Azubi-Suche Diese Infos fehlen Jugendlichen von Betrieben

Attraktive Ausbildungsangebote allein reichen nicht: Entscheidend ist, wie Betriebe darüber informieren. Laut einer Umfrage klafft hier eine große Lücke.

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Ob Vergütung, Bewerbungsverfahren oder Betriebsklima – wer Auszubildende gewinnen will, sollte genau die Faktoren offen kommunizieren, die eine Ausbildung für junge Menschen attraktiv machen. - © MH - stock.adobe.com

Die gute Nachricht vorweg: Betriebe bieten vieles von dem, was Jugendlichen bei der Entscheidung für einen Ausbildungsplatz wichtig ist. Die schlechte: Sie kommunizieren diese Vorteile viel zu selten. Das zeigt eine gemeinsame Studie der Bertelsmann Stiftung mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW), für die junge Menschen zwischen 14 und 25 Jahren befragt wurden.

Besonders deutlich zeigt sich die Informationslücke im Ausbildungsmarketing bei Angaben zum Bewerbungsverfahren: Auf der einen Seite wünschen sich mehr als neun von zehn jungen Menschen Informationen über den Ablauf des Bewerbungsverfahrens und über 80 Prozent finden einfache Bewerbungsverfahren attraktiv. Auf der anderen Seite bieten 91 Prozent der Unternehmen solche einfachen Verfahren zwar an, aber nur weniger als die Hälfte informiert im Vorfeld einer Bewerbung darüber.

Betriebe informieren zu wenig über Ausbildungsvergütung und Aufgaben

Daneben gaben knapp 95 Prozent der befragten Jugendlichen an, dass ihnen Informationen über die Ausbildungsvergütung wichtig seien. Doch nur knapp 60 Prozent der befragten Unternehmen stellten diese Informationen vor einem Bewerbungsgespräch bereit.

Für die überwiegende Mehrheit der jungen Menschen (92 Prozent) machen spannende Aufgaben eine Ausbildung attraktiv. Fast alle jungen Menschen (95 Prozent) wünschen sich daher vorab Informationen über die konkreten Inhalte und Tätigkeiten einer Ausbildung. Diese stellen jedoch nur drei Viertel der befragten Unternehmen vor einem Bewerbungsgespräch bereit.

Potenzielle Bewerber wünschen sich gutes Betriebsklima

Übereinstimmung zwischen dem Wunsch der Jugendlichen und der Selbsteinschätzung der Betriebe gibt es wiederum beim Betriebsklima: Dieses steht für 97 Prozent der jungen Menschen ganz oben auf der Wunschliste, und ebenso viele Unternehmen (97 Prozent) geben an, dies auch zu bieten.

"Damit Ausbildungsbetriebe und potenzielle Auszubildende wieder häufiger zusammenfinden, sollten die Unternehmen in ihrem Ausbildungsmarketing noch häufiger auf die Informationen eingehen, die für junge Menschen wichtig sind", sagt Dirk Werner, Leiter des Clusters Berufliche Qualifizierung und Fachkräfte beim IW. "Sie sollten transparenter machen, wie das Bewerbungsverfahren abläuft, was die Ausbildung bei ihnen attraktiv macht, wie der Arbeitsalltag aussieht und welche Perspektiven es für die Zeit nach der Ausbildung gibt – und das so konkret wie möglich."

Für Betriebe gilt: Ausbildungsmarketing anpassen

Unternehmen sollten laut Studie auf ein zielgruppenspezifisches Ausbildungsmarketing setzen, um die Potenziale am Ausbildungsmarkt auszuschöpfen. Das heißt, dass Betriebe

  • die einzelnen Gruppen entsprechend ihren Bedürfnissen und Gewohnheiten ansprechen,
  • den Bewerbungsprozess und die Ausbildung als Begleitung des Bewerbers gestalten (sogenannte „Candidate Journey“) – vom ersten Kontakt bis zur späteren Übernahme
  • verstärkt Unterstützungsangebote nutzen, um auch leistungsschwächere Jugendliche und Auszubildende mit speziellen Bedarfen erfolgreich in die Ausbildung zu integrieren.

