EuroSkills-Gewinner im Doppel-Interview Gold-Schreiner über die Berufe-EM: "Brutal anstrengend"

Historischer Doppelerfolg für Deutschland: Bei ihrer EuroSkills-Premiere holten deutsche Schreiner gleich beide Goldmedaillen. Moritz Wagner aus Weißenhorn triumphierte als Möbelschreiner, Lutz König aus dem bayerischen Tiefenthal siegte im Bauschreiner-Wettbewerb. Im Doppel-Interview sprechen die Champions über ihren Erfolg.

Schreinermeister Lutz König (links) und Schreiner Moritz Wagner räumten alles ab, was es für das Schreiner- und Tischlerhandwerk in Dänemark zu gewinnen gab. - © Christan Grube

Herr Wagner, Herr König, wie war der Moment, als Ihr Name und Platz 1 bei der Siegerehrung aufleuchtete?

Moritz Wagner: Das war der Wahnsinn. Ein unglaubliches Gefühl, kaum zu beschreiben.

Lutz König: In diesem Moment ist eine enorme Last von mir abgefallen. Eine Medaille zu bekommen, war die Krönung.

Die drei Tage Wettkampf waren sicher sehr anstrengend?

Lutz König. Absolut. Der Wettbewerb hat mich sehr geschlaucht.

Moritz Wagner: Definitiv. Der Wettbewerb war mental wie körperlich brutal anstrengend. Die Beanspruchung und das Stresslevel sind hoch. Im Nachhinein hat es sich aber natürlich gelohnt.

Sie haben beide Gold gewonnen – gleich beim ersten Auftritt deutscher Schreiner und Tischler bei den EuroSkills. Worin liegt das Geheimnis des Erfolgs?

Lutz König: Wir haben uns gegenseitig unterstützt und viel gemeinsam trainiert. Und auch unsere Experten haben hervorragende Arbeit geleistet.

Moritz Wagner: Genau, auch wenn Bauschreiner und Möbelschreiner unterschiedliche Disziplinen sind, haben wir einige Male zusammen trainiert, uns gemeinsam vorbereitet und Wissen ausgetauscht und sind so als Team zusammengewachsen.

Welche Aufgaben hatten Sie im Wettbewerb zu erfüllen?

Moritz Wagner: Die Grundelemente eines Möbels wie Fußgestell, Korpus, handgezinkte Schubladen und Arbeit mit Furnier sind eigentlich immer dabei. In diesem Fall war es ein Sideboard. Kleine Überraschungen sind dann zum Beispiel, dass mein Fußgestell sehr viele Rundungen hatte oder dass zum ersten Mal Leder und Messing in den Elementen verarbeitet wurde und das Sideboard Schiebetüren hatte.

Lutz König: Das ist bei mir ähnlich. Das Grundprinzip, auf das man trainieren kann, ist immer gleich. Dazu kommen dann die Details und Kleinigkeiten. Mein Werkstück war so eine Art kleine Haustür, 800 auf 800 Millimeter groß, mit einem Flügel und einem Stockrahmen mit traditionellen Holzverbindungen, also Schlitzen und Zapfen.

Hatten Sie Zeit, Teilnehmer aus anderen Nationen kennenzulernen?

Lutz König: Ja, allerdings hatten wir einen recht strammen Zeitplan. Wir fingen um 9 Uhr am Morgen an und hörten um 17 oder 18 Uhr auf, dazu noch eine Stunde Busfahrt. Da blieb nicht viel Zeit.

Moritz Wagner: Ich habe mich mit dem belgischen Teilnehmer gut verstanden, der jetzt sogar mit mir in die gleiche Klasse der Meisterschule in Garmisch-Partenkirchen geht, und mit dem Österreicher bin ich zum Skifahren verabredet. Überhaupt war es ein faires und kollegiales Miteinander.

Lutz König: Ja, man hat sich gegenseitig unterstützt und ist fair miteinander umgegangen.

Moritz Wagner: Coole Stimmung auch.

Konnten Sie am Ende einschätzen, wie gut Sie im Rennen liegen?

Lutz König: Ich konnte es nicht einschätzen, ich war nur glücklich, dass der Wettbewerb vorbei war. Ich hatte mein Bestes gegeben und war auch zufrieden mit meinem Werkstück. Aber, wie gut die anderen waren, wie weit sie gekommen sind oder welche Fehler sie gemacht haben, das kann man eigentlich nicht einschätzen.

Moritz Wagner: Das ging mir genauso. Ich kann mein eigenes Möbel einschätzen und ich sehe, ob bei der Konkurrenz ein Möbel fertig geworden und wie gut es verarbeitet ist, aber wie exakt da die Maße stimmen und wie genau und präzise gearbeitet wurde, das kann man nicht sehen.

Als erfolgreiche Europameister sind Sie doch jetzt die beste Werbung für das Schreiner- und Tischlerhandwerk, oder?

Lutz König: Ich glaube schon, dass es eine gute Werbung für das Handwerk ist. Die EuroSkills sind eine schöne Möglichkeit, sich mit anderen zu messen.

Moritz Wagner: Wir können jungen Leuten, noch bevor sie sich vielleicht für den Beruf entscheiden, zeigen, was man im Schreinerhandwerk leisten und erreichen kann, und sie so hoffentlich motivieren, sich tatsächlich für das Handwerk zu entscheiden.

Herr König, Sie sind ja schon Schreinermeister. Herr Wagner, Sie haben jetzt gleich nach den EuroSkills mit der Meisterausbildung begonnen. Wie ist das so als Europameister an der Schule?

Moritz Wagner: Ja, es hatte sich schon rumgesprochen. Viele wildfremde Menschen haben mir gratuliert. Aber bis zum Schluss muss man schon bodenständig bleiben, nur weil ich superschnell einen Schubkasten zinken kann, heißt das ja nicht automatisch, dass ich auch supergut an der CNC-Fräse arbeiten kann.