Ausbildungsserie Fallen für Ausbilder: Fehler bei der Lehrlingsunterweisung

Bei der Unterweisung von Auszubildenden lauern viele Fehlerquellen, die den Ausbildungserfolg gefährden. Oft passieren sie unbemerkt im hektischen Betriebsalltag. Welche typischen Stolpersteine Ausbilder kennen und vermeiden sollten.

Ausbilder mit weißen Haaren leitet Jugendlichen in Zimmerei an
Bei der Unterweisung von Auszubildenden lauern viele Fehlerquellen, die den Ausbildungserfolg gefährden. Oft passieren sie unbemerkt im hektischen Betriebsalltag. Welche typischen Stolpersteine Ausbilder kennen und vermeiden sollten. - © auremar - stock.adobe.com

Um Kenntnisse und Fertigkeiten aus dem betrieblichen Ausbildungsplan zu vermitteln, werden die Lehrlinge regelmäßig unterwiesen. Hierbei lauern auch auf Ausbilderseite Fehlerquellen, die den Ausbildungserfolg gefährden können. Um Lerninhalte effektiv und praxisorientiert zu vermitteln werden in der Ausbildungsmethodik mehrere Prinzipien angewandt (Aktivierung, Anschaulichkeit, Praxisnähe, Erfolgssicherung und sachliche Richtigkeit).

Und damit die Lehrlinge die einzelnen Stufen ihrer Entwicklung beschreiten können, stehen den Ausbilderinnen und Ausbildern verschiedene Methoden zur Verfügung.

Zu den wichtigsten Methoden zählen:

  • Vier-Stufen-Methode
  • Lehrgespräch
  • Leittextmethode
  • Lern- und Arbeitsauftrag
  • Rollenspiel
  • Projektmethode
  • Fallstudie
  • Moderationsmethode
  • Demonstrationsmethode
  • Diskussionsmethode
  • Vortrag
  • Planspiel
  • Einzelarbeit
  • Juniorfirma 

Ausbilder sollen bei groben Fehlern oder Gefahren sofort eingreifen und die richtige Ausführung loben. Das Erreichen von Lernzielen soll durch Lernerfolgskontrollen überwacht werden. Der Ausbilder muss damit sicherstellen, dass das Lernziel erreicht wurde, bevor zum nächsten übergegangen wird.

Fehlende Vorbereitung als Hauptproblem

Bei den Unterweisungen können verschiedene Fehler auftreten. Sie verringern den Lernerfolg und damit insgesamt das Erreichen des Ausbildungsziels. Fehler können im Laufe der Vorbereitung, bei der Durchführung oder Nachbereitung auftreten.     

Ein zentraler Fehler liegt häufig im Vorfeld der Unterweisung. Das Ausbildungspersonal plant nicht sorgfältig die Unterweisungen oder bereitet sie nicht fachgerecht vor. Stattdessen finden Unterweisungen "eben mal so zwischendurch" statt – nicht in einer ruhigen Umgebung und ohne ausreichend Zeit.

Besonders problematisch ist die Nichtbeachtung des betrieblichen Ausbildungsplans. Dieser werde oft zwar ordentlich in einem Ordner abgeheftet, kommt dann aber nicht zum Einsatz. Ohne die geplanten Feinlernziele ist es schwierig, den Erfolg der Unterweisungen mit Lernerfolgskontrollen zu messen. Lückenhafte oder nicht am betrieblichen Ausbildungsplan ausgerichtete Ausbildungsverläufe können schwerwiegende rechtliche Folgen haben.

Weitere Vorbereitungsfehler betreffen die Wahl des richtigen Lernorts und Zeitpunkts. Beide Faktoren beeinflussen die Aufmerksamkeit der Lehrlinge erheblich. Korrekt wählt der Ausbilder beide Aspekte im Zusammenhang mit dem Schwierigkeitsgrad der Berufsbildposition, dem Feinlernziel und dem Ausbildungsstand der Lehrlinge aus.

Methodenspezifische Herausforderungen

Die Vier-Stufen-Methode eignet sich gut, wenn das nötige Vorwissen vorhanden ist und es sich um praktische Lerninhalte handelt. Probleme entstehen, wenn diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind oder die Methode falsch angewendet wird.

Bei der Leittextmethode entstehen Beeinträchtigungen durch den Aufwand für die Vorbereitung oder mangelnde Qualifikation des Ausbilders beim Erstellen der Leittexte. Schwächere Lehrlinge, mangelhafte Deutschkenntnisse oder fehlende Selbstständigkeit im Umgang mit selbstständigem Lernen können zur Überforderung führen.

Lernecken, in die sich Lehrlinge zum selbstständigen Üben von Arbeitsabläufen oder zur theoretischen Wissensaneignung zurückziehen können, sind ähnlich wie die Arbeitsplätze eingerichtet und haben wenige Plätze. Ihre Wirksamkeit hängt von der korrekten Einrichtung und Nutzung ab.

Das Ausbildungspersonal übt Lehrgespräche, Fachgespräche und Vorträge meist nicht, weshalb Dauer und Aufbau oft unklar bleiben. Zudem wird nicht festgelegt, welche Informationen notwendig sind und wie diese am Ende zusammengefasst werden sollen.Die Lehrlinge werden nicht durch offene Fragen an der Stofferarbeitung beteiligt, und voraussichtliche Fragen können nicht beantwortet werden.

Durchführungsfehler beeinträchtigen Lernerfolg

Langweilige oder schlecht vorbereitete Unterweisungen beeinträchtigen das Erreichen von Berufsbildpositionen und Feinlernzielen. Das gilt auch für zu lange oder kurze Unterweisungen, weil die Informationen nicht richtig aufgenommen werden. Zu viel Theorie kann dazu führen, dass Kenntnisse nicht in der betrieblichen Praxis einsetzbar sind.

Ein weiterer kritischer Punkt: Am Anfang einer Unterweisung wird das Ziel nicht genannt und beschrieben. So ist es am Ende nicht kontrollierbar, und die Lehrlinge werden weniger motiviert. Zusätzlich werden keine Rückmeldungen zugelassen, Fragen sind nicht möglich. Beides wäre wichtig für das Verständnis der Lerninhalte und damit für den Erfolg der gesamten Ausbildungszeit.

Unklare oder zu umfangreiche Feinlernziele sowie eine Über- oder Unterforderung der Lehrlinge schmälern häufig den Methodenerfolg. Der Lernerfolg kann auch beeinträchtigt werden, wenn sich ein Ausbilder zu sehr in den Vordergrund drängt, also dem Lehrling kaum Luft für eigene Gedanken und Fragen lässt. In Lerngruppen kann es zu Problemen kommen, wenn bei Bedarf keine Unterstützung durch erfahrene Kräfte verfügbar ist.

Werden die genannten Fehler vermieden, tragen Ausbilder entscheidend dazu bei, dass die Lehrlinge mit dem richtigen Maß an Vorwissen, Verständnis und Motivation an die Aufgaben herangehen und sich der Lernerfolg einstellt.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Zum Autor: Peter Braune hat Farbenlithographie gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.