit 1991 im Unternehmen arbeitet.
Wie sein Vater hat er vor dem Studium eine Lehre als Feuerungs- und Schornsteinbauer abgeschlossen. Ein Beruf, der bei Schulz bis heute ausgebildet wird. Im ersten Lehrjahr werden die Azubis zusammen mit den Maurern im Bildungszentrum Halle-Osendorf unterrichtet. Danach müssen sie nach Gelsenkirchen wechseln, wo sich die einzige Berufsschule für Feuerungs- und Schornsteinbauer in Deutschland befindet.
Von den rund 50 Beschäftigten bei der Günter Schulz GmbH & Co. KG, unter ihnen sechs Lehrlinge, arbeiten 40 im gewerblichen Bereich – Schornsteinbauer, Maurer, Schlosser und Stahlbauer, viele hochqualifiziert. Sechs Mitarbeiter sind als Drohnenpiloten zertifiziert, die mit Spezialdrohnen und KI-gestützter Software Industrieschornsteine überwachen und Schäden dokumentieren. Zwölf Höhenretter können Wartungsarbeiten an den bis zu 180 Meter hohen Schornsteinen der Glasindustrie übernehmen. Ihre Ausbildung erfolgt am firmeneigenen Rettungsmast auf dem Betriebsgelände in Balgstädt.
Breites Portfolio an Produkten und Dienstleistungen
Wenn Holger Schulz das Portfolio seines Unternehmens umschreiben soll, braucht er einen langen Atem, so breitgefächert ist das Spektrum an Produkten und Dienstleistungen. Es reicht vom einzelnen Schamottstein für den privaten Kachelofen bis hin zum Ausmauern eines Tiefkammer-Ringofens der Stahlindustrie, so groß wie ein Fußballfeld. 3.000 Tonnen besonders feuerfeste Ziegel haben die Mitarbeiter für dieses Referenzobjekt in Österreich in einem Dreivierteljahr verbaut.

In der Sparte Verschleißschutz werden zum Beispiel Kugelmühlen der Glas- und Porzellanindustrie mit hochfesten Silex-Natursteinen oder mit Aluminiumoxid ausgekleidet, um die Mahltrommeln vor Abrieb zu schützen. Aufträge führen die Monteure in die ganze Welt, von Vietnam über Saudi-Arabien bis in die Vereinigten Staaten.
Und manchmal entsteht bei den Arbeiten der Feuerungs- und Schornsteinbauer sogar ein Kunstwerk wie der Lehrschornstein für die Kaminfegerausbildung in München. Gebaut nach einem Entwurf der Berliner Künstlerin Karin Sander, kündet der spiralförmig gemauerte Schornstein auf dem Dach des Berufsschulzentrums an der Luisenstraße von der Kreativität und Qualität handwerklichen Könnens.

