500 Seiten im Check Studie: Handwerker-Webseiten schrecken Kunden ab

Fehlende Preisangaben, unpersönliche Auftritte und komplizierte Kontaktaufnahme: Handwerker verschenken massiv Potential im Internet. Handwerksberater Jörg Mosler gibt drei schnell umzusetzende Tipps für den eigenen Netzauftritt.

Die Website ist oft der erste und auch entscheidende Kontakt zum potentiellen Kunden. Eine Studie zeigt: Handwerksbetriebe verschenken hier viel Potential. - © Ankit - stock.adobe.com/mit KI generiert

Die eigene Webseite ist für einen Handwerksbetrieb weit mehr als nur eine digitale Visitenkarte – es ist oft der erste und zugleich der entscheidende Kontakt zum Kunden. Die meisten Handwerksbetriebe in Deutschland verschenken dabei Potenzial. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Sandra und Jörg Mosler mit ihrer Agentur "Team handwerk-digital". Viele Internetauftritte würden potenzielle Kunden eher abschrecken, als dass sie Vertrauen schaffen. "Es gibt verdammt viel Luft nach oben", sagt Handwerksberater Jörg Mosler gegenüber der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). Im Schnitt erreichten die Webseiten nur 2,12 von neun möglichen Punkten.

Für die Analyse haben die beiden Studienautoren die Webseiten von 500 Betrieben aus fünf Gewerken in fünf deutschen Großstädten untersucht. Darunter waren die ersten 20 Google-Treffer für Dachdecker, Maler, Installateure (SHK), Schreiner und Elektriker in München, Frankfurt, Düsseldorf, Leipzig und Hamburg.

4 Kriterien nach denen potenzielle Kunden suchen

Sandra und Jörg Mosler simulierten dabei das Vorgehen eines potenziellen Kunden, der abends auf dem Smartphone oder Tablet nach einem Handwerker sucht. Bei ihrem sogenannten "Sofa-Test" bewerteten sie die Seiten anhand von vier Kriterien:

  1. Informationen: Sind die Infos verständlich und werden die wichtigsten Fragen zur Dienstleistung beantwortet?
  2. Preis: Gibt es Informationen zum Preisgefüge – ob über einen Konfigurator, eine erste Schätzung oder eine Tabelle zu Dienstleistungen?
  3. Vertrauen: Gibt es Bilder vom Team und Kundenstimmen, die Vertrauen schaffen?
  4. Kontakt: Gibt es eine schnelle Kontaktmöglichkeit, idealerweise eine Option einen Telefontermin per Online-Kalender zu buchen?

Das Ergebnis der Analyse fiel ernüchternd aus. Während nur drei Webseiten knapp an der Höchstwertung vorbeischrammten, fielen 69 der 500 Seiten mit null Punkten durch.

Mangel an Transparenz und Service

Die Studie zeigt in allen vier Testkategorien deutliche Schwächen. Besonders bei Preisangaben und Kontaktmöglichkeiten erfüllen die meisten Betriebe die Erwartungen der Kunden nicht.

  1. Informationen: Nur 15 Prozent der Seiten beantworten typische Kundenfragen, etwa in einem FAQ-Bereich. Die Mehrheit (59 Prozent) beschränkt sich auf allgemeine Branchentexte ohne Mehrwert für Laien.
  2. Preisinformationen: 88 Prozent der Webseiten geben keinerlei Auskunft über Preise. Nur acht Prozent bieten einen Preiskonfigurator für eine erste Schätzung an.
  3. Vertrauen: Auf 78 Prozent der Webseiten fehlt ein Foto des Inhabers oder Ansprechpartners. Kundenstimmen fehlen auf der Hälfte der Seiten, und nur 16 Prozent binden externe Bewertungen, zum Beispiel von Google, ein.
  4. Kontakt: Am schwächsten schneiden die Seiten bei der Kontaktaufnahme ab. Eine Online-Terminvergabe bieten laut der Studie nur ein Prozent der Unternehmen an. "Das ist sogar aufgerundet", präzisiert Jörg Mosler. "Real handelt es sich um exakt vier der 500 Seiten."

3 konkrete Tipps für die Praxis

Jörg Mosler ist Handwerksberater und unterstützt Betriebe unter anderem beim Gewinnen von Fachkräften. - © Jörg Mosler

Aus den Ergebnissen leitet Jörg Mosler im Gespräch mit der DHZ drei Ratschläge ab, die jeder Betrieb schnell umsetzen könne:

  1. Fotos: "Zeigen Sie Persönlichkeit! Statt des üblichen Fotos vom Firmentransporter sollte ein Bild von Ihnen als Unternehmer auf der Startseite sein. Das schafft einen besseren ersten Eindruck und baut Vertrauen auf."
  2. Kundenfragen: "Beantworten Sie die gängigsten Kundenfragen direkt auf der Webseite. Pro Gewerk gibt es in der Regel acht bis zwölf Fragen, die immer wieder kommen. Beantworten Sie diese proaktiv, zum Beispiel in einem ausklappbaren Menü."
  3. Kontaktaufnahme vereinfachen: "Ein geführtes Formular mit Auswahlmöglichkeiten und gezielten Vorab-Fragen hilft statt eines leeren Kontaktfeldes. Das ist für den Kunden komfortabler und liefert Ihnen als Handwerker strukturierte Informationen, was im weiteren Prozess Zeit spart."

Auch bei der Jobsuche bleibt Potenzial ungenutzt

Die Analyse untersuchte auch die Karrierebereiche der Webseiten. Das Ergebnis: Mehr als die Hälfte der Unternehmen (53 Prozent) hat keine eigene Jobseite. Bei den übrigen nennen nur 18 Prozent einen konkreten Ansprechpartner für Bewerbungen, und nur 27 Prozent stellen das Team mit Bildern vor. Im Schnitt erreichen die Karriereseiten 1,51 von vier möglichen Punkten.