Soyer Bolzenschweißtechnik Was Geldautomaten und Mercedes-Sterne gemeinsam haben

Die Firma Soyer Bolzenschweißtechnik stellt ein unsichtbares Produkt in einem hart umkämpften Markt her. Dank Qualität und Innovation hat sich der Handwerksbetrieb weltweit einen Namen gemacht. Doch die Rahmenbedingungen werden härter.

Heinz Soyer Senior und Heinz Soyer in der Produktion
Der ältere Heinz Soyer (links) hat den Betrieb vor 55 Jahren gegründet. Zusammen mit seinem Sohn, ebenfalls Heinz Soyer, leitet er das Unternehmen und sucht auch mit 85 Jahren noch ständig nach Verbesserungsmöglichkeiten. Fotos: Barbara Oberst - © Barbara Oberst

Was haben das Bedienfeld eines Geldautomaten, ein Badewannenstöpsel und ein Mercedesstern gemeinsam? Heinz Soyer legt drei metallene Gegenstände auf den Tisch. "Früher hat man da ein Loch gebohrt und verschraubt. Jetzt schweißt man hinten was drauf und befestigt es von innen. Die dekorative Vorderseite bleibt unbeschädigt", erläutert Soyer. An Küchengeräten, im Bad, am Auto, ständig begegnet dem Laien Bolzenschweißtechnik.

"In Millisekunden für immer verbunden" – mit diesem Slogan bewirbt die Heinz Soyer GmbH ihre Produkte. Seit mittlerweile 55 Jahren hat sie sich auf die Nische der blitzschnellen Bolzenschweißtechnik spezialisiert. Wenige Kilometer vom oberbayerischen Wörthsee entfernt, stellt das Familienunternehmen alles her, was Metallverarbeiter zum Bolzenschweißen benötigen: Bolzenschweißgeräte, die beim tragbaren Kleingerät beginnen und bis zur vollautomatischen CNC-Maschine reichen; die dekorative Oberflächen mit der dahinter liegenden Technik verbinden oder die massive Verbindungen für die Ewigkeit sichern, im Hoch-, Tief-, Brücken- und Schiffsbau beispielsweise. Ebenfalls im Portfolio ist das Zubehör, von Schweißpistolen über Schweißköpfe bis zu Schweißbolzen.

Gründung aus der Garage

Unternehmensgründer Heinz Soyer ist mittlerweile 85 Jahre alt. Der gelernte Industriekaufmann und Maschinenbauer hatte als junger Mann in einer Münchner Schweißfabrik gearbeitet, später den Vertrieb für eine Schweißfirma aufgebaut. Deren Kunden klagten, dass die Bolzen nicht hielten, auch die Geräte waren viel zu groß. "Mir wurde klar, dass wir bessere Schweißgeräte brauchen."

Gemeinsam mit einem Techniker tüftelte er an einer handlichen und zuverlässigen Lösung und machte sich damit selbstständig, erst in einer Garage in Planegg bei München, später im eigenen Betriebsgebäude am Wörthsee. Mittlerweile umfasst das Areal vier große Hallen. Der drahtige Senior ist jeden Tag vor Ort, von Müdigkeit keine Spur. "Für mich ist das Lebensinhalt, nicht Lebensunterhalt", stellt er klar.

Familiennachfolge mit Unwägbarkeiten

Er teilt sich die Geschäftsführung mit seinem Sohn, der ebenfalls Heinz Soyer heißt und der mit seinen 64 Jahren kaum mehr Junior genannt werden kann. Der gelernte Elektrotechnikmeister ist Vater des eigentlichen Juniors, Florian Soyer. Doch der hat sich eine Bedenkzeit erbeten, ob er in die Unternehmensnachfolge einsteigt. Die drei Generationen müssen sich auf eine gemeinsame Vorstellung von Unternehmensführung einigen. "Auch bei uns menschelt es. Aber das wird schon wieder", hofft Heinz Soyer der Mittlere auf einen gelungenen Generationenübergang.

Einstweilen gibt es genügend andere Themen, mit denen sich der Betrieb beschäftigen muss. "Bolzenschweißen ist ein sehr umkämpfter Markt, man muss sich behaupten", erklärt der mittlere Soyer. Mit seinen rund 75 Mitarbeitern zählt der Familienbetrieb zu den größten der Branche weltweit. Allein in Deutschland hat er 12.000 aktive Kunden, vom Handwerksunternehmen bis zur Großindustrie. Manche kaufen nur Bolzen für 100 Euro im Jahr, dennoch sind sie wichtig im Kundenportfolio des international agierenden Handwerksbetriebs. "Wir können existieren, weil wir so breit aufgestellt sind und die gesamte Wertschöpfungskette bei uns behalten haben", ist der jüngere Heinz Soyer überzeugt.

