ZDF-Doku Sie steht für eine Reihe weiblicher Vorbilder auf dem Bau

Die Stuckateurin Lara Soyez ist Teil der neuen ZDF-Serie "Frauen bauen! Als Handwerkerin auf der Baustelle". In der Doku ist zu sehen, wie sie ihre erste eigene Baustelle leitet, neue Azubis unterweist und unvorhersehbare Herausforderungen meistert.

Lara Soyez beim Filmdreh
Lara Soyez ist im elterlichen Betrieb für die Ausbildung zuständig. Das Filmteam begleitete sie bei der Unterweisung des Auszubildenden Noah Kalis, mit dem sie das Stuckziehen übte. - © Natascha Lieber

Jeder Tag auf einer Baustelle bringt eine neue Herausforderung mit sich – besonders für Frauen in der nach wie vor männerdominierten Baubranche. Sie müssen ihr Können oftmals immer wieder unter Beweis stellen. Lara Soyez hat damit kein Problem. "Wenn ich in Alltagskleidung zu einer Besprechung auf eine Baustelle komme, halten mich Mitarbeiter von anderen Firmen gerne mal für die Bauherrin", sagt sie lachend. Ein Missverständnis, das die 26-Jährige meist schnell aufklären kann. Mit Fachwissen und Selbstbewusstsein. Ideale Voraussetzungen, um bei der neuen ZDF-Serie "Frauen bauen! Als Handwerkerin auf der Baustelle" mitzuwirken.

Handwerkskammer als Vermittler

"Eine Produktionsfirma hat sich auf der Suche nach starken weiblichen Vorbildern im Handwerk an die Handwerkskammern gewandt", berichtet Jérôme Umminger, Leiter der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Handwerkskammer Heilbronn-Franken. "Uns fiel sofort Lara Soyez ein." Die war von der Idee begeistert, musste das ZDF jedoch erst noch von sich überzeugen. Der Sender verlangte Fotos und Videomaterial, später folgte ein Interview. Der Aufwand hat sich gelohnt: Die Zusage kam, und ein Kamerateam begleitete Lara Soyez an vier Drehtagen in ihrem Betrieb und auf einer Baustelle.

In der Doku ist zu sehen, wie Soyez ihre erste eigene Baustelle leitet und unvorhersehbare Herausforderungen meistert. Außerdem wurde sie bei einer Unterweisung in der Azubiwerkstatt begleitet. Ruhig und souverän zeigt sie dem Auszubildenden Noah Kalis, wie man Stuck zieht und gibt ihm Feedback zu seiner Arbeit. "In der Ausbildung junger Menschen steckt mein ganzes Herzblut", sagt die junge Ausbildungsleiterin.

Lehre statt Studium

Vor fünf Jahren sah das allerdings noch anders aus. Lara liebt Tiere – besonders Hunde und Pferde – und wollte ursprünglich Tierärztin werden. In Budapest begann sie ein Studium, stellte aber nach einem Jahr fest, dass das nicht ihr Ding ist. Eine neue Perspektive fand sie schnell – direkt vor ihrer Haustür.

Lara Soyez ist in Ilsfeld neben dem elterlichen Betrieb aufgewachsen. Ihr Vater Axel Soyez hat vor über 30 Jahren einen Stuckateurbetrieb übernommen. Mittlerweile gehört zum Unternehmen ein Firmenverbund mit sieben Betrieben und 170 Mitarbeitern. Ihre Mutter Andrea Soyez ist Architektin, Schwester Alina Soyez hat BWL und Bauingenieurwesen studiert und ist für das Marketing sowie die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens zuständig.

"Ich fand es schon immer toll, was in unserem Betrieb geleistet wird, viele Mitarbeiter kenne ich von klein auf", erzählt Lara Soyez. "Auf einmal war es das Naheliegendste der Welt, eine Lehre als Stuckateurin zu machen und in unseren Betrieb einzusteigen", sagt sie schmunzelnd. "Meine Eltern waren von meinem Sinneswandel schon überrascht. Haben mich dann aber – wie immer – voll unterstützt", sagt sie dankbar.

Für ihren Weg ins Handwerk wählte sie ein besonderes Ausbildungsmodell: Innerhalb von dreieinhalb Jahren wollte sie sowohl die Gesellen- als auch die Meisterprüfung ablegen. Auf was sie sich da einließ, ahnte sie damals aber nur.

In einer Männerdomäne

In ihrer Berufsschulklasse gab es 22 Auszubildende, nur vier davon waren weiblich. "Da kommt man sich schon ein bisschen exotisch vor. Und man trifft leider auch immer wieder auf Männer, die uns Mädels Bauberufe nicht zutrauen", sagt sie. Im eigenen Betrieb stand sie als "Tochter des Chefs" unter besonderer Beobachtung. "Die Zeit war wirklich sehr anstrengend und manchmal habe ich mich schon gefragt, ob ich das Richtige tue." Am Ende hat sie sich und allen anderen bewiesen, dass sie es draufhat. Beide Prüfungen legt sie erfolgreich ab. Die Gesellenprüfung sogar als erste Kammersiegerin. "Heute weiß ich: Mein Platz ist im Handwerk und in unserem Familienbetrieb", sagt Lara Soyez stolz.

Enge Familienbande

Das liegt auch an ihren Eltern, die große Vorbilder für sie sind. "Wie sie Mitarbeitern und Kunden begegnen, wie sie den Betrieb kontinuierlich weiterentwickeln – das ist beeindruckend", findet sie. Aber nicht nur der Betrieb, sondern auch der Zusammenhalt innerhalb der Familie hat bei den Soyez einen hohen Stellenwert. Obwohl alle vier Familienmitglieder jeden Tag zusammenarbeiten, verbringen sie auch privat viel Zeit miteinander – sogar im Urlaub. "Wir sind sehr eng miteinander verbunden. Damit das so bleibt, kommunizieren wir sehr viel. Wir tauschen uns regelmäßig darüber aus, was gerade gut läuft und wo es hakt."

"Traut euch, Mädels"

Auch die Serie beleuchtet, wie herausfordernd der berufliche und private Alltag der Protagonistinnen ist. Gleichzeitig wird immer wieder deutlich, wie viel Freude die Frauen an ihren Berufen haben – und welche Chancen sich ihnen eröffnen. "Ich hoffe sehr, dass die Doku jungen Frauen Mut macht, ihren Weg im Handwerk zu gehen. Traut euch Mädels – es lohnt sich", betont Lara Soyez.