Versprechen im Koalitionsvertrag Mutterschutz für alle: Selbstständige mobilisieren

Seit der Ankündigung im Koalitionsvertrag wartet der Mutterschutz für Selbstständige auf seine Umsetzung – vergeblich. Die Initiative "Mutterschutz für Alle!" macht nun Druck und plant für Anfang Oktober eine Aktionswoche.

Mutterschutz für Selbstständige
In Deutschland haben selbstständig erwerbstätige Frauen keinen gesetzlichen Anspruch auf Mutterschutz. Eine Aktionswoche im Oktober 2025 soll auf diese Absicherungslücke aufmerksam machen. - © thodonal - stock.adobe.com

Am 9. und 10. Oktober 2025 wird die Bundesregierung an ihr Versprechen erinnert, einen Mutterschutz für Selbstständige gesetzlich zu verankern. Dann startet die Initiative "Mutterschutz für Alle!" eine Aktionswoche, um das Thema wieder mehr in den politischen Mittelpunkt zu bringen und auch in der Öffentlichkeit darüber zu diskutieren, dass Selbstständige nicht im gleichen Maß finanziell abgesichert sind wie Angestellte, wenn sie schwanger werden.

Die Initiative ist mittlerweile ein Verein und kann auf breite Unterstützung aus zahlreichen Organisationen, der Gesellschaft, der Politik und der Wirtschaft zählen. Dennoch sind die Ankündigungen der Regierungsparteien im Koalitionsvertrag bislang nicht mehr als Worte. Darin heißt es: "Wir wollen einen Mutterschutz für Selbstständige analog zu den Mutterschutzfristen für Beschäftigte einführen. Dafür prüfen wir zeitnah umlagefinanzierte und andere geeignete Finanzierungsmodelle."

Mutterschutz für Selbstständige: Aktionswoche im Oktober

Tischlermeisterin Johanna Röh ist Vorsitzende des Vereins und setzt sich schon lange für das Thema ein. Im Jahr 2022 startete sie eine Bundestagspetition für gleiche Rechte im Mutterschutz für selbstständige Schwangere. Diese erhielt über 110.000 Unterschriften und machte die Problematik in der Öffentlichkeit zum Thema. Diese Petition zählt nach Angaben des Vereins zu den erfolgreichsten der letzten Jahre. Auch hinter dem vom Verein initiierten Bündnis stehen mittlerweile 45 Organisationen, die gemeinsam die Interessen von über 410.000 Menschen und Betrieben vertreten. Johanna Röh ist deshalb auch stolz, dass das Thema es bis in den Koalitionsvertrag schaffte.

"Aber jetzt muss es weitergehen. Es liegt noch immer kein Entwurf für eine Gesetzesänderung vor", sagt sie und betont: "Wir setzen weiterhin auf einen engen Dialog mit den Beteiligten – und machen das Thema zugleich mit Nachdruck in der Öffentlichkeit sichtbar." Die fehlende Absicherung im Mutterschutz solle nicht wieder in der Versenkung verschwinden, sondern in dieser Legislaturperiode umgesetzt werden. Johanna Röh berichtet von Frauen, die sich nicht trauen, eine Selbstständigkeit zu starten, weil sie einen Kinderwunsch haben, und von Schwangeren, die um ihren Betrieb bangen, weil sie nicht schon vor Jahren finanzielle Rücklagen bilden konnten für den Fall, dass sie schwanger werden.

Erst kürzlich zeigte eine Umfrage unter selbstständig arbeitenden Frauen im Handwerk, dass jede zweite ihre berufliche Tätigkeit erst eine Woche oder noch kürzer vor der Geburt vollständig ruhen lässt und nach der Geburt schnell wieder zurück in den Betrieb zurückkehrt.

Anders als bei angestellten Frauen bekommen Selbstständige nicht automatisch ein Mutterschaftsgeld von der Krankenkasse – umlagenfinanziert über den Arbeitgeber. Doch genau das wäre aus Sicht der selbstständigen Tischlermeisterin und ihrer Mitstreiterinnen der einfachste Weg, um einen Mutterschutz für Selbstständige umzusetzen. Die Finanzierung ist allerdings wohl der umstrittenste Aspekt bei der Umsetzung des Versprechens. Aus Sicht von Wirtschaftsverbänden – dazu gehört auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) – wäre eine Finanzierung aus Steuermitteln ein Weg.

Das könnte der Mutterschutz für Selbstständige kosten

Johanna Röh hält dies angesichts der aktuellen Haushaltslage aber für schwer durchsetzbar und plädiert für eine schnelle Lösung. Sie rechnet vor, wie die Umlage konkret aussehen könnte: "Eine Umlage würde 63,60 Euro pro Jahr für jeden Arbeitgeber und jeden Selbstständigen bedeuten, also 5,30 Euro im Monat. Das ist aus unserer Sicht keine große Belastung." Die Zahlen stammen vom Institut für Mittelstandsforschung in Bonn. Ein Krankentagegeld etwa, das als Option zur Absicherung auch von Selbstständigen bei der Krankenkasse beantragt werden kann, kostet dagegen jede Selbstständige ein Vielfaches einer potenziellen Umlage im Monat. "Sie muss es aber lange vorher beantragen und lange vorher eingezahlt haben", sagt die Vereinsvorsitzende. Wichtiger Punkt: Selbstständige müssen auch von den Optionen wissen, die es bislang schon zur finanziellen Absicherung gibt. Eine bessere Aufklärung darüber und Beratung ist auch eine Forderung des gemeinnützigen Vereins "Mutterschutz für Alle!".

Die Forderungen und vor allem das Versprechen der Bundesregierung weiter zu diskutieren, zu informieren und daraus einen gesetzlichen Anspruch zu gestalten, ist ein Ziel der Aktionswoche im Oktober 2025. In Berlin findet dazu am 9. Oktober ein parlamentarisches Frühstück statt, zu dem auch schon eine ganze Reihe an Politikerinnen und Politikern zugesagt haben. Weiter geht es mit Presseaktionen und Community-Events. Das ganze Programm kann auf der Website von "Mutterschutz für Alle!" nachgelesen werden.

© picture alliance/dpa | Kai Morrschlatt