Ganz eigene Schwierigkeiten am internationalen Markt

Die aktuelle Wirtschaftslage be­kommt der Betrieb allerdings deutlich zu spüren. "Viele Unternehmen produzieren nicht mehr in Deutschland oder sie kaufen Billigware aus Fernost." Umso bedeutsamer ist das Auslandsgeschäft, über 50 Prozent des Umsatzes. "Der Planet ist groß genug, um einen Handwerksbetrieb zu ernähren. Aber man darf dafür nicht zu Hause sitzen und Däumchen drehen", sagt Soyer Senior.

Das ist leichter gesagt als getan. In 45 Ländern hat Soyer Vertriebspartner, doch nicht alle sind engagiert, manche noch nicht einmal loyal. "Wir müssten sie intensiv betreuen, doch dafür fehlen uns reisewillige Mitarbeiter", erklärt der jüngere Soyer. Kaum jemand sei mehr bereit, für mehrere Wochen unterwegs zu sein. "Wir haben schon erlebt, dass unsere Händler Billigware in unseren Tüten verpackt und als Soyer-Bolzen verkauft haben. Die Kunden beschweren sich dann, dass Soyer-Bolzen nicht halten", ärgert er sich.

Qualität wichtiger Erfolgsfaktor für Soyer

Heinz Soyer kontrolliert eine Platte voller Testschweißungen. Auch mit roher Gewalt per Hammer oder Zange lassen sich die Bolzen höchstens ­verbiegen, nicht aber von der Unterlage trennen.
Heinz Soyer kontrolliert eine Platte voller Testschweißungen. Auch mit roher Gewalt per Hammer oder Zange lassen sich die Bolzen höchstens ­verbiegen, nicht aber von der Unterlage trennen. - © Barbara Oberst

Qualität ist das zentrale Anliegen des Unternehmens. Soyer hat den Anspruch, der Beste am Markt zu sein. Die Rohstoffe stammen aus Deutschland und Europa, ihre chemische Zusammensetzung muss exakte Vorgaben erfüllen, im hauseigenen Labor wird das überprüft. Nur kohlenstoffarmer und gleichzeitig hochfester Draht liefert die Bolzenqualität, die Soyers ihren Kunden versprechen: unlösbare Verbindungen.

In der Produktion zeigt der jüngere Heinz Soyer, was das bedeutet. Er greift zur Schweißpistole, setzt einen Bolzen ein, hält ihn aufs Blech, ein kurzes Auffunken, fertig. Kraftvoll traktiert Soyer dann den eben verschweißten Bolzen mit einer Zange: "Fest, den kriegen Sie von der Schweißnaht nicht mehr weg", nickt er zufrieden.

Handwerk und Forschung

Im Handwerk habe man es immer so gemacht, mit der Zange oder dem Hammer überprüft, ob der Bolzen hält. Heute analysiert der Betrieb aber sehr viel genauer, wie sich die Qualität beim Bolzenschweißen noch verbessern lässt. "In den Millisekunden des Schweißprozesses passiert unheimlich viel und dabei geht es um halten oder nicht halten", erklärt Soyer. Je besser man diesen Prozess beherrsche, desto besser werde auch die Schweißqualität. Ein Mitarbeiter erforscht derzeit für seine Promotion, wie man den Lichtbogen beim Schweißen mittels Magneten exakt steuern kann. "Hochbegabt und hochbetagt", scherzt sein 85-jähriger Chef über dieses Miteinander von Tradition und Wissenschaft.

Die daraus resultierenden Erfindungen und Innovationen sind Markenzeichen des Betriebs. Er hat dafür bereits 14 Bundesinnovationspreise, fünf Bayerische Staatspreise und den Seifriz-Preis für die Zusammenarbeit von Handwerk und Wissenschaft erhalten. Die meisten Ideen entstünden aus Kundenwünschen. "Kunden sind bei uns immer auch Konstrukteur", sagt der jüngere Soyer und erinnert sich an die Rückenschmerzen eines Kunden – Ausgangspunkt dafür, dass Soyers schwere Transformatoren mittels Halbleiter und Invertertechnologie ersetzten.

Schöpferische Unruhe eines 85-jährigen Chefs

Bis heute spielt der rührige Seniorchef dabei eine wichtige Rolle: "Ich strahle sicherlich eine große Unruhe aus, aber das ist eine schöpferische Unruhe, wo man jeden Tag hinterfragt, was man besser machen kann", gibt er zu. Für ihn sei Erfolg immer eine Vergangenheitsgröße, am nächsten Tag müsse es wieder bei null losgehen, um weiter voranzukommen. Dafür beschäftigt das Haus Entwickler, bleibt ständig am Ball – und wird gerne und oft von anderen kopiert, berichtet der Seniorchef mit gewissem Stolz: "Ich freue mich immer, wenn unsere Ideen geklaut werden. Gute Ideen erkennt man daran, dass sie geklaut werden."