Der Mittelstand kämpft mit sinkenden Gewinnen und steigenden Kosten. Sparkassenpräsident Ulrich Reuter fordert mutige Reformen und warnt vor einem "Strohfeuer".

Die wirtschaftliche Krise geht auch am deutschen Mittelstand nicht spurlos vorbei. "Der Umsatz im Mittelstand ist um vier Prozent, das Betriebsergebnis um 13 Prozent gesunken", sagte Ulrich Reuter, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), zu einer aktuellen Umfrage des Verbandes im ersten Halbjahr. Die Umsatzrendite liege nur noch bei vier Prozent. Trotz dieser Belastungen sei die Eigenkapitalquote mit durchschnittlich 38 Prozent stabil. Dies belege die Widerstandsfähigkeit des Mittelstands. Doch die Risiken nähmen zu. "Wir brauchen eine mutige Reformagenda – dringend", forderte er.
Leichte Umsatzzuwächse im Baugewerbe
Die schwache Nachfrage, steigende Lohnkosten sowie Belastungen durch Bürokratie und Sozialabgaben setzen viele Betriebe unter Druck, wie Reuter betonte. Dies gelte insbesondere für den Metall- und Fahrzeugbau sowie den Maschinenbau. Das Baugewerbe könne dagegen leichte Umsatzzuwächse verbuchen. Reuter zeigte sich überzeugt, dass der Mittelstand deutlich mehr investieren würde, wenn die Politik endlich ernst mache mit Reformen.
Sparkassen vergeben wieder mehr Kredite
Zugleich wies Reuter darauf hin, dass die Investitionszurückhaltung zuletzt etwas nachgelassen habe. Insgesamt hätten die Sparkassen im ersten Halbjahr 2025 mit 43,1 Milliarden Euro rund 16,4 Prozent mehr neue Kredite an Mittelständler vergeben als im Vorjahreszeitraum. "Aber wir müssen aufpassen, dass das nicht nur ein Strohfeuer bleibt", warnte er. Besonders nachgefragt worden seien Kredite im gewerblichen Wohnungsbau, weniger dagegen im Metall- und Maschinenbau.
Sparkassenchef mahnt echte Strukturreformen an
Mit Blick auf die dringend geforderten Reformen verlangte Reuter weniger Bürokratie. Öffentliche Genehmigungsverfahren müssten schlanker und schneller werden. Entscheidend sei zudem der Kampf gegen den Fachkräftemangel: 45 Prozent der Unternehmen sähen darin inzwischen ein zentrales Geschäftsrisiko. Nötig seien eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ein produktiverer Einsatz von Digitalisierung und KI sowie eine gesteuerte Zuwanderung. Auch müsse alles getan werden, damit nicht weiterhin 52.000 Jugendliche jährlich die Schule ohne Abschluss verließen.
Für echte Sozialreformen
Reuter forderte außerdem grundlegende Reformen der Sozialversicherungssysteme. "Wir haben keine Zeit mehr für langjährige Kommissionen, es muss gehandelt werden", sagte er. An Effizienzverbesserungen in der Kranken- und Pflegeversicherung führe kein Weg vorbei. Angesichts der Lage in der gesetzlichen Rentenversicherung verlangte er mehr mathematisches Verständnis: Wer die Renten nicht kürzen und die Beiträge nicht drastisch erhöhen wolle, müsse das Verhältnis von Einzahlungs- und Rentenjahren neu austarieren.
Mehr privates Kapital für Infrastruktur gefordert
Mit Blick auf das Sondervermögen "Infrastruktur und Klimaneutralität" in Höhe von 500 Milliarden Euro über die kommenden zwölf Jahre sprach Reuter von einem wichtigen Impuls. Es sei jedoch kein Allheilmittel. "Das ist ein durch neue Schulden gekauftes Wachstum", warnte er. Zudem reiche es nicht aus, um die Infrastruktur in Deutschland zukunftsfest zu machen. Dafür sei auch privates Kapital notwendig. Solche Investitionen dürften nicht durch "unrealistische Bankenregulierungen" behindert werden, mahnte er.