Berufskleidung Wie Hersteller daran arbeiten, dass die Workwear jedem passt

Berufskleidung und -schuhe müssen passen – und zwar jedem Beschäftigten eines Teams. Denn wenn es zwickt und kneift, kann das Arbeiten zur Qual werden. Die Hersteller geben sich dementsprechend große Mühe, solche Probleme gar nicht erst aufkommen zu lassen. Das sind ihre Methoden.

Mietservice-Unternehmen und Hersteller von Berufskleidung und Arbeitsschuhen bieten Möglichkeiten, dass alle Mitarbeiter eines Handwerkbetriebs optimal angezogen sind, was Konstitution, Größe, Körperbau etc. angeht. - © Baak

Werkzeugtaschen zu hoch, Kniepolster an der falschen Stelle: Was zunächst wie ein De­­sign­fehler wirkt, kann sich als falsch gewählte Größe entpuppen. Darin zeigt sich, wie wichtig gutsitzende Berufskleidung und Arbeitsschuhe im Alltag sind. Sie gewährleisten die notwendige Funktionalität, unterstützen die Bewegungsabläufe und verhindern Unwohlsein, das wiederum zu Unachtsamkeit und einem erhöhten Unfallrisiko führen kann. Aber wie lässt sich vermeiden, dass eine Hose kneift, eine Jacke nicht richtig sitzen will oder die Ärmel zu kurz sind? Dass ein Schuh zu groß ist oder drückt? Und dass dann das gesamte Outfit trotzdem dem Corporate Design des Handwerksbetriebs entspricht? Mietservice-Unternehmen und Hersteller von Berufskleidung und Arbeitsschuhen habe ihre Methoden verraten, dank derer alle Mitarbeiter eines Teams – unabhängig von Geschlecht und körperlicher Konstitution – optimal angezogen sind.

Damenkollektionen

Inzwischen gehören in das Sortiment der Hersteller und Händler aufeinander abgestimmte Kollektionen für Sie und Ihn. Diese sind hinsichtlich Schulterbreite, Taille, Brust und Länge auf die weiblichen Formen zugeschnitten – bei gleicher Funktionalität wie Herrenteile. Sollte ein Teil trotzdem nicht passen, ist immer noch ein Ausweichen auf die Kollektion des anderen Geschlechts möglich.

Artikelvielfalt

Damit trotz unterschiedlichster Körperformen bei Männern und Frauen die Corporate Identity des Handwerksbetriebs gewahrt wird, sind eine breite Artikelauswahl des Anbieters sowie aufeinander abgestimmte Damen- und Herrenkollektionen entscheidend. Um außerdem unterschiedliche Komfortwünsche erfüllen zu können, sollten Sortimente in gleicher Farbigkeit, Funktion sowie unterschiedliche Schnittformen wie Loose Fit, Regular Fit oder Slim Fit (weiter, normaler, schmaler Schnitt) vorhanden sein.

Größenspektrum

Eine breite und umfassende Größenauswahl trägt dazu bei, vielfältigsten Körperformen gerecht zu werden. So werden Oberteile üblicherweise in Größen von XS bis 6XL, mitunter auch bis 8XL, angeboten. Bei Hosen umfasst das Konfektionsgrößenspektrum für Männer normale Herrengrößen von 38 bis 70, untersetzte Größen (mit kürzeren Armen und Beinen) von 24 bis 30, schlanke Größen (mit langen Armen und Beinen) von 90 bis 118 sowie Bauchgrößen von 51 bis 69. Hosen in Damengrößen gibt es – je nach Anbieter – von 34 bis 54 – und bei ausgesuchten Herstellern sogar als Umstandshose.

Stretch

Viele Workwear-Artikel sind inzwischen aus Materialien mit einem Elasthan-Anteil oder mechanischem Stretch gearbeitet oder mit Gummizügen oder Stretcheinsätzen ausgestattet. Dieses Extra an Elastizität sorgt nicht nur für einen guten Sitz der Kleidung, sondern auch für mehr Flexibilität hinsichtlich der Körperform.

Größentabellen

Die von den Herstellern bereitgestellten, detaillierte Größentabellen enthalten alle wichtigen Maße und Messanleitungen. Beschäftigte können sich selbst vermessen (auf nackter Haut) und vor der Bestellung die für sie richtige Konfektionsgröße ermitteln.

Beratung

Wer sich nicht sicher fühlt, sollte einen von Händlern oder Herstellern angebotenen persönlichen oder telefonischen Beratungsservice in Anspruch nehmen. Dann kommen Experten in den Betrieb, messen das Team aus und empfehlen die ideale Passform.

