Ein ungewöhnliches Duo wirbt für das Handwerk: Schauspieler Ralf Moeller und Handwerkspräsident Jörg Dittrich wollen der Branche eine lautere Stimme geben. Ihr Ziel: Bürokratie abbauen und die Ausbildung stärken.

Ein Schauspieler und der oberste Vertreter des deutschen Handwerks machen gemeinsam mobil: Ralf Moeller, bekannt aus Hollywood und Sohn eines Schlossers, und Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). Gemeinsam wollen sie dem Handwerk eine lautere Stimme verleihen. Kennengelernt haben sich die beiden im DHZ-Podcast "Motivation Handwerk verstehen", in dem sie Lösungsansätze für das Fachkräfte-Dilemma diskutieren. Im Gespräch mit der BILD-Zeitung fordern sie jetzt mehr politische Unterstützung.
Handwerk mehr Beachtung schenken
Trotz seiner enormen wirtschaftlichen Bedeutung erhalte das Handwerk von der Politik zu wenig Aufmerksamkeit, kritisiert Dittrich. Mit rund 5,6 Millionen Beschäftigten in über einer Million Betrieben sei die Branche ein entscheidender Wirtschaftsfaktor. Dennoch spiegle sich das politisch nicht wider. Dittrichs Wunsch ist klar: "Ein Wirtschaftsministerium muss auch ein Handwerksministerium sein und sich entsprechend kümmern."
Bürokratie und Nachwuchssorgen als größte Hürden
Moeller und Dittrich beklagen vor allem die hohe bürokratische Belastung. "Ein Metallbaubetrieb muss 102 Gesetze und Verordnungen beachten", nennt der Handwerkspräsident ein konkretes Beispiel. Dies binde ein Drittel der Arbeitszeit allein für "Papierkram". Schauspieler Moeller ergänzt, dass eine Betriebsgründung in Deutschland Monate dauere, während es in den USA nur ein Tag sei.
Diese Hürden tragen laut ZDH dazu bei, dass die Nachfolge in vielen Betrieben ungeklärt ist. In den kommenden fünf Jahren stünden 125.000 Unternehmen zur Übergabe an, doch es fänden sich oft keine Nachfolger. Dittrich warnt vor den Folgen und kritisiert den Umgang mit der beruflichen Bildung: "Die duale Ausbildung ist unser Eiffelturm – aber von der Politik wird sie wie ein Gartenzwerg behandelt."
Modernes Image statt veralteter Klischees
Um das Image der Branche zu verbessern, hat Ralf Moeller zusammen mit Hans Schäfer Workwear die Initiative "Motivation Handwerk" gegründet. Er besucht Werkstätten und spricht mit Auszubildenden. Sein Ziel ist es, jungen Menschen die Vielfalt und gesellschaftliche Relevanz der Berufe zu zeigen. "Wer einer Rentnerin die Heizung repariert, hat mehr für die Gesellschaft getan als viele mit Doktortitel", so Moeller.
Handwerkspräsident Dittrich betont, dass moderne Technik den Arbeitsalltag längst verändert habe. Handwerker würden heute mit iPads arbeiten, Drohnen einsetzen oder durch Exoskelette entlastet.
Am Ende sind sich beide einig: Ohne das Handwerk gehe nichts – weder der Bau von Pflegeheimen noch die Montage von Wärmepumpen oder der Ausbau von Glasfasernetzen. Das Handwerk sei systemrelevant. Dittrich fasst den Zustand der Branche in einem sportlichen Vergleich zusammen: "Wir sind bei allen Themen im Handwerk immer noch Champions League." Man müsse aber aufpassen, dass durch die vielen Belastungen nicht "in der 80. Minute" die Luft ausgehe. fre