Neue Ausbildungsordnungen 5 Handwerksberufe – 5 Updates

Ab August 2025 greifen neue Ausbildungsordnungen in 5 Handwerksberufen – mit klaren Schwerpunkten auf Digitalisierung, Praxisnähe und Zukunftsfähigkeit. Ein Überblick über die wichtigsten Änderungen für Betriebe.

Edelsteinfasser
Feinarbeit mit Zukunft: Der Ausbildungsberuf Edelsteinfasser bleibt eigenständig – mit modernisierten Inhalten und enger Verzahnung zur Gold- und Silberschmied-Ausbildung. - © CesareFerrari - stock.adobe.com

Die Anforderungen an Fachkräfte verändern sich rasant – und das spiegelt sich auch in der Ausbildung wider. Wer junge Menschen im Handwerk qualifiziert, muss heute digitale Kompetenzen, moderne Technologien und neue Kundenbedürfnisse mitdenken. Genau darauf zielen die überarbeiteten Ausbildungsordnungen ab, die ab August 2025 in Kraft treten.

Fünf Berufe wurden dabei neu geordnet oder grundlegend modernisiert:

  • Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement
  • Schornsteinfeger/-in
  • Fotograf/-in
  • Gold- und Silberschmied/-in
  • Edelsteinfasser/-in

Die neuen Regelungen spiegeln aktuelle technische Entwicklungen wider und stärken die Handlungskompetenz der Auszubildenden. Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Änderungen im Überblick.

Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement

Die Ausbildung wird künftig noch stärker auf digitale Abläufe ausgerichtet – mit mehr Fokus auf Bürosoftware, Projektmanagement und Kommunikation. Auch Themen wie Kundenbetreuung und rechtliche Grundlagen gewinnen an Bedeutung.

Zudem wird die gestreckte Abschlussprüfung dauerhaft etabliert. Das bestehende Strukturmodell mit Pflicht- und Wahlqualifikationen bleibt erhalten. Der Deutsche Qualifikationsrahmen spielt eine stärkere Rolle: Ziel ist es, fachliche und methodische Kompetenzen für die moderne Büroarbeit gezielt zu vermitteln.

Schornsteinfeger/-in

Die Ausbildung entwickelt sich hin zu einem zukunftsorientierten Berufsbild: Regenerative Energien, moderne Heiz- und Lüftungssysteme sowie digitale Messmethoden rücken stärker in den Fokus.

Darüber hinaus werden Beratungskompetenzen wichtiger – etwa zur Energieeffizienz und Ressourcenschonung, um Kundinnen und Kunden fundiert zu unterstützen.

Fotograf/-in

Auch im Fotografiehandwerk stehen digitale Trends im Mittelpunkt: Die überarbeitete Ausbildung legt mehr Wert auf Bildbearbeitung, crossmediale Präsentation und kundenorientierte Projektarbeit.

Neue Bildformate und Social Media werden ebenfalls stärker berücksichtigt – damit angehende Fotografen am Puls der Zeit bleiben.

Gold- und Silberschmied/-in

Aus zwei Berufen wird einer: Goldschmiede und Silberschmiede werden künftig unter der neuen Bezeichnung "Gold- und Silberschmied" gemeinsam ausgebildet – mit den bekannten Fachrichtungen.

Die Ausbildung wird nachhaltiger, digitaler und techniknaher. Moderne Verfahren wie die additive Fertigung finden Eingang in den Lehrplan. Auch Kundenberatung wird intensiver geschult. Neu ist außerdem: Die Zwischenprüfung erfolgt über ein Werkstück, nicht mehr schriftlich. In der Gesellenprüfung müssen ein Werkstück erstellt und eine schriftliche Prüfung abgelegt werden.

Edelsteinfasser/-in

Dieser Beruf bleibt als eigenständiger Ausbildungsberuf erhalten – weiterhin mit einer Dauer von dreieinhalb Jahren.

Spannend: Die ersten beiden Ausbildungsjahre sind inhaltlich identisch mit denen des Gold- und Silberschmieds. Das ermöglicht eine gemeinsame Beschulung und gegenseitige Anrechnung der Inhalte.

Berufsbildung braucht Tempo und Zielgruppenfokus

Mit Blick auf die anstehenden Veränderungen in der beruflichen Bildung mahnt BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser zur Entschlossenheit:
"Um dem Anspruch einer beschleunigten Transformation gerecht werden zu können, müssen wir in der Ordnungsarbeit schneller werden und die Angebote der beruflichen Aus- und Weiterbildung noch passgenauer auf die Voraussetzungen der Lernenden ausrichten."

Nur eine flexible, inklusive und exzellente Berufsbildung könne möglichst viele junge Menschen erreichen und bislang ungenutztes Potenzial heben, betont Esser. Rund drei Millionen junge Menschen ohne Berufsabschluss bezeichnet er als "No-Go für den Wirtschaftsstandort Deutschland".

Esser macht deutlich: Die Förderung junger Menschen, damit sie sich als qualifizierte und verantwortungsvolle Fachkräfte entwickeln können, bleibt eine der zentralen Aufgaben der kommenden Jahre – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden Fachkräftekrise. "Das ist mehr als ein Gebot der Stunde", so Esser.

Detaillierte Informationen zu den überarbeiteten Ausbildungsordnungen stellt das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) zur Verfügung. avs