Deutschlands größter Wohnungskonzern reagiert auf den akuten Fachkräftemangel und verschärft den Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter. Der ZDH sieht die Konkurrenz für kleinere Betriebe, aber auch neue Chancen.

Deutschlands größter Wohnungskonzern Vonovia startet eine der größten Einstelloffensiven der Branche. "Wir haben 2.800 offene Stellen im Moment", erklärte Vorstandschef Rolf Buch bei der Vorlage der Halbjahreszahlen. Wenn alle Jobs besetzt werden könnten, würde der Konzern seine Mitarbeiterzahl beinahe um 25 Prozent steigern. Aktuell sind es knapp 12.400 Angestellte. Vor allem das Handwerk steht dabei im Fokus: Gesucht werden überwiegend Elektriker, Fliesenleger, Maler oder Dachdecker.
Vonovia besitzt als Europas größtes privates Wohnungsunternehmen rund 533.000 Wohnungen in Deutschland, Schweden und Österreich. "Wir haben einen immensen Fachkräftemangel in unseren Gewerken und dem müssen wir entgegengehen", begründete Buch die Einstelloffensive. Bis zum Jahresende sollen die offenen Stellen besetzt werden. Der Konzern konnte seine Belegschaft bereits um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr ausbauen.
Vonovia setzt dabei auch auf unkonventionelle Rekrutierungswege: Nicht nur bilde das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits "massiv" aus; auch außerhalb Deutschlands, zum Beispiel in Kolumbien, werbe der Konzern Bewerber an.
Handwerk kämpft mit 200.000 unbesetzten Stellen
Die Vonovia-Offensive ist nur ein Symptom eines branchenweiten Problems. Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), ordnet die Initiative in einen deutlich größeren Kontext ein: Im Handwerk sind aktuell geschätzt rund 200.000 Stellen unbesetzt – mehr als das Siebzigfache der offenen Stellen bei Vonovia.
"Die Einstelloffensive von Vonovia zeigt sehr deutlich, wie groß der Bedarf an handwerklichen Fachkräften ist und auch künftig bleiben wird", erklärt Schwannecke gegenüber der Deutschen Handwerks Zeitung. Die Nachfrage nach handwerklichen Leistungen sei hoch, "sei es, um groß angelegte Infrastrukturprojekte umzusetzen oder private Solaranlagen auf dem Hausdach zu installieren." Dies mache klar, dass Handwerksberufe langfristig sichere Perspektiven bieten und ungeachtet neuer technologischer Entwicklungen unverzichtbar bleiben werden.
Neue Chancen trotz verschärftem Wettbewerb
Der verstärkte Wettbewerb um Fachkräfte stellt besonders kleinere Handwerksbetriebe vor Schwierigkeiten. "Der Fachkräftebedarf ist für viele Handwerksbetriebe seit Jahren eine zentrale Herausforderung, die sich durch den verstärkten Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte intensiviert", räumt Schwannecke ein.
Er sieht aber auch Positives: Wenn große Unternehmen verstärkt Personal suchen, führe das zwar zu mehr Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte, könne aber gleichzeitig neue Chancen eröffnen, so der ZDH-Generalsekretär. "So besteht die Möglichkeit, dass Unternehmen gezielt entsprechende Aufträge an Handwerksbetriebe vergeben und damit zusätzliche Impulse für die Branche setzen."
Fachkräfte von morgen: Steigende Zahl an Ausbildungsverträgen
Zentrales Instrument zur Fachkräftesicherung bleibe für das Handwerk die Ausbildung des eigenen Nachwuchses. Die aktuellen Entwicklungen seien ermutigend: 2024 wurden laut ZDH mit über 131.000 neuen Ausbildungsverträgen mehr Verträge abgeschlossen als im Vorjahr. Auch für 2025 zeichnet sich bislang ein positiver Trend ab. ewö mit dpa