Aktuelle Entwicklung in Bierbranche Bierabsatz auf Rekordtief – Brauereien unter Druck

Der Bierkonsum in Deutschland sinkt weiter: Erstmals seit Beginn der Statistik wurde im Halbjahr die 4-Milliarden-Liter-Marke unterschritten. Der Brauer-Bund warnt vor wirtschaftlichen Folgen – auch durch das neue Zollabkommen mit den USA.

Reihe von Biergläsern
So wenig alkoholhaltiges Bier wie in diesem Jahr wurde zuletzt in den ersten Monaten der Pandemie getrunken. - © Alexandre - stock.adobe.com

Die Menschen in Deutschland trinken immer weniger Bier. Im ersten Halbjahr 2025 haben die deutschen Brauereien so wenig alkoholhaltiges Bier im In- und Ausland abgesetzt wie noch nie seit Einführung der Statistik im Jahr 1993, berichtet das Statistische Bundesamt.

3,9 Milliarden Liter bedeuteten zum Vorjahreszeitraum einen Rückgang um 6,3 Prozent. Derartige Einbrüche hatte es nur zu Beginn der Corona-Pandemie im ersten Halbjahr 2020 und im zweiten Halbjahr 2023 gegeben. 

Erstmals wurde in einem Halbjahr die Grenze von 4 Milliarden Litern unterschritten. Im Inland, das immer noch knapp 82 Prozent des Gesamtabsatzes ausmacht, war der Rückgang mit 6,1 Prozent etwas schwächer als beim Export, wo die Menge um 7,1 Prozent zurückging.

Brauer-Bund sieht auch Probleme in den USA

Der Deutsche Brauer-Bund sieht neben der demografischen Entwicklung auch konjunkturelle Probleme. Hauptgeschäftsführer Holger Eichele sagt: "Ähnlich wie bei Gastronomie und Handel schlägt das schlechte Konsumklima auch auf die Brauereien voll durch. Die Situation der Gastronomie ist besorgniserregend, viele Betriebe kämpfen ums Überleben und haben sich seit der Pandemie nicht mehr erholt." Beim Export werde das Zollabkommen mit den USA den Druck auf die Betriebe noch einmal erhöhen

Kosten steigen schneller als Preise

Knapp 100 kleine und mittlere Betriebe haben nach Angaben des Brauer-Bundes in den vergangenen fünf Jahren bereits aufgegeben, während Branchenriesen wie Radeberger große Braustätten wie die Binding-Brauerei in Frankfurt geschlossen haben. Doch der Markt ist bei knapp 1.500 verbliebenen Brauereien nach wie vor von großen Überkapazitäten geprägt, was dem mächtigen Einzelhandel die Preisverhandlungen weiterhin leicht macht. 

Keine schnelle Markterholung erwartet

Veltins-Chef Kuhl rechnet in naher Zukunft mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten bei vielen Betrieben. "Die Luft wird für viele Brauereien durch den gewachsenen Kostendruck dünn, zumal wir nicht von einer Marktentspannung vor Ende 2026 ausgehen."

Für den Brauer-Bund steht auch mit Blick auf die europäischen Nachbarn fest: Bier ist in Deutschland eindeutig zu billig – sowohl im Supermarkt als auch in Kneipen und Restaurants. Ob die Brauer tatsächlich höhere Preise durchsetzen können, steht aber noch aus.

Lichtblick bleibt die Entwicklung der alkoholfreien Sorten: Im vergangenen Jahr wurde mit 579 Millionen Litern fast doppelt so viel alkoholfreies Bier produziert wie noch zehn Jahre zuvor. Auch alkoholreduzierte Mischgetränke wie zum Beispiel Radler legten seit 2014 zu, wenn auch nur um 9,3 Prozent auf 364 Millionen Liter. avs/dpa