Der Check hat die 25 beliebtesten Ausbildungsberufe genauer untersucht. Die Studie zeigt: Insgesamt sind die meisten Azubis mit ihrer Lehrzeit zufrieden. Besonders im Handwerk gibt es jedoch noch Potenzial, um die Ausbildung attraktiver zu gestalten. Doch was erwarten Auszubildende eigentlich von einem guten Ausbildungsbetrieb?

Was macht einen guten Ausbildungsbetrieb aus, und wie können Unternehmen im Wettbewerb um Nachwuchskräfte punkten? Der jährliche Ausbildungsreport der DGB-Jugend liefert darauf wertvolle Antworten direkt aus der Praxis. Und entsprechende Stellschrauben, um sich als Ausbildungsbetrieb zu verbessern und motivierte und loyale Nachwuchskräfte dauerhaft zu begeistern. Denn eines ist klar: Die Azubis in Werkstätten, Büros und auf Baustellen sind die dringend benötigten Fachkräfte von morgen. Eine gute Nachricht aus dem Report vorneweg: Selbst, wenn die Ausbildungsjahre oft fordernd und strapaziös sind, eine deutliche Mehrheit der Auszubildenden blickt zufrieden auf die eigene Lehrzeit. Das zeigt der neue Ausbildungsreport der DGB-Jugend. Laut der Studie geben 71,6 Prozent der befragten Azubis an, mit ihrer Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden zu sein. Das entspricht einer Steigerung um 1,8 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.
Für den Report befragte die DGB-Jugend 9.090 Auszubildende aus den 25 häufigsten Ausbildungsberufen. "Die duale Berufsausbildung ist und bleibt ein Erfolgsmodell", sagte DGB-Bundesjugendsekretär Kristof Becker bei der Präsentation der Ergebnisse. Zu den untersuchten Berufen gehören auch fünf Handwerksberufe: Tischler, Friseur, Maler und Lackierer sowie Kfz-Mechatroniker und Anlagenmechaniker.
Im Wesentlichen wurden im Rahmen der Studie vier Teilbereiche bei den Auszubildenden abgefragt:
- Fachliche Qualität der Ausbildung (z. B. Einhalten des Ausbildungsplans, fachliche Betreuung, Berufsschule)
- Ausbildungszeiten und Überstunden (Arbeitszeit, Überstundenpraxis, Anrechnung von Berufsschulzeiten, Jugendarbeitsschutz)
- Ausbildungsvergütung (Höhe, finanzielle Belastung, Vergleich zu Tarifvergütungen, zusätzliche Einkünfte)
- Persönliche Beurteilungen der Ausbildungsqualität (Zufriedenheit, psychische und körperliche Belastungen, Übernahmechancen, Abbruchrisiko).
Gemischte Bilanz für das Handwerk
Dabei zeigt sich, dass die analysierten Handwerksberufe – KFZ-Mechatroniker, Friseur, Maler und Lackierer, Tischler sowie Anlagenmechaniker – im Gesamtvergleich eher im unteren bis mittleren Bereich der untersuchten Parameter rangieren. Während Friseure mit Verkäufern, Köchen und Hotelfachleuten konstant zu den Schlusslichtern zählen und sowohl bei Ausbildungsqualität, Vergütung als auch Zufriedenheit deutlich schlechter bewertet werden als fast alle anderen Berufe, liegen KFZ-Mechatroniker, Maler- und Lackierer, Anlagenmechaniker sowie Tischler im unteren Mittelfeld. Zwar erreichen diese Berufe mit gut 70 Prozent einige Punkte mehr als der Friseurberuf, bleiben jedoch klar hinter den Spitzenreitern wie Industriemechaniker, Fachinformatiker oder Verwaltungsfachangestellte zurück. Dazu kommen im Gegensatz zu kaufmännischen und technischen Ausbildungsberufen weitere strukturelle Schwächen: etwa häufigere ausbildungsfremde Tätigkeiten, mehr Überstunden, teils geringe Ausbildungsvergütungen oder unzureichend ausgeführte Ausbildungspläne vor allem in kleineren Betrieben.
Insgesamt zeigen sich folgende Erkenntnisse:
- Je größer der Betrieb, desto höher die Zufriedenheit der Auszubildenden.
- Mit zunehmender Ausbildungsdauer sinkt die Weiterempfehlungs- und Zufriedenheitsquote spürbar. Während im 1. Ausbildungsjahr noch rund 67 Prozent der Befragten angeben, die Ausbildung in ihrem Betrieb weiterempfehlen zu wollen, sinkt dieser Anteil im 4. Jahr auf knapp über 50 Prozent.
Widerspruch am Ausbildungsmarkt
Zusätzlich zu den Bewertungen der Auszubildenden sprach die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack noch ein weiteres Thema an: Während Unternehmen öffentlich über einen Mangel an Fachkräften klagen, haben gleichzeitig fast drei Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren keinen Berufsabschluss. "Das passt nicht zusammen", kritisierte Hannack bei der Vorstellung des Reports.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 2024 wurden bundesweit nur noch 486.700 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das sind knapp 38.000 weniger als vor der Corona-Pandemie. Gleichzeitig geht der Anteil ausbildender Betriebe kontinuierlich zurück. Nur noch 18,8 Prozent aller Unternehmen bilden überhaupt aus – ein historischer Tiefstand, wie Hannack betonte.
Aus Sicht des Handwerks stellt sich die Situation jedoch anders dar. "Das Handwerk bleibt auch 2025 eine starke Karriereoption", erklärte ZDH-Präsident Jörg Dittrich. Die Zahlen bei den Ausbildungsverträgen verzeichneten bis Juli 2025 ein leichtes Plus zum Vorjahr. Bundesweit seien über die Lehrstellenbörsen der Handwerkskammern noch rund 25.000 Ausbildungsplätze verfügbar: "Das sind 25.000 Chancen für den Einstieg in eine zukunftssichere berufliche Laufbahn."
Laut Dittrich gefährden jedoch fehlende Kenntnisse in Deutsch und Mathematik zunehmend eine erfolgreiche Ausbildung. "Nicht vorhandene Grundkompetenzen führen immer häufiger zu Passungsproblemen zwischen Bewerberinnen und Bewerbern und Ausbildungsbetrieben", sagte der ZDH-Präsident. Im Handwerk seien solide Basiskompetenzen für eine erfolgreiche Ausbildung unerlässlich.
Wenn die Vergütung nicht zum Leben reicht
Das gravierendste Problem liegt laut DGB-Jugend in der unzureichenden finanziellen Ausstattung der Auszubildenden. 62,8 Prozent der Befragten gaben an, von ihrer Ausbildungsvergütung "weniger gut" oder "gar nicht" selbstständig leben zu können. Im Vergleich zu 2020 hat sich diese Situation um 5,7 Prozentpunkte verschlechtert. Dies ist eine logische Folge angesichts gestiegener Kosten für Wohnen, Verpflegung, Mobilität und weiterer Dinge des täglichen Bedarfs.
Fast ein Drittel der Azubis (31,9 Prozent) ist auf zusätzliche finanzielle Unterstützung der Eltern angewiesen. Jeder achte Auszubildende (12,7 Prozent) geht neben der Ausbildung einem Nebenjob nach, um über die Runden zu kommen. "Wenn Ausbildung zu etwas wird, was sich junge Menschen erst 'leisten können' müssen, ist das nicht nur Ausdruck mangelnder Wertschätzung", kritisierte Becker. "Es steht auch unseren Bemühungen entgegen, den Fachkräftemangel zu bekämpfen."