Kompromissbereitschaft von Betrieben ist jungen Menschen kaum bekannt

In der Stellenbesetzung zeigen sich Betriebe zunehmend kompromissbereit, wenn es um die Qualifikation junger Menschen geht. Rund zwei Drittel der befragten Unternehmen gaben an, auch Jugendliche einzustellen, die die Anforderungen nicht vollständig erfüllen – das sind fast fünf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Mehr als ein Drittel stellt auch Bewerber mit Förderbedarf ein, was einem Plus von zehn Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Doch nur wenige junge Menschen wissen das: Lediglich 57 Prozent der Jugendlichen glauben, dass Betrieben ihre individuellen Kompetenzen wichtiger sind als ihre Zensuren – und sehen die geforderten Zeugnisse und Qualifikationen als Schwierigkeit an, wenn sie einen Ausbildungsplatz suchen. Das ist vor allem bei jungen Menschen mit niedriger Schulbildung ein Problem. "Wichtig ist, ihnen gerade auch bei eher mäßigen Schulleistungen Mut zu einer Bewerbung zu machen. Denn Unternehmen werden bei den geforderten Qualifikationen zunehmend flexibler", so Clemens Wieland, Experte für Berufliche Bildung bei der Bertelsmann Stiftung.

Betriebe kennen oft Unterstützungsmöglichkeiten nicht

Die Studie zeigt auch, dass Unternehmen, die junge Menschen mit Förderbedarf einstellen wollen, häufig nicht über die möglichen Unterstützungshilfen Bescheid wissen. Hilfen zur Berufsvorbereitung – wie die duale Ausbildungsvorbereitung an beruflichen Schulen oder die Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen der Bundesagentur für Arbeit (BA) – seien dabei noch mehr Betrieben geläufig und würden laut Umfrage auch genutzt als Maßnahmen während der Ausbildung. Die Assistierte Ausbildung (AsA-Flex) der Bundesagentur für Arbeit etwa sei nur knapp 15 Prozent der befragten Betriebe geläufig, lediglich 1,5 Prozent nutzten sie aktuell.

Besonders für kleinere Betriebe könne sich das jedoch auszahlen, denn ihnen ist es laut Befragung 2025 am schwersten gefallen, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. "Politik und Verbände sollten die Unterstützungsmöglichkeiten bekannter machen, damit es gelingt, mehr junge Menschen mit niedriger Qualifizierung in eine Ausbildung zu bringen", so Wieland. "Und Unternehmen sollten offener dafür sein, sie zu nutzen."

Diese Hilfen gibt es:

  • Einstiegsqualifizierungen (EQ): Ein sozialversicherungspflichtige Praktikum, das durch Agenturen für Arbeit und Jobcenter mit einem Zuschuss zur Praktikumsvergütung und einer Pauschale für die Beiträge zur Sozialversicherung gefördert wird.
  • Assistierte Ausbildung (AsA-Flex) der Bundesagentur für Arbeit kann während einer laufenden Ausbildung oder Einstiegsqualifizierung (EQ) durch Betriebe beantragt werden, um das Ausbildungsverhältnis zu stabilisieren – etwa durch Nachhilfe, die Vorbereitung auf Prüfungen oder das Klären von Konflikten. Sie kann auch von jungen Menschen selbst beantragt werden, etwa um vor Beginn einer Ausbildung oder einer betrieblichen EQ bei der Suche, Bewerbung oder Orientierung unterstützt zu werden.
  • Duale Ausbildungsvorbereitung an beruflichen Schulen: .Angebote, die betriebliche Praxisphasen zur beruflichen Orientierung und Vorbereitung auf eine Ausbildung beinhalten
  • Budget für Bildung bei Menschen mit Behinderung: Dabei handelt es sich um ein spezifisches Angebot für Auszubildende mit Behinderung.
  • Berufssprachkurse: Besonders für Jugendliche mit Migrationshintergrund und Geflüchtete.
  • Berufsausbildungsbeihilfe (BAB): Finanzielle Hilfe, muss teilweise von den Azubis selbst beantragt werden.
  • Zuschuss zur Ausbildungsvergütung
  • Mobilitätszuschuss für Azubis

Ansprechpartner für alle Programme sind die Agenturen für Arbeit sowie die Handwerkskammern. uls