Bei der Eröffnung der IAA Mobility in München dreht sich viel um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Autoindustrie. Friedrich Merz, Markus Söder, Veranstalter und ZDK sehen einen Hebel beim geplanten Verbrenner-Aus.

Bei der Eröffnung der IAA Mobility haben sich Politik, Veranstalter und Industrie für Änderungen am geplanten Verbrennerverbot ausgesprochen. "Einseitige politische Festlegungen auf bestimmte Technologien sind nicht nur für diese Branche grundsätzlich der falsche wirtschaftspolitische Weg", sagte Bundeskanzler Friedrich Merz. Es brauche mehr Flexibilität in der Regulierung.
Ziel sei, "durch Technologieoffenheit Wettbewerbsfähigkeit und effektiven Klimaschutz" miteinander zu verbinden, betonte Merz. Grundsätzlich müsse Deutschland "wieder ein wettbewerbsfähiger international anerkannter Wirtschaftsstandort werden, auf den die Welt nicht mit Verwunderung, sondern mit Bewunderung schaut".
ZDK schließt sich Forderungen an
Unterstützung für die Forderungen kommt auch vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Dessen Präsident, Thomas Peckruhn, begrüßt die Aussagen der Politik zu einer technologieoffenen Regulierung. Die IAA zeige zwar die Chancen der Elektromobilität, so Peckruhn. Es brauche jedoch mehr Marktdynamik, die durch eine flächendeckende Ladeinfrastruktur und transparente Ladekosten befeuert werden müsse.
Das Thema einer "technologieoffenen Flottenregulierung" gehöre "jetzt in Brüssel auf den Tisch", fordert Peckruhn. Neben batterieelektrischen Autos könnten auch synthetische Kraftstoffe und Wasserstoff zur CO₂-Reduktion beitragen. Er spricht sich zudem für den Abbau von Handelszöllen aus, deren Last letztlich die Verbraucher trügen.
Realitätscheck gefordert
Auch Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Autoindustrie (VDA), der die IAA veranstaltet, forderte einen Realitätscheck und eine Kurskorrektur in der EU-Klimapolitik gegenüber der Autoindustrie – beim Verbot neuer Verbrenner ab 2035, aber auch bei den Vorgaben zum CO2-Flottenausstoß.
Die Verbraucher seien noch nicht in ausreichendem Maße bereit, auf Elektromobilität umzusteigen, sagte Müller. Wer "ohne Realitätsbezug" an Zielen festhalte und nicht sehe, dass auf der Welt verschiedene technologische Optionen zum Gelingen der Verkehrswende beitragen, der gefährde nicht nur Wachstum, Wohlstand und Arbeitsplätze, sondern auch das Ziel der Klimaneutralität. Dies sei keine Abkehr vom Ziel der Klimaneutralität, sondern im Gegenteil ein Beitrag zu deren Gelingen, argumentiert sie.
Davor hatte bereits der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) seine Forderung nach einer Abkehr vom Verbrennerverbot erneuert. So wie es jetzt konzipiert sei, sei es falsch und müsse aufgehoben und durch andere Alternativen ersetzt werden. Zudem forderte er, die CO2-Ziele "an die Realität" anzupassen.
Merz nach Rundgang "begeistert"
Aus der Industrie kamen immer wieder ähnliche Forderungen. Auch auf dem Messerundgang des Kanzlers kam das Thema mehrfach zur Sprache. Merz zeigte sich am Ende des Rundgangs begeistert von den gezeigten Technologien. Besonders angetan war der Kanzler unter anderem von Range-Extendern, bei denen kleine Verbrennungsmotoren die Reichweite von Elektroautos erhöhen. Beim Besuch bei Mahle betonte er, alles dafür tun zu wollen, dass diese Technologie auch in Europa auf die Straße komme.
Grundsätzlich ist die deutsche Autoindustrie in der Krise und leidet unter sinkenden Gewinnen und Jobabbau. Dieser könnte sich fortsetzen: Eine aktuelle Studie von IW Consult im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums, über die das Handelsblatt berichtet, sieht bis Ende 2030 den Verlust von rund 90.000 Jobs in der Branche als möglich an.
Sechs weitere Jahre IAA in München
Bereits zu Beginn der Eröffnung hatte VDA-Präsidentin Hildegard Müller bekannt gegeben, dass die IAA weiter in München bleiben wird. Der aktuelle Vertrag läuft mit der diesjährigen Messe aus. Nun gibt es eine Einigung auf sechs weitere Jahre – also drei weitere Ausgaben. dpa/ewö