Die Kfz-Branche blickt zunehmend skeptisch auf den E-Auto-Markt. Trotz hoher Neuzulassungen fehlen neue Impulse, da Privatkunden zurückhaltend bleiben. Der ZDK mahnt klare Unterstützung durch die Politik an.

Die amtlichen Zulassungsstatistiken zeigen steigende Zahlen bei Elektroautos, doch im Kfz-Handwerk ergibt sich ein anderes Bild. Laut der aktuellen Halbjahresumfrage des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) bewerten Autohäuser und Werkstätten ihre Geschäftslage zunehmend negativ. Die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen geht zurück, während vor allem Eigenzulassungen von Herstellern und Händlern die Statistik künstlich aufblähen.
"Künstliche Erfolge" durch Eigenzulassungen
ZDK-Präsident Thomas Peckruhn macht deutlich, dass die offizielle Statistik täuscht: Sie suggeriere Nachfrage, die es am Markt gar nicht gebe. Häufig würden die steigenden Neuzulassungen durch Eigenzulassungen, Flottengeschäfte oder taktische Maßnahmen erzeugt. Besonders Private halten sich beim Kauf zurück – im ersten Halbjahr 2025 ging ihre Zahl um fast zehn Prozent zurück. Anders als die Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts andeuten, stecke also kaum echte Nachfrage hinter dem Wachstum.
Förderpolitik aus Sicht der Branche unzureichend
Vier von fünf befragten Kfz-Betrieben halten die aktuellen Förderinstrumente für Elektromobilität für unzureichend. Besonders größere Unternehmen, die stark am Fahrzeughandel hängen, kritisieren die Politik deutlich. Gefordert werden vor allem sinkende Strompreise, ein schnellerer Ausbau der Ladeinfrastruktur und mehr Transparenz bei den Tarifen. Peckruhn betont, dass bisherige Maßnahmen fast ausschließlich gewerblichen E-Fahrzeugen und hochpreisigen Dienstwagen zugutekommen – während Privatkunden, die für die Marktdurchdringung entscheidend wären, außen vor bleiben.
Klimaziele geraten in Gefahr
Seit dem Auslaufen der Kaufprämie Ende 2023 stockt die Marktentwicklung bei Elektrofahrzeugen. Der Marktanteil wächst nur minimal, die Klimaziele bis 2035 erscheinen damit gefährdet. Peckruhn warnt, dass bereits heute 100.000 zusätzliche BEV-Neuzulassungen notwendig wären, um auf den erforderlichen Anteil von rund 25 Prozent zu kommen. Das Kfz-Handwerk habe über Jahre hinweg massiv in Ausbildung und Werkstatttechnik investiert. Ohne neue Impulse droht diese Vorbereitung ins Leere zu laufen.
Unterschiedliche Erwartungen im Kfz-Gewerbe
Die ZDK-Umfrage macht auch deutlich, wie unterschiedlich die Betriebe ihre Lage einschätzen. Vor allem größere Autohäuser mit mehr als 50 Beschäftigten blicken pessimistisch in die Zukunft, mehr als die Hälfte von ihnen erwartet Umsatzrückgänge bis Jahresende. Bei mittleren Betrieben mit 16 bis 50 Mitarbeitern rechnet knapp die Hälfte mit negativen Entwicklungen. Bei kleineren Werkstätten mit bis zu 15 Beschäftigten liegt der Anteil bei 38 Prozent, was durch das vergleichsweise stabile Werkstattgeschäft begründet ist. Insgesamt haben 44 Prozent aller Befragten ihre Erwartungen nach unten korrigiert, nur 20 Prozent sehen positive Entwicklungen.
Verunsicherung durch Politik und Konsumklima
Die Skepsis in der Branche ist vor allem der unklaren politischen Linie zur Elektromobilität geschuldet. Hinzu kommt die Zurückhaltung vieler Kunden in einem unsicheren wirtschaftlichen Umfeld. Peckruhn betont, dass Händler und Werkstätten ohne verlässliche politische Rahmenbedingungen kaum planen können. Besonders für das Handwerk bedeutet das eine angespannte Geschäftslage.
Forderung nach einem klaren Kurswechsel
Das Fazit des ZDK fällt eindeutig aus: Der angebliche Boom bei Elektroautos spiegelt sich in den Werkstätten und im Handel nicht wider. Eigenzulassungen und künstlich aufgeblähte Zahlen verschleiern eine Absatzkrise, die das Kfz-Handwerk direkt betrifft. Die Betriebe fordern deshalb von der Politik einen klaren Kurswechsel. Notwendig sind niedrigere Strompreise, ein entschlossener Infrastrukturausbau und echte Kaufanreize für Privatkunden. avs