Zehntausende Wohnungen sind genehmigt, aber ihr Bau rechnet sich nicht mehr. Eine zeitlich befristete Förderung für den EH-55-Standard soll die Projekte nun wieder wirtschaftlich machen und für dringend benötigten Wohnraum sorgen. Doch der aktuelle Plan für 2025 sei unzureichend, kritisieren Verbände. Für 2026 müsse die Politik nachlegen.

Angesichts der anhaltenden Krise im Wohnungsbau hält die Deutsche Bauwirtschaft die Pläne der Bundesregierung zur befristeten EH-55-Förderung für den Bauüberhang für einen ersten Anfang. Allerdings bezweifelt sie, dass das Fördervolumen von 59 Millionen Euro für das Jahr 2025 ausreicht. Die Summe sei nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein, hieß es in einer gemeinsamen Pressemitteilung des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB) und des Bundesverbandes Baustoffe - Steine und Erden (bbs) angesichts der Beratungen zum Haushalt 2025. Im kommenden Jahr müsse die Förderung optimiert und verstetigt werden, fordern sie.
Viele Wohnungen im Bauüberhang
Wie ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa sagte, befinden sich derzeit rund 631.000 Wohnungen im Bauüberhang, sind also genehmigt, aber noch nicht fertiggestellt. Bei 301.000 davon sei noch nicht einmal mit dem Bau begonnen worden. Viele der Projekte seien unter anderen Finanzierungsbedingungen geplant worden und heute nicht mehr wirtschaftlich. "Eine befristete EH-55 Förderung würde diese Wohnungen wieder realisierbar machen und damit den dringend benötigten Wohnraum sichern", sagte er. Die Förderung müsse jetzt schnell, zielgerichtet und verlässlich eingeführt werden.
Verbände fordern substanziellere Förderung für 2026
Für das kommende Jahr fordern die Verbände mehr Geld. "Für 2026 muss etwas Substanzielles folgen, damit die Bagger auch wirklich wieder rollen", sagte bbs-Hauptgeschäftsführer Matthias Frederichs mit Blick auf die anstehenden Verhandlungen zum Haushalt 2026, die bald starten und im November und Dezember abschließend beraten werden. Dies gelte nach Ansicht der Verbände umso mehr, da andere Förderprogramme wie etwa der klimafreundliche Neubau mit deutlich mehr Geld ausgestattet seien.
Politik will nachlegen
Wie in der Bundestagsdebatte zum Bau-Etat 2025 deutlich wurde, will die Politik 2026 die Mittel für die befristete EH-55-Förderung erhöhen. Dies sagte der stellvertretende Vorsitzende des Bau-Ausschusses Axel Knoerig (CDU).
Bisher wird die Förderung des bezahlbaren frei finanzierten Wohnungsbaus nach Ansicht Pakleppas politisch vernachlässigt. "Der von der Bundesregierung vorgelegte Haushaltsentwurf 2026 sieht – ohne die soziale Wohnraumförderung – nicht einmal 0,2 Prozent für den Wohnungsbau vor", ergänzte Frederichs. Mindestens das Zwei- bis Dreifache sei nötig.
Konkreter Vorschlag für EH-55-Förderung
Mit Blick auf die konkrete Ausgestaltung der befristeten EH 55-Förderung schlagen die Verbände eine Zinsverbilligung auf unter zwei Prozent für Darlehen bis 250.000 Euro vor, gekoppelt an klimafreundliche Heizungen wie Wärmepumpen, Pellets oder Fernwärme. Eine bundesweit einheitliche Umsetzungsfrist von sechs Jahren sollte zudem verhindern, dass Genehmigungen verfallen, hieß es.