Camping boomt, entsprechend nötig sind Fachkräfte in diesem Bereich. Die neue Fachrichtung Caravan- und Reisemobiltechnik im Ausbildungsberuf Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker trägt dem Rechnung. Ausbildungspioniere kämpfen noch mit Anlaufschwierigkeiten.

Die Reisefreude der Deutschen hat die Ausbildungslandschaft verändert: Caravan- und Reisemobiltechnik heißt eine dritte, 2023 neu gebildete Fachrichtung innerhalb des Karosserie- und Fahrzeugbauerhandwerks. "Wir werden auf Messen unglaublich oft darauf angesprochen", berichtet Steffen Fuchs, Referatsleiter Berufsbildung im Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF). Bisher gibt es noch wenige Auszubildende in dieser Fachrichtung, das Interesse der Betriebe ist groß.
Nicht nur verändertes Urlaubsverhalten, auch der technologische Fortschritt fordert die Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker. Andere Werkstoffe und Fügetechniken, komplexe alternative Antriebe und neue Fahrwerkstechnik beschäftigen die Betriebe. Auch die Vernetzung aus mechanischen, elektronischen, hydraulischen und pneumatischen Fahrzeugsystemen wird immer komplexer.
Zu traditionellen Fertigkeiten sind in dem Beruf inzwischen außerdem Kenntnisse im Umgang mit Fahrerassistenzsystemen, Sicherheit und Komfortelektronik hinzugekommen. Neben der neuen Fachrichtung wurden also gleichzeitig auch die bestehenden Fachrichtungen im Ausbildungsberuf Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker neu geordnet. Seit März dieses Jahres ist außerdem die Meisterprüfungsverordnung modernisiert und um die Caravan- und Reisemobiltechnik ergänzt.
Anlaufschwierigkeiten in der neuen Fachrichtung
Die Pioniere der neuen Fachrichtung kämpfen mit Anlaufschwierigkeiten. Ein Unternehmer aus Sachsen berichtet, er hätte einen Interessenten für die neue Fachrichtung gehabt, müsse ihn aber als Kfz-Mechatroniker ausbilden, weil vor Ort keine Berufsschulklasse in der Fachrichtung voll geworden sei. Fuchs bedauert solche Missverständnisse. "In den ersten beiden Lehrjahren können alle drei Fachrichtungen gemeinsam beschult werden, im ersten Lehrjahr sogar gemeinsam mit anderen fahrzeugaffinen Berufen wie Kfz-Mechatronikern, Zweiradmechatronikern oder Land und Baumaschinenmechatronikern."
Im zweiten Ausbildungsjahr werden die Grundlagen der Karosserie- und Fahrzeugbautechnik geschaffen, weshalb auch hier alle drei Fachrichtungen gemeinsam beschult werden können. "Es muss also noch gar keine ganze Klasse in der Fachrichtung zustande kommen“, erklärt Fuchs die Struktur.
Erst im dritten Lehrjahr kommen spezifische Inhalte der Fachrichtung hinzu:
- Instandhaltung und Bau von Caravan- und Reisemobil-Wohnaufbauten
- Sachkunde in Flüssiggasanlagen
- Umgang mit Hochvoltsystemen
- Klebe- und Kunststofftechnik
Aktuell 16 Berufsschulstandorte für Caravan- und Reisemobiltechnik
Vor dem dritten Lehrjahr müsse kein Auszubildender zu einer weit entfernten Berufsschule pendeln, ist Fuchs zuversichtlich. Welche Berufsschulstandorte sich aber letztlich durchsetzen, könne man noch nicht sagen. Bisher sind 16 Standorte in Deutschland benannt, zu viele und sehr ungleich verteilt, befürchtet Fuchs. Auf lange Sicht müsse die Anzahl der berufsbildenden Schulen an die Zahl der Auszubildenden angepasst werden, vermutet Fuchs.
Der Ausbildungsberuf Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker kann sowohl nach der Handwerksordnung als auch nach Berufsbildungsgesetz ausgebildet werden, er ist auf doppelter Rechtsgrundlage verordnet. Das sorgt aber auch für Unwuchten. Nur die Handwerksorganisation bietet ihren Azubis eine überbetriebliche Ausbildung, nicht aber die Industrie- und Handelskammern. Auszubildende aus der Industrie dürfen zwar theoretisch in den Bildungszentren des Handwerks lernen. "Dort gibt es bisher aber nicht immer genügend Plätze für alle, was aufseiten der Industriebetriebe für Unmut sorgt", berichtet Heinz Windschüttl vom Berufs- und Fortbildungszentrum der Karosserie- und Fahrzeugbauer-Innung Südbayern.
Wer darf Caravan- und Reisemobiltechniker ausbilden?
Überhaupt herrscht noch viel Unsicherheit bei interessierten Betrieben, ob sie den Beruf überhaupt ausbilden dürfen. Fuchs warnt, dass beispielsweise ein Kfz-Meister nicht die Grundlage bilde, um Karosseriebauer im Handwerk auszubilden. Genauso wenig sei es garantiert, dass Caravan-Techniker als Ausbilder zugelassen würden, auch wenn das in den meisten Handwerkskammern so praktiziert werde.
Fuchs empfiehlt Betrieben, sich bei der zuständigen Handwerkskammer beziehungsweise. Industrie- und Handelskammer zu informieren. Ebenso rät er Betrieben, die in der Ausbildungsverordnung sowie im Rahmenplan mit den fachrichtungsübergreifenden und den fachspezifischen Inhalten nachzulesen, was ein Ausbildungsbetrieb alles erfüllen muss. "Wer diese Voraussetzungen nicht alle erfüllt, könnte eine Ausbildungskooperation mit einem Karosserie- und Fahrzeugbaubetrieb eingehen", empfiehlt Fuchs.
Trotz der Unruhe in der Branche ist Fuchs zuversichtlich: Anlaufschwierigkeiten mit einer neuen Fachrichtung seien normal, es dauere erfahrungsgemäß drei bis fünf Jahre, bis sich ein Verfahren eingespielt habe. Bis dahin, so verspricht er, werde der ZKF Betriebe, Ausbilder, Dozenten von Bildungseinrichtungen sowie Lehrkräfte mit Veranstaltungen und Infomaterial unterstützen.
Infos und Links zur neuen Fachrichtung Caravan- und Reisemobiltechniker
- Im Bundesgesetzblatt ist die Verordnung über die Berufsausbildung zum Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker mit allen Informationen zur neuen Fachrichtung veröffentlicht worden.
- Hintergrundinformationen sowie Links zum Rahmenlehrplan für Auszubildende im Karosserie- und Fahrzeugbau stehen beim Bundesinstitut für Berufsbildung.
- Das Bundesinstitut für Berufsbildung hat außerdem eine Umsetzungshilfe für alle drei Ausbildungsrichtungen veröffentlicht, also für Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker Fachrichtungen Caravan- und Reisemobiltechnik, Karosserie- und Fahrzeugbautechnik sowie Karosserieinstandhaltungstechnik
- Der Caravaning Industrie Verband (CIVD) hat unter "Sonnigekarriere" eine eigene Webseite für die neue Fachrichtung eingerichtet, mit Informationen, vor allem aber mit einer Liste der ausbildenden Betriebe in ganz Deutschland.