Die Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen in Deutschland sind verunsichert. Sie kommen aktuell immer schwieriger an Kredite. Die Banken sind restriktiver, denn die Geschäfte der kleinen Betriebe laufen nicht gut. Der Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex rutscht im September 2025 deutlich ab.

Ganz unerwartet kommt der Einbruch zwar nicht, dennoch hatten die Wirtschaftsforscher des Münchner ifo Instituts in den vergangenen Monaten noch etwas Hoffnung, dass sich eine wirtschaftliche Erholung einstellt. Nun sprechen sie von einem "deutlichen Dämpfer", den insbesondere die Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen aktuell hinnehmen müssen.
Der Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex, den das Institut im Auftrag des Internetdienstleisters Jimdo herausgibt, zeigt im September 2025 sinkende Werte – und das sowohl, was die aktuelle Geschäftslage, die Erwartungen als auch weitere Faktoren betrifft, die über die wirtschaftliche Sicherheit mitbestimmen.
Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex: Lageeinschätzung sinkt um 5,9 Punkte
Der Index fragt monatlich bei Betrieben mit weniger als neun Mitarbeitern unter anderem ab, wie sie die aktuelle Lage einschätzen und wie sie sich ihrer Einschätzung nach in naher Zukunft verändern wird. Daraus setzt sich das Geschäftsklima der Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen in Deutschland zusammen. Und das hat sich im September merklich verschlechtert, von minus 13,8 auf minus 19,8 Punkte.
Damit bewerten die Selbstständigen sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch ihre Erwartungen spürbar negativer als im Vormonat: Die Lageeinschätzung sank um 5,9 Punkte auf minus 15,1, die Erwartungen gingen um 6,0 Punkte zurück und liegen nun bei minus 24,3. Im Vergleich dazu sank das Geschäftsklima in der Gesamtwirtschaft nicht ganz so stark ab – von minus 5,7 auf minus 8,3 Saldenpunkte.

Diese Entwicklung lässt Matthias Henze, CEO und Mitgründer von Jimdo, von einer "alarmierenden Entwicklung" sprechen. Er weist zudem auf eine Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) hin, die zeige, dass die Selbstständigen derzeit strukturelle Probleme haben. Demnach werde die Zahl der Selbstständigen 2025 auf rund 3,66 Millionen und 2026 auf 3,62 Millionen zurückgehen. Das sei dann der niedrigste Stand seit 1992. "Und dennoch bleibt der politische Handlungswille bislang aus. Dabei wird übersehen, dass Selbstständige ein zentraler Teil des dringend nötigen Aufschwungs sind und eine tragende Säule wirtschaftlicher Resilienz", teilt Henze im Zusammenhang mit den aktuellen Geschäftsklimawerten mit.
Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex zeigt, dass der Zugang zu Krediten schwieriger wird

Ähnlich mahnende Worte findet der Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e. V. (VGSD), der den Index kommentiert. Auch er sieht dringenden Handlungsbedarf – und das ganz aktuell vor allem bei der Aktivrente und der Haltung der Bundesregierung dazu, die die Stimmung der Selbstständigen mitbestimmt. "Bleibt es dabei, dass angestellte Rentner ab nächstem Jahr 2.000 Euro pro Monat steuerfrei dazuverdienen können, selbstständige Rentner aber die vollen Steuern bezahlen müssen, wäre das ein verheerendes Signal – und würde den Rückgang der Selbstständigkeit in Deutschland weiter beschleunigen", so Andreas Lutz, Vorstandsvorsitzender des VGSD.
Denn ein Problem der Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen ist derzeit auch, dass die finanziellen Probleme zunehmen und dabei vor allem der Zugang zu Krediten schwieriger wird. So hat der Anteil derjenigen, die aktuell Kreditverhandlungen führen im September 2025 von 9,6 Prozent auf 10,8 Prozent zugenommen. Von den befragten Betrieben bewerteten 45,1 Prozent die Kreditvergabe als restriktiv – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem zweiten Quartal, in dem dieser Wert bei 34,9 Prozent lag. jtw
