Ausgerechnet im Hoffnungsmarkt der erneuerbaren Energien schrumpfen die Umsätze. Warum die Betriebe trotz voller Auftragsbücher pessimistisch in die Zukunft blicken – und was das für den Arbeitsmarkt bedeutet.

Die Betriebe im Elektrohandwerk bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als stabil, blicken aber zunehmend sorgenvoll in die Zukunft. Das ist das zentrale Ergebnis der Herbst-Konjunkturumfrage des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH), an der 1.562 Betriebe teilnahmen. Die allgemeine wirtschaftliche Flaute drückt auf die Stimmung der Branche.
Stabile Lage mit ersten Rissen
Die aktuelle Geschäftslage hat sich laut der Umfrage sogar leicht verbessert. Der Geschäftsklimaindex stieg um 1,8 auf 68,8 Punkte. 47,5 Prozent der Betriebe bezeichnen ihre Situation als "gut" (Frühjahr 2025: 46,8 Prozent), während nur noch 10,0 Prozent sie als "schlecht" einstufen (Frühjahr 2025: 12,8 Prozent).
Allerdings gibt es erste Warnzeichen. Bei 26,5 Prozent der befragten Unternehmen sind die Umsätze mit handwerklichen Leistungen gesunken, im Frühjahr waren es noch 23,4 Prozent. Der durchschnittliche Auftragsvorlauf ging ebenfalls leicht zurück, von 13,0 auf 12,3 Wochen. Gestiegen sind hingegen die Umsatzanteile im Neubau und in der Sanierung, die zusammen 33,4 Prozent ausmachen.
Pessimismus für die kommenden Monate
Mit Blick auf die nächsten sechs Monate überwiegt der Pessimismus. Nur 14,4 Prozent der Betriebe erwarten eine Verbesserung ihrer Geschäftslage. Demgegenüber gehen 21,9 Prozent von einer Verschlechterung aus. Die große Mehrheit von 63,7 Prozent rechnet mit einer gleichbleibenden Situation.
"Ein halbes Jahr nach den vorgezogenen Bundestagswahlen treten wir wirtschaftlich nicht nur in den E-Handwerken weiter auf der Stelle", so ZVEH-Hauptgeschäftsführer Alexander Neuhäuser. Ein Grund zum Aufatmen sei das aber nicht, "denn die Branche macht sich Sorgen, dass diese Robustheit durch die aktuelle Wirtschafts- und Energiepolitik langsam aufgezehrt wird."
Rückgänge bei Erneuerbaren Energien
Die Umfrage zeigt, dass die Umsatzanteile in wichtigen Zukunftsmärkten sinken. Im Bereich der erneuerbaren Energien ging der Anteil zum zweiten Mal in Folge zurück, von 7,8 auf 7,3 Prozent. Besonders betroffen sind Photovoltaik-Anlagen und Speicher (Rückgang von 6,8 auf 6,5 Prozent) sowie das Geschäftsfeld Smart Home (Rückgang von 4,1 auf 3,6 Prozent).
Leichte Zuwächse verzeichnen hingegen die Bereiche E-Mobilität (Anstieg von 3,5 auf 3,8 Prozent) und Wärmepumpen (Anstieg von 3,1 auf 3,4 Prozent). "Die Rückgänge im Bereich der Erneuerbaren Energien zeigen, dass sich die durch die Politik verursachte Verunsicherung der Verbraucher bezüglich der Energiewende mittlerweile auf unsere Betriebe auswirkt", erklärt Neuhäuser. Er warnt: "Wird nicht entschlossen gegengesteuert, sondern die Energiewende weiter ausgebremst, werden die E-Handwerke das noch stärker zu spüren bekommen und ein wichtiger Wirtschaftsimpuls abgewürgt."
Betriebe zögern bei Neueinstellungen
Die Unsicherheit wirkt sich auch auf den Arbeitsmarkt aus. Zwar haben mit 46,5 Prozent immer noch fast die Hälfte der Betriebe offene Stellen, doch der Anteil ist rückläufig. Im Frühjahr 2025 lag er noch bei 50,8 Prozent.
"Die e-handwerklichen Betriebe werden zurückhaltender, was die Einstellung neuer Mitarbeiter angeht", so Neuhäuser. "Das liegt auch an der Unsicherheit in puncto zukünftige Entwicklung." Dennoch mahnt er, in der Krise nicht die Qualifizierung aus den Augen zu verlieren: "Wir müssen dringend den Aufbau von hoch qualifiziertem Fachpersonal im Auge behalten, wenn wir nicht in einer wieder anziehenden Konjunktur an Wachstumsgrenzen stoßen wollen." fre