Anproben

Jeder Hersteller erarbeitet seine Kollektionen auf Grundlage von Body Mapping Design-Prinzipien, eigenen Schnittentwicklungen, anhand tatsächlicher Körperformen und den beruflichen Anforderungen im Handwerk sowie Tragetests in der Praxis, weshalb die Passform der am Markt angebotenen Kollektionen unterschiedlich ausfallen. Um die richtige Arbeitskleidung für den eigenen Betrieb zu finden, hilft in der Regel nur Ausprobieren. Im Mietservice erfolgt standardmäßig eine persönliche Anprobe der gewünschte Kollektionsteile mit jedem einzelnen Beschäftigten eines Betriebs. Vor Ort überprüft ein Service-Mitarbeiter des Dienstleisters die Passform, empfiehlt bei Bedarf eine andere Konfektionsgröße oder eine andere Schnittform und vermerkt notwendige Kürzungen (etwa der Hosenbeine). Auch vereinzelte Berufskleidungshersteller (zum Beispiel Dassy, Snickers, Schoeffel Pro) und Händler bieten einen entsprechenden Service an.

Muster und Umtausch

Wenn eine Anprobe nicht möglich ist oder nicht angeboten wird, sollte ein Betrieb im Zweifelsfall beim Workwear Hersteller Musterteile in den zuvor durch Ausmessen der Beschäftigten ermittelten Konfektionsgrößen bestellen. Sollte das eine oder andere Teil dann doch nicht passen, sollte ein Umtausch möglich sein.

Änderungen

Wenn die Hosenbeine oder Ärmel zu lang sind, hilft nur eine Kürzung. Dieser Service ist im Mietservice inklusive, wird aber auch von verschiedenen Herstellern (etwa Kübler, Blåkläder) angeboten, die auch weitere Änderungswünsche wie Bundweitenanpassungen oder das Anbringen zusätzlicher Taschen umsetzen.

Größenwechsel

Es kann vorkommen, dass Menschen zu- oder abnehmen. Dann wird unter Umständen eine neue Kleidung gebraucht. Im Mietservice erfolgt eine Anpassung der richtigen Konfektionsgröße innerhalb des Vertrags. Üblicherweise reicht eine Info per App, E-Mail oder über das Kundenportal an den Dienstleister aus.

Kundenfeedback

Einige Hersteller holen regelmäßig Feedback aus dem Markt ein und lassen die Rückmeldungen in die Produktentwicklung einfließen. Dies dient einer weiteren Optimierung von Passform und Funktionalität. Handwerksbetriebe sollten den Service deshalb nutzen.

Sonderanfertigung, Schneider-Service

Sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass keine der vorgeschlagenen Bekleidungsteile einer Person passen sollte, bieten einige Hersteller einen Maßschneider-Service an. Dann wird der Mitarbeiter komplett vermessen und ein individuelles Kleidungsstück im Unternehmenslook und mit dessen Funktionen und Sicherheitseigenschaften ausgestattet. Zu den Unternehmen, die einen solchen Service anbieten, gehören beispielsweise Dassy, Hans Schäfer, Planam, Kübler (bei größeren Firmenausstattungen) und Weitblick.

Arbeits- und Sicherheitsschuhe

Was für die Berufskleidung gilt, ist auch bei der Wahl von Arbeits- und Sicherheitsschuhen von großer Bedeutung. Scheuernde, drückende Berufsschuhe führen zu einem deutlichen Leistungsabfall und steigern Unfallrisiken. Die Tipps für die Auswahl einer passenden Workwear lassen sich daher auch auf Schuhe übertragen. Ergänzend kommen weitere Faktoren hinzu:

  • Passform: Die Passform von Arbeitsschuhen hängt von den Leisten ab, auf denen sie gefertigt werden. Jeder Hersteller verfolgt dabei sein eigenes Konzept, wobei manche bis zu drei Fußtypen unterscheiden: kräftig, normal und schmal. Weil sich die Füße während der Bewegung im Hinblick auf bestimmte Breitenabmessungen, die Fußlänge oder den Umfang des Fußrückens verändern, hat Elten zusätzliche Anpassungen vorgenommen. Am Ballenpunkt wurde Volumen zugegeben oder weggenommen und die Ballenwinkel verändert.
  • Einstellmöglichkeit: Bei unterschiedlichen Fußformen hängt ein guter Sitz von der individuellen Anpassungs- und flexiblen Einstellmöglichkeit des Schuh­werks ab. Eine Weiteneinstellung wird dabei durch eine besondere Gestaltung der Schnürteile und Verschlüsse gewährleistet.
  • Individuelle Fußkorrektur: Fußfehlstellungen wie Platt-, Senk- oder Spreizfuß erfordern maßgefertigte Einlagen, um den Fuß in einem langen Arbeitstag vor Überlastung zu schützen. Sicherheitsschuhhersteller (etwa Baak) arbeiten mit eigenen Orthopädietechnikern zusammen, die passende Lösungen für den jeweiligen Träger entwickeln.
  • Hallux-Funktion: Berufs- und Sicherheitsschuhe mit Hallux-Funktion passen sich im Bereich des Großzehengrundgelenks dank eines elastischen Materials an die Fußform an.