Ausbildungsserie Geringe Aufmerksamkeitsspanne bei Azubis: Was hilft?

Immer mehr Jugendliche haben Schwierigkeiten, sich über längere Zeit zu konzentrieren. Im Ausbildungsalltag kann das schnell zum Problem werden. Anhand eines Fallbeispiels erläutert Ausbildungsberater Peter Braune, wie Ausbilder ihre Azubis gezielt unterstützen und Konzentration fördern können.

Unterweisungssituation
Die Aufmerksamkeitsspanne junger Auszubildender ist ein entscheidender Faktor, auf den Ausbilder besonders achten sollten, um erfolgreich zu fördern. - © auremar - stock.adobe.com

Jungen Menschen fällt es zunehmend schwer, sich länger auf eine Sache zu fokussieren. Das fällt auch einem Meister in einer Schreinerei auf, dessen 19-jähriger Lehrling immer häufiger unaufmerksam wirkt. Der Ausbilder beobachtet, dass sich der junge Mann bei Aufgaben oder Unterweisungen nur noch schwer über einen längeren Zeitraum konzentrieren kann.

Der Meister ist der Auffassung, dass Menschen ohne ausreichende Aufmerksamkeit Informationen nicht richtig aufnehmen. Aufmerksamkeit bedeutet für ihn, Wichtiges in den Mittelpunkt zu stellen und Unnötiges auszublenden. Und sie ermöglicht es, gezielt zu handeln und zu reagieren. Im Betriebsalltag kann ein fehlendes Aufmerksamkeitsvermögen schnell zum Problem werden, wenn ein Azubi etwa Arbeitsabläufe oder Sicherheitsvorschriften nicht ausreichend beachtet.

Hintergründe verstehen und richtig einschätzen

Der Meister spricht über seine Beobachtungen mit einem Gesellen. Dieser bestätigt, der Lehrling schweife in letzter Zeit öfter ab und wirke geistig abwesend. Belegen könne er das durch die regelmäßigen Lernerfolgskontrollen im Betrieb, deren Ergebnisse sich zuletzt verschlechtert hätten. Der Geselle meint außerdem, der Lehrling stehe unter einer gewissen Belastung, die den Leistungsabfall mit erklären könnte.

In einem ruhigen Gespräch versucht der Meister, die Ursachen für die Unaufmerksamkeit zu ergründen und seinen Lehrling zu unterstützen. Er spricht den Hinweis des Gesellen behutsam an und fragt den Lehrling, ob ihn etwas belastet.

Azubis Tipps für zu Hause an die Hand geben

Im weiteren Verlauf des Gesprächs gibt er dem Lehrling Gewohnheiten an die Hand, die die Konzentration verbessern können. Zum Beispiel:

  • ausreichend schlafen,
  • sich gesund ernähren,
  • genug Wasser trinken,
  • sich sportlich bewegen,
  • Spaziergänge machen und
  • Ablenkungen vermeiden.

Wie die Aufmerksamkeit im Betrieb gefördert werden kann

Dazu prüft der Ausbilder systematisch verschiedene Bereiche. Zuerst die Arbeitsumgebung: Dann die Schließlich die persönliche und berufliche Entwicklung: Welche Stärken hat er und welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es, um sein Interesse zu wecken?

Darüber hinaus will der Meister im Betrieb prüfen, wie sich die Bedingungen vor Ort verbessern lassen. Dazu prüft er systematisch verschiedene Bereiche.

  1. Arbeitsumgebung: Ist der Ausbildungsplatz richtig beleuchtet und ergonomisch eingerichtet?  
  2. Soziale Einbindung: Wird der Einsatz des Lehrlings wertgeschätzt und seine Meinung gehört?
  3. Persönliche und berufliche Entwicklung: Welche Stärken hat der Lehrling und welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es, um sein Interesse zu wecken?

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Zum Autor: Peter Braune hat Farbenlithographie